++++ Spoiler-Warnung Game of Thrones Staffel 7 und Das Lied von Eis und Feuer ++++

Game of Thrones hat viele Fragen aufgeworfen und Diskussionen gestartet. Hauptsächlich teilen sich die Fans zwischen denen auf, die meinen die Story sei unlogisch und denen die der Meinung sind, die Show sei Qualitativ hochwertig. Hierbei erklärt letztere Gruppe alle „Fehler“ mit Szenen, die scheinbar off-screen geschehen und sollte es selbst da nicht mehr klappen werden Kritiker gern als dumm bezeichnet, weil man in einer Geschichte mit Drachen und Zombies echt nicht mit Logik kommen kann und man ohnehin nur ein Buchfanatiker ist.

Da es nun zahlreiche Artikel und Videos gibt, um dieses respektlose Verhalten auch noch zu rechtfertigen, möchte ich hier mit Gegenargumenten kontern. (Sarkasmus ein) Ich entschuldige mich vorab, dass ich Drachen toll finde und trotzdem ein logisch denkender Mensch bin (Sarkasmus aus). Was qualifiziert mich über gutes Story-telling zu urteilen? Ich habe das bereits in der Schule gelernt und danach in zahllosen Workshops vertieft. Ich habe kostenlos Geschichten auf Webseiten und in Fanzines veröffentlicht und bislang immer gute Kritik bekommen… wenn ich allerdings sehe wie viel gute Kritik Game of Thrones immer noch bekommt, sollte ich mir darauf vielleicht nichts einbilden.

Ich möchte zunächst sagen, dass ich kein Fanatiker bin, dass ich tatsächlich Fanatiker nicht leiden kann. Ich möchte sagen, dass ich kein Fangirl bin. Ich kritisiere immer objektiv, selbst bei denen, die ich mag. Ich möchte sagen, dass ich ein Fan bin. Ich kann mich leidenschaftlich mit einer Materie auseinander setzen, auch wenn sie manchmal Schwächen hat. Ich bin ein Trekkie, was nicht heißt, dass ich jede einzelne Folge und jeden einzelnen Film mag. Ich bin ein Warsler, was nicht heißt, dass ich alle Filme gut finde und einen Schrein für George Lucas in meinem Schlafzimmer stehen habe. Ich liebe Buffy und Angel, was aber nicht heißt, dass ich nicht noch heute herzhaft über den DSL-Baum in Staffel 3 von Angel lache.

Ein Fan zu sein sollte nicht mit Blindheit gleichgesetzt werden. Blindheit dem Material gegenüber, Blindheit den Regisseuren, Autoren und Show-Runnern gegenüber.

Ein Fan zu sein bedeutet, dass man den größten Teil der Materie gut findet und nur deshalb überhaupt den schlechten Teil kritisiert. Ich gehe nicht in ein Twilight Forum und rege mich dort auf, wie schlecht ich die Story finde. Was soll ich in deren Forum. Ich fand den Film schlecht. Ich fand das Buch schlecht. Ich bin kein Fan und werde daher sicher keine Zeit damit verbringen wollen, über den Film zu reden. Wenn also ein Fan vor euch steht und sich über Game of Thrones aufregt, ist die Antwort „Dann schau es halt nicht“ auch irgendwie ein bisschen dumm. Ihr redet mit einem Fan. Er möchte es schauen. Er möchte es gut finden. Es gibt natürlich auch andere, aber das ist die Ausnahme, nicht die Regel.

Damit ihr meine Kritik an der aktuellen Staffel von Game of Thrones versteht, muss ich euch wohl mein Wissen um Story-telling vermitteln. Gutes Story-tellling verfolgt Regeln, die alle selbst mittelprächtigen Autoren befolgen. Zu sagen George R. R. Martin wäre ein Meister darin ist vielleicht auch etwas übertrieben, denn ich kenne viele andere Autoren, die dies ebenfalls beherrschen. Und ob Das Lied von Eis und Feuer wirklich ein so außergewöhnliches Buch ist, kann ich echt erst beurteilen, wenn es fertig ist. Ein guter Autor kann nicht nur eine gute Story beginnen und danach aufbauen, er kann sie auch beenden. Wie viele von uns sagen heute noch, dass Lost eine hervorragende Serie war, wenn die letzten 20 Minuten nicht wären.

