Es folgen massive Spoiler zu Star Wars: Das Erwachen der Macht. Lest nicht weiter, wenn ihr den Film noch nicht gesehen habt.

Star Wars: Das Erwachen der Macht hat einige neue Charaktere eingeführt. Einer von ihnen war Kylo Ren, ein Schurke mit viel Tiefe, der jedoch bei vielen „Fans“ nicht gut ankam.

Wir wollen uns seiner mal annehmen und den Charakter etwas näher durchleuchten.

Letzte Warnung. Es folgen Spoiler.

 

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Zunächst tritt Kylo Ren als das personifizierte Böse auf, der nach dem Aufenthaltsort von Luke Skywalker sucht, um diesen umzubringen.
Er verfolgt seine Agenda mit Härte und dient unter dem obersten Anführer Snoke, welcher sein (neuer) Meister ist.

Relativ früh im zweiten Akt des Films erfährt der Zuschauer, dass es sich bei Kylo Ren um den Sohn von Han Solo und Leia Organa handelt.
Er wurde in jungen Jahren von Luke ausgebildet und ist dann der dunklen Seite verfallen (wir schätzen im Alter von 15, da er ca 10 Jahre älter als Rey ist, welche im ungefähren Alter von 5 auf Jakku ausgesetzt wurde. DAZU gibt es mehr hier).

Mit seinen Rittern von Ren (einem Orden, dem er als „Meister“ dient) tötet er die neue Generation Jedi, die von Luke Skywalker ausgebildet wird (Vision von Rey).

Ben, sein „richtiger“ Name (wobei wir nicht sicher sind, ob er Solo oder Organa heißt, da seine Eltern beide noch ihre Nachnamen aus der OT tragen) ist somit der Enkel von Darth Vader.
Er sieht in ihm ein Vorbild und will sein Werk vollenden.
Regelmäßig (2 mal) hat er Wutausbrüche im Film und zerstört die Einrichtung.
Als er Rey verhört, nimmt er seine Maske ab und sein Gesicht kommt zum Vorschein.

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Und hier geht die, wie wir finden, unbegründete „Kritik“ an dem Charakter los: Er sei zu hässlich und eine Heulsuse.
So liebe Freunde. Das Aussehen sollte den Charakter hier nicht bestimmen. Und das tut es auch nicht. Es gab im Laufe der Filmgeschichte immer wieder Schauspieler, die keinen Schönheitspreis gewinnen würden (wobei sowas immer subjektiv ist).

„Die Heulsuse“ können wir nur daher erklären, dass das Publikum diesen komplexen Charakter einfach nicht versteht.
Es handelt sich hier um einen jungen Mann, der in seiner Jugend der dunklen Seite verfallen ist. Man spürt im Film förmlich den Kampf, der in ihm lodert. Die dunkle Seite gegen die helle Seite.

Wir haben das bereits gesehen. Anakin und Luke wurden beide von der dunklen Seite verführt. Luke konnte ihr widerstehen. Anakin nicht. Bei Ben ist es anders. Hier verführt ihn die helle Seite. Und das ist etwas, wovor er sich fürchtet, da Darth Vader in seinen Augen nur gescheitert ist, weil er sich der hellen Seite hingab.

Er ist keine Heulsuse. Er ist im ständigen inneren Konflikt mit sich selbst. Er hat seinem neuen Meister und der dunklen Seite die Treue geschworen und er will beiden dienen. Dennoch ist er ein Mensch und ein Sohn. Und genau das sieht man, wenn er seine Maske abnimmt.
Mit der Maske ist er das personifizierte Böse, das Ähnlichkeiten zu Darth Vader aufweist (ja, auch Vader hatte „Gefühlsausbrüche“ und tötete seine Untergebenen, wenn sie ihn verstimmten. Kylo lässt seine Wut an der Einrichtung aus).
Ohne die Maske ist er Ben. Ein emotionaler, „zerrissener“ junger Mann, der Angst hat. Hier sehen wir auch einige Ähnlichkeiten zu seinem Großvater Anakin Skywalker, bevor er gänzlich der dunklen Seite verfiel.

Außerdem verlangen sein Meister und die dunkle Seite von ihm das ultimative Opfer: Die Vernichtung seines eigenen Vaters, Han Solo.
In einem Moment der inneren Zerrissenheit tritt er seinem Vater gegenüber. Man erkennt, dass er nicht gänzlich der Finsernis verfallen ist und seinen Vater dennoch liebt. Er löscht das Leben seines Vaters (mit dessen Hilfe) jedoch aus und hat den (scheinbar) letzten Schritt in die Dunkelheit getan. Hier spürt der Zuschauer, dass ihn diese Tat sichtlich mitnimmt. Er wird von Chewbacca schwert verletzt und stellt sich Finn und Rey in einem Kampf. Finn besiegt er relativ einfach. Rey will er jedoch nicht töten, da er sie als seine eigene Schülerin will (spürt er die familiäre Verbindung zu ihr?).

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Und hier verlässt der Zuschauer Kylo Ren. Er ist besiegt und angeschlagen. Er hat soeben seinen Vater getötet und wir wissen, dass Snoke nun seine Ausbildung beenden will (was uns zeigt, dass dies nicht das volle Ausmaß seiner Kräfte waren, die dennoch enorm sind).

Kylo Ren ist einer der interessantesten Charaktere, die die Filmwelt schuf. Er ist kein eindimensionaler Schurke, der böse ist, weil der Film es verlangt (wie Darth Maul), sondern durchläuft eine klare Entwicklung im Film, die auch weitergeführt wird. (Ernsthaft. Ihm ist jetzt schon mehr Charakter-Entwicklung widerfahren, als Darth Vader in den ersten beiden Filmen.)

Wir hoffen einfach mal, ihr gebt diesem genialen Schurken noch eine Chance und seht ihn mit anderen Augen.

 

 

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