[Dieser Artikel enthält Spoiler zu Star Wars: Das Imperium schlägt zurück und Star Wars: Die letzten Jedi]

Die Reaktionen der Fans zum aktuellen Star Wars Film Die Letzten Jedi sind durchaus ziemlich unterschiedlich – doch es ist nicht der erste polarisierende Film der Star Wars Reihe – diese Ehre ging an Das Imperium schlägt zurück aus dem Jahre 1980.

Das Imperium zählt heute ohne Frage zu einem der besten Filme des Franchises (für einige ist es sogar der beste Star Wars Film) und kann auf Rotten Tomatoes mit einem Publikums-Score von 97% und einer 8.8/10 auf IMDb aufwarten.
Diese Scores wurden erst Jahrzehnte nach der Original Trilogie geschaffen – aber die Meinungen er Fans können sich in dieser Zeit doch nicht verändert haben, oder?

Wie reagierten die damaligen Fans überhaupt?

In der heutigen Zeit hat jeder ein Sprachrohr: Das Internet hilft uns dabei, allerhand geistigen Hirnschmalz in den Äther zu pumpen oder aber an Informationen heranzukommen.
1980 hatten Sci-Fi Fans jedoch kein Internet und man musste sich News aus Magazinen holen.
Das größte Sci-Fi Magazin der 80er Jahre war Starlog – mit einem Fokus auf Filmen und Serien.

 

 

Das Magazin bot den Fans außerdem Raum, um die eigene Meinung in die Welt zu tragen – in Form von Gastbeiträgen aus Briefen hatte man also das, was dem Internet oder den sozialen Medien im Jahr 1980 am nähesten kam.

Die wunderbare Seite Archive.Org hat außerdem eine Sammlung des Starlog Magazins – wobei sich ein Blick auf Ausgaben 39-41 besonders lohnt. Denn hier sind die Fanreaktionen zu Das Imperium zu finden.

Wie jetzt bei Die Letzten Jedi waren sie durchaus gespalten. Einige fanden den Film besser als den ersten Teil, andere hatten Spaß, konnten jedoch einige Fehler ausmachen und wiederum andere waren enttäuscht.
Was hier am interessantesten ist: Einige spezifische Kritiken und Kommentare hören sich fast genau so an, wie die heutigen zu Die Letzten Jedi.

 

 

Derzeit gibt es Spekulationen darüber, ob die Eltern von Rey tatsächlich einfach nur niemand waren. Schließlich ist Kylo Ren ein böser Typ, der auch einfach lügen könnte, damit Rey sich ihm anschließt.

Lustig, denn genau das selbe dachten einige Fans 1980, als Darth Vader Luke Skywalker offenbarte, dass er sein Vater sei.

Robert L. Beedy-Scarola schrieb:

Ist Luke mit Vader verwandt? Die meisten denken das jetzt, da Vader direkt damit herausrückte und es sagte. Nun, ich frage mich – glaubt ihr alles, was ihr hört? Vader könnte auch einfach nur lügen, um Luke auf seine Seite zu ziehen. Nachdem er bekommen hätte, was er wollte, hätte er Luke einfach weggeworfen.

Wie viele Fans die Wahrheit bis Die Rückkehr der Jedi-Ritter letztlich nicht glaubten ist natürlich schwer festzumachen. Jedoch gibt es auf Reddit und Quora Benutzer, die damals „da waren“ und sagen, dass es ein ziemlich hoher Anteil der Fangemeinde war.
Außerdem gibt es ein historisches Dokument aus dem Jahr 1981 – im Jahrbuch der Seton Hall University wird vom Besuch des Schauspielers „David Proust“ (wir alle kennen ihn als David Prowse)
berichtet, der diese Thematik ansprach.

Die Antwort auf die Frage, die Millionen seit der Veröffentlichung des Films „Das Imperium schlägt zurück“ verfolgt, wurde am 11. November 1980 von einem Experten beantwortet.