Habe ich ein Problem mit Adaptionen meiner Lieblingswerke? Nein, eigentlich nicht. Ich mag die Verfilmungen von Interview mit einem Vampir und dessen Fortsetzung Königin der Verdammten. Ich mag die Adaption von Die Tribute von Panem und mit Ausnahme des dritten Teils bin ich mit den Harry Potter Filmen sehr zufrieden. Muss ein Film für mich nahe am Buch sein? Ich liebe den Film Undercover Cops und der zeigt die Story des Buches Verbotenes Verlangen nur als Nebenplot. Ich bin mit der Verfilmung von Herr der Ringe sehr zufrieden. Mich fuchst allerdings die Verfilmung von City of Bones und die Serie Shadowhunters hätten sie sich ganz schenken können. Ich bin glücklich mit den Verfilmungen von Hogfather, The Color of Magic und Going Postal, obwohl Going Postal stark vom Buch abweicht. Ich bin kein Buchfanatiker. Ich bin nur ein Freund von guten Adaptionen und logischem Story-telling.

Was macht eine gute Adaption aus? Das ist schnell beantwortet. Sie muss die Essenz des Buches einfangen. Das was das Buch eigentlich ausmacht, muss sich in der Verfilmung widerspiegeln. Darum mag ich den dritten Teil von Harry Potter nicht. Im Buch geht es um die Angst selbst. Es ist ein düsteres Buch und dieses Gefühl wird in der Verfilmung völlig ausgehebelt und mit Humor zunichte gemacht, weil man eine PG/FSK6 Freigabe haben wollte. Der Film an sich ist immer noch gut, aber eben keine gute Adaption.

Aber ich schreibe hier schon seit 1 ½ Seiten, weil ich das Gefühl habe mich erst rechtfertigen zu müssen, damit ihr dem was ich eigentlich schreiben möchte überhaupt Aufmerksamkeit schenkt. Was muss man also bei einer Geschichte beachten?

Fangen wir mit der Basis an. Eine Geschichte hat zwei kritische Punkte. Nur zwei. Eine Geschichte, die mehr als zwei kritische Punkte hat, ist technisch schon mal fehlerhaft. Diese Punkte sind der Anfang und das Ende.

Der Anfang ist deshalb so schwer, weil man den Leser oder Zuschauer innerhalb weniger Minuten überzeugen muss, dass dies die Geschichte ist, die er konsumieren möchte. Es muss spannend sein oder zumindest interessant. Vorbei sind die Zeiten, als Fans wussten, man muss einer Serie schon ne Staffel geben, um richtig anzulaufen. Wenn uns der Pilot nicht gefällt schauen wir nicht weiter. Wenn mich die ersten 20 Seiten eines Buches nicht fesseln, suche ich mir ein anderes, und der Prolog in Das Lied von Eis und Feuer, der ja auch so mehr oder minder in der Serie umgesetzt wurde, vermag es zu fesseln.

Wenn man dann also nach Jahren oder Jahrzehnten (oder nur Monaten oder Stunden, je nach Genre) seine Geschichte beendet, hat man womöglich viele Leute dazu veranlasst Zeit darin zu investieren und eine gewisse Erwartungshaltung aufgebaut. Je besser man darin war, je mehr erwarten die Fans. Man muss also alle Story-Stränge zufriedenstellend beenden und nach dem Show-down möglichst schnell zu einem Ende kommen, dass den Leser/Zuschauer mit einem guten Gefühl zurück lässt. Dabei kann das gute Gefühl auch sein, dass man sich wie weggeblasen fühlt, weil es eben kein Happy End war. Es muss zufriedenstellen, es muss „satt machen“. Nach einem guten Essen möchte man ja auch keinen Hunger mehr haben.

Kommen wir nun zur Logik, die auch mit Drachen und Zombies möglich ist.

