Als im Jahre 1966 zum ersten Mal eine eher unscheinbare Science-Fiction-Serie namens „Star Trek“ über die heimischen Bildschirme flimmerte konnte noch niemand ahnen, was für ein Siegeszug bevorstand. 51 Jahre später darf das Trek- Universum 13 Kinofilme, sieben Serien sowie viele Comics, Games und natürlich Massen an Fans sein Eigen nennen.

Im Jahr 2015 wurde bekannt gegeben, dass eine neue Serie geplant sei. CBS und Netflix sollte das neue Heim von „Star Trek Discovery“ werden und die Freude der Fans war umso größer als bekannt gegeben wurde, dass die Serie in der altbekannten „Roddenberry- Zeitline“ angesiedelt wird und zehn Jahre vor den Abenteuern von Kirk, Spock und Co spielt. Als Produzent fungiert Alex Kurzman (Star Trek 2009, Star Trek: Into Darkness), die Idee stammt von Bryan Fuller (Drehbuch u.a. DS9 und Voyager). Der Hauptcharakter ist dieses Mal ein erster Offizier namens Michael Burnham (Sonequa Martin-Green, bekannt aus The Walking Dead), welche sich u.a. an Bord der USS Discovery behaupten muss.

Cmdr. Michael Burnham (c) CBS

Am 27.09.2017 war es dann endlich soweit: die ersten beiden zusammenhängenden Episoden „Das vulkanische Hallo“ und „Kampf beim Doppelstern“ erfuhren ihre Premiere und erreichten auf den Streaming-Plattformen CBS All Access und Netflix überragende Quoten. Die Eingangsstory lässt auch erahnen, wohin die Reise gehen wird: Das Raumschiff USS Shenzhou entdeckt am Rand des Föderationsraums ein getarntes klingonisches Schiff, auf dem finstere Pläne geschmiedet werden. Die Klingonen streben eine Vereinigung aller ihrer 24 Häuser an, um gemeinsam die Föderation zu erobern. Commander Burnham ahnt die kriegerische Absicht, möchte alles riskieren, um die Shenzhou zu retten und plant sogar einen direkten Befehl zu missachten…

Teaser und Trailer ließen es schon durchblicken: Discovery fährt in Sachen Look und Effekte die moderne Schiene, welche an die JJ Abrams- Filme erinnert und doch den Spagat zum klassischen Star Trek schafft, in dem unter anderen viele Geräusche und Gegenstände (z.B. Phaser, Kommunikatoren) aus der alten Originalserie verwendet worden sind. Ebenso erinnern die Designs der Schiffe auch an die Vorgängerserie Star Trek: Enterprise. Natürlich fragte sich der alteingesessene Trekkie, warum die Technik auf der USS Shenzhou weiter fortgeschritten ist als in allen Trek-Serien zusammen, die ja (bis auf Enterprise) allsamt nach Discovery spielen: Holo-Kommunikation á la Star Wars, interaktive Bildschirme, Touchscreens etc. Ebenso verwirrte das neue Aussehen der Klingonen.

 

Die „neuen“ Klingonen (c) CBS

 

Warum gerade in Sachen Klingonen ein neuer Schritt gewagt wurde kann noch nicht beantwortet werden. Eventuell wird diese Sache noch im Laufe der Serie aufgeklärt. Der Punkt „Technik“ sollte auch verziehen werden, denn Discovery will die Zuschauer mit modernen Look und flotterem Erzählstil fesseln. Trotz allen Charmes würde das 60er oder 80er Jahre Star Trek in der heutigen SF-Welt etwas fehl am Platze sein.

Mit Action wird in den beiden ersten Episoden auch nicht gegeizt. Es geht gleich mit einer fulminanten Raumschlacht und viel Zerstörung zur Sache. Optisch sind vor allem die Kulisse – ein Doppelstern-System inkl. Asteroidenfeld sowie der Detailreichtum und CGI ein Augenschmaus. Die Kameraführung sowie der Schnitt haben ebenfalls das Tempo angezogen, trüben aber bis auf wenige etwas hektische Action-Szenen das Gesamtbild keinesfalls.

 

Burnham in Space (c) CBS

 

Die Einführung der Charaktere geschah auch recht flott und ohne große Umschweife. Commander Burnham ist der Dreh- und Angelpunkt; ihre Freundschaft zu dem Captain der USS Shenzhou, Philippa Georgiou (Michelle Yeoh) sowie ihre Beweggründe, das Schiff zu retten sind eher oberflächlich betrachtet worden; Tiefgang und Entwicklung fiel dem schnellen Erzählstil zum Opfer. Jedoch darf man nicht vergessen, dass Star Trek Discovery erst ganz am Anfang steht und man noch auf Verbesserung dieser Punkte hoffen kann, auch in Bezug auf die anderen Charaktere, wobei mit dem stets besorgten Lieutenant Saru (Doug Jones) schon ein Anfang gemacht worden ist.

Was allerdings ein positiver Punkt ist, dass trotz aller Schnelligkeit das bekannte Star Trek- Feeling nie verschwindet. Was die JJ Abrams-Filme oft vermissen ließen wird bei Discovery wieder gut gemacht. Forscherdrang, Dialog, Freundschaft und der Wunsch nach Frieden – all das was Star Trek immer ausgemacht hat durchzieht die beiden ersten Episoden wie ein roter Faden.

Was auch hervor gehoben werden muss ist das neue Intro, welches wieder etwas ganz Neues innerhalb des Star Trek-Kontinuums ist und ein klein wenig an den Stil von „Game of Thrones“ erinnert. Das neue Star Trek-Theme von Jeff Russo ist ebenfalls ein gelungener Mix aus alt und neu – auch die bekannte Trek-Fanfare (Alexander Courage) erklingt. Jedoch fehlt ein wenig der Ohrwurm-Charakter, was immer ein Markenzeichen der Serien war.

Lt. Saru, Burnham und Capt. Georgiou (c) CBS

Fazit:

Discovery schlägt einen guten Weg ein und lässt Star Trek endgültig in der Serienwelt des 21. Jahrhunderts ankommen. Die Gradwanderung zwischen Modern und Altbekannten ist gelungen, die CGI bewegt sich durchgehend auf hohem Niveau und auch storytechnisch haben die beiden Episoden das Prädikat „Star Trek“ verdient. Wenn die nächsten Episoden, welche ab sofort wöchentlich veröffentlicht werden (Deutschland: Netflix, Montags ab 9 Uhr) die Charakterentwicklung und Interaktionen verbessert dürfte Discovery der neue Serienstern innerhalb des Trek- und SciFi-Universums werden.

P.S. Als nettes Gimnick hat Netflix klingonische Untertitel in der Auswahl. Dringend mal ausprobieren!

 

Die USS Shenzhou (c) CBS

Kommentare