„Millionen“ deutet also in der Tat daraufhin, dass nicht wenig Fans damals, wie heute, nicht an besagte Enthüllungen glaubten.

Wenn Ihr empfindet, dass The Last Jedi zu viele unbeantwortete Fragen hatte, dann sind die Zuschauer von The Empire Strikes Back eure Leidensgenossen.

Sean Bernard schrieb:

Ich weiß, dass sie einiges auslassen wollten, um es in Fortsetzungen einzubauen, aber es fehlte ein wenig zu viel. Han Solos Dilemma zum Beispiel. Der Film hätte nicht enden sollen, bis Han entweder von Boba Fett oder Jabba getötet wurde oder von Lando Calrissian oder Chewbacca gerettet wurde, vorzugsweise das Erste. Außerdem wird das Schicksal von Bespin nicht offenbart. Wurde es von Landos Truppen eingenommen oder von imperialen Truppen? Oder wurde es von Vader zerstört? Ich mag Lando Calrissian und Billy Dee Williams war sehr gut darin, diese Rolle zu spielen.

Außerdem gab es da ja noch die ungelöste Frage, wer mit „eine andere Hoffnung“ gemeint war, die Yoda gegenüber Obi-Wan anspricht, als Luke nach Bespin reist.

Arlene Bahrenburg schrieb hier z.B:

Und eine der größten Fragen, die ich mir stelle: Wer ist Yodas „anderer“ Schüler? Könnte es ein Mädchen sein? Oder eine Liebe für Luke? Ich habe 1,095 Tage, um meine eigene Schlussfolgerung zu ziehen.

Bill Smith hatte da eine ganz andere Vermutung:

Könnte es Vader selbst sein? Wenn man daran denkt, dass es ein Gleichgewicht der Kraft zwischen der guten und bösen Seite der Macht gibt, wäre es nicht unmöglich, dass Vader in das genaue Gegenteil von dem, was er jetzt ist, verwandelt wird? Besonders, wenn Luke (welcher, abgesehen von Yoda, der vermutlichst mächtigste Nutzer der guten Seite der Macht ist) wirklich sein Sohn ist.

Keith Hoffman lag mit seiner Idee gar nicht so verkehrt und war überraschenderweise auch noch ziemlich nah an dem Release des ersten Prequels dran:

Ich vermute Prinzessin Leia. Sie ist jung genug für das Training, sie widerstand Darth Vaders Folter, sie hat sich der Sache verschrieben. Prinzessin Leia und nicht Lando „hörte“ Lukes Schrei nach Hilfe. Han Solo ist nicht in der Lage irgendwohin zu gehen und er ist zu alt. Ich wäre nicht überrascht, wenn im dritten Film Leia und nicht Luke den Imperator zerstört. Aber das werden wir natürlich erst im Jahr 2000 herausfinden.

 

Nach Die Letzten Jedi waren außerdem einige Fans davon enttäuscht, dass sich ihre Erwartungen und Theorien nicht so entfalteten, wie erhofft. Einige von ihnen waren auch etwas „traurig“ darüber, dass ihre bevorzugten „Pärchen“ wie Poe und Finn (ja, da gibt’s eine große Fangemeinde), Rey und Finn oder Rey und Kylo Ren nicht zusammenkamen.
Auch 1980 waren die Fans da enttäuscht.

 

Carol Kane:

Komm schon Leia! Warum siehst du dich nicht um? Kannst du nicht sehen, mit was Luke sich messen muss? Du hättest einen ’netten‘ Typen wie ihn haben können. Stattdessen hast du dich von ihm abgewandt. Vergiss einfach, dass es Luke war, der dich davor geschützt hat, dass deine Atome durch die Galaxy gesprengt wurden. Vergiss einfach, dass es Luke und nicht Han Solo war, der dich aus dem Gefängnisblock des Todessterns retten wollte. Aber du musst dich da gar nicht daran erinnern, Leia. Solange ‚Kussmund‘ Han in der Nähe ist, wer braucht da überhaupt einen Luke?  „

Fans waren sogar über die „Ich weiß“ Zeile erbost.
Jeanette Vogelpohl:

Jemand sollte Harrison Ford beibringen, dass wenn eine Frau einem Mann ‚Ich liebe dich‘ sagt ‚Ich weiß‘ keine akzeptable Antwort ist. Diese Szene war nicht lustig. Es war ärgerlich!

„Politik“ in Filmen, wie der „Genderwahn“ (wie er von einigen betitelt wird) und „political correctness“ gibt es laut einigen Leuten erst seit den Zeiten des Internets.
Doch auf den Seiten des Starlog Magazins, konnte man 1980 bereits darüber lesen.
Wie Richard Hess schrieb:

George Lucas hat einen Film gemacht, der noch rassistischer und sexistischer ist, als der erste Teil. Ich hätte gedacht, dass Billy Dee Williams es ablehnen würde, der Vorzeige-Schwarze in dem Film zu sein. Außerdem war da nur eine einzige Frau, abgesehen von Carrie Fisher, im Film

Wenn Ihr euch jetzt wundert, wer damit gemeint war: Der Verfasser des Kommentars bezieht sich vermutlich auf die Rolle „Other Rebel Officer„, welche von Brigitte Kahn gesprochen wurde – der einzigen anderen Frau mit Text.

Die Letzten Jedi wird von Kritikern in sehr hohen Tönen gelobt. Es gibt nicht wenig Fans, die den Film zwar durchaus mögen, aber den „Hype“ der Kritiker nicht verstehen können.
Nun: Auch dieses Phänomen (und einige andere Punkte) spiegelt sich in der Review von David Gerrold vom Starlog Magazine wieder.
Er sagte nämlich:

Ich mochte ihn. Ich mag ihn wirklich. Ich mag ihn nur nicht genug.
Fast jeder andere Kritiker im Land hat euch erzählt, wie gut der Film ist. Sie haben sich dabei schon fast selbst ein Bein ausgerissen, um es euch zu sagen. Es ist beschämend. Ich fühle mich schuldig dafür, dass ich es nicht so sehr mag, wie ich es mögen sollte.

Seine anfängliche Kritik ist der typische Science Fiction Fan, der wissenschaftliche Ungenauigkeiten aufzählt:
Zum Beispiel: Als der Rasende Falke innerhalb der riesigen Weltraumschnecke auf/im Asteroiden landet, sollte es dort keinerlei Anziehung geben – sie hätten also gar nicht rumlaufen können. Und sie hätten Schutzanzüge tragen müssen, um sich vor der fehlenden Atmosphäre zu schützen. Das zweite Problem wird auch bei Die Letzten Jedi oft aufgegrifen, da Prinzessin Leia überleben kann, als sie ins All gezogen wird.

Gerrold wunderte sich außerdem auch darüber, wie eine Weltraumschnecke auf einem Asteroiden ohne jegliche Nahrungsquelle überlegen kann, wie der Falke mit einem kaputten Hyperraumantrieb vom Hoth System ins Bespin System reisen kann und weiteren kleineren „Fehlern“.

Wenn es um die Kritik der Handlung geht, wird es etwas subjektiver. Er empfand das Fehlen eines McGuffin (ein Ding, nachdem jeder sucht – wie im ersten Film die Pläne des Todessterns) als Schwäche des Sequels. Er fand, dass der Film zu tempogeladen war, zu viel passierte und dass dieses ‚Pacing‘ zu einem unbefriedigenden Höhepunkt führte. Er empfand es so, als wäre Luke nicht wirklich ‚gewachsen‘ oder hätte irgendwas gelernt und dass Yoda das Schiff wieder zurück in den Sumpf hätte schweben lassen, damit Luke lernt, wie er es selbst machen kann.

Seine Kritik an der Struktur der Story ist außerdem ziemlich interessant und spiegelt ein wenig die heutigen Reaktionen zu TLJ wieder:

Dem Film schadet, dass man es für nötig hält die ‚Formel‘ des temporeichen übergreifenden Vorgängers zu imitieren. Wir springen die ganze Zeit zwischen Luke und Yoda auf Dagobah und Leia und Han auf dem Asteroiden hin und her – und das Zeitgefühl für beide Handlungen ist gestört. Wie lange waren Han und Leia auf der Flucht? Und wie lange lernt Luke bei Yoda?

Zwischen verschiedenen Geschichten in verschiedenen Orten zu springen ist etwas, das heute in sehr vielen modernen Filmen vorkommt. Doch damals war es noch als ein wenig künstlerisch, verwirrend oder schlechtes Handwerk angesehen. (Etwas, was einige Menschen Rian Johnson derzeit vorwerfen – The Last Jedi sei handwerklich einfach nicht gut)
George Lucas spielte mit dieser Technik das erste Mal in American Graffiti und in der Dokumentation The Making of American Graffiti erklärte er:

Es war einer der ersten Filme, der Vier Geschichten gleichzeitig erzählte, ohne, dass diese Geschichten wirklich miteinander verbunden waren. Das Studio sagte, das sei unmöglich. Das kannst du nicht tun. Du musst erst die eine Geschichte erzählen, dann die nächste und dann die nächste.
Nun, das gesamte Fernsehen ist diesen Weg gegangen. Ich meine, fast jede TV Serie hat diesen Style übernommen.
Aber damals war es extrem kontrovers.
Und viele Studios wollten den Film nicht anfassen, da ich versuchte diese Vier Geschichten mit Zwischenschnitten zu versehen.
Die Menschen realisieren bei dieser Art von Filmen nicht – da sie so neu, anders und experimentell sind – , dass die Leute sie dennoch sehen wollen.
Nun bewegt sich die gesamte Industrie irgendwie in diese Richtung und es wurde zum Standart. Aber die Menschen verstehen nicht, dass zu der Zeit, als diese Filme gedreht wurden, besonders American Graffiti, es war ein sehr künstlerischer Film.

Und lustiger Weise spiegelt die Kritik von Gerrold über die Struktur von Das Imperium schlägt zurück genau den Grund wieder, warum die Studios damals American Graffiti nicht machen wollten:

Warum nicht bei Han und Leia bleiben, bis sie den Asteroiden verlassen und sich auf ins Bespin System machen, dann ein Schnitt zu Luke, der auf Dagobah landet und wir bleiben bei ihm, bis er aufbricht?
Wird das Tempo verändert?  Ja, es verlangsamt es. So wird außerdem etwas Entfernung zwischen den Orten/Handlungen angedeutet. (Crosscutting [von einer Handlung zur nächsten zu Springen] impliziert außerdem auch Gleichzeitigkeit – ein Konzept, das laut den meisten modernen Physikern unmöglich ist – besonders in einem so astronomischen Maßstab. Sorry)

Gerrold bekam für seine Kritik sowohl viel Zuspruch, als auch viel Gegenwind – die Dinge haben sich echt kein Stück geändert.

Film ist ein sich ständig veränderndes Medium – dennoch ist es ziemlich interessant und teilweise auch lustig zu lesen, dass es bei zwei Filmen die 37 Jahre auseinander liegen fast genau die selben Kritikpunkte gibt/gab.

Wer weiß. Vielleicht wird das Pacing von The Last Jedi in Zukunft nicht so komisch auf die Leute wirken. Vielleicht gibt es in kommenden Filmen befriedigende Antworten auf die Menschen, sodass sie nicht weiter Fragen stellen müssen.

 

Das Imperium schlägt zurück wird heute als der beste Film des Star Wars Franchises angesehen – seinerzeit war er jedoch genauso „verwirrend“ bei den Hardcore Fans, wie Die Letzten Jedi, die nun durch das Internet eine lautere Stimme haben.

Ich persönlich bin ziemlich gespannt, wie sich dieses Bild des neuen Films im Laufe der Jahre verändern wird.

 

 

 

 

 

 

 

 

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