Logik bedeutet nicht, dass wir Spock kanalisieren und uns über alles aufregen, was nach dem heutigen Wissensstand nicht möglich ist. Sicher schaue ich mir nicht den Piloten von The Walking Dead an und sage, dass es Blödsinn ist, weil es keine Zombies gibt. Sicher schaue ich nicht Star Trek und verwundere mich darüber, dass die Enterprise einen Bogen fliegt, statt sich einfach auf der Stelle um 180 Grad zu drehen. Es gab tatsächlich Diskussionen darüber, dass die Technik in Babylon 5 mehr Sinn macht, als die in Star Trek. Habe ich an dieser Diskussion teilgenommen? Nein, ich habe sie kopfschüttelnd verfolgt. Und ich erkläre hier warum.

Ich kann euch jede Geschichte auseinander nehmen. Jede, die ich will, egal wie gut ich sie finde. Der Grund ist oben beschrieben. Keine bislang erschienene Geschichte hat nur zwei kritische Punkte. Sollte es die perfekte Geschichte geben, habe ich sie noch nicht gesehen/gelesen. Eine Geschichte ist gut oder schlecht basierend auf wie viele kritische Punkte sie hat. Ich kläre das mal mit Zahlen:

Wenn eine Geschichte zu 80% gut ist, dann ignoriere ich die 20%, es sei denn, es ist ein Riesenfehler dabei. Ich nehme eine 80% Geschichte nicht Stück für Stück auseinander, um sie schlechter zu reden, als sie ist. Ich verzeihe diese Kleinigkeiten, weil sie der Geschichte an sich nichts anhaben können. Gerade im Science Fiction, Fantasy und Horror-Bereich haben wir diese 20% immer. Autoren müssen sich Technik ausdenken, die vielleicht nicht 100% passt, aber die sie eben für ihre Geschichte brauchen. Soll ich mich darüber aufregen, dass Warp-Geschwindigkeit nach aktueller Wissenschaft nicht erklärbar ist? Nein, denn die Autoren erklären, wie sie in Star Trek funktioniert. Ihre Technik befolgt ihre eigenen Regeln. Kritisch wird es hier erst, wenn sie ihre eigenen Regeln brechen.

Wenn eine Geschichte zu 30% gut ist, die 20% an kleinen Fehlern hat, die ich ignorieren könnte, und zu 50% schlecht ist, dann rege ich mich auch über die 20% auf, weil es der Autor einfach nicht besser verdient hat. Wenn ich 30% gute Arbeit im Job leiste und 50% schlechte, dann wird mir mein Chef auch die 20% vorhalten, die er sonst mit einem „kann jedem passieren“ abgetan hätte. Ich bekomme für diese Arbeit Geld und man erwartet, dass ich sie gut mache. Das selbe kann ich von einem Autoren erwarten, der mein Geld dafür bekommt.

Es gibt Menschen, die sich über die 20% aufregen, egal wie gut der Rest ist. Euch nehme ich übrigens auch nicht Ernst. Wo gearbeitet wird, fallen Späne.

Das Minimum an Logik, dass ich brauche, ist das die Story in sich selbst logisch ist. Das bedeutet gerade in der Fantasy, in Science Fiction und in Horror muss der Autor seine eigenen Regeln zunächst implementieren, bevor er sie benutzen kann. Alles, restlos alles, was von unserer Welt abweicht, muss vorab geklärt werden. Ich nehme hier ein Beispiel aus Das Lied von Eis und Feuer.

Während Arya bei der Bruderschaft ohne Banner ist, wird ihr erklärt, dass Beric Dondarrion schon mehrfach gestorben und wieder ins Leben zurück geholt wurde. Dies ist Martin, der uns erklärt, es ist in seiner Welt unter bestimmten Umständen möglich. Später macht er das selbe mit Catelyn ohne Erklärung. Und niemand fragt nach einer Erklärung, weil wir sie bereits haben. So sehe ich Berics Wiederauferstehungen nicht etwa als Foreshadowing für Jon, ich sehe es als Erklärung für Lady Stoneheart.

Um nun auf einen Kritikpunkt zu Staffel 7 Folge 6 einzugehen. Wenn D&D der Meinung sind ihre Raben fliegen mit Überschallgeschwindigkeit, dann hätten sie das vorher erwähnen müssen. Ich kritisiere hier nicht die offensichtlichen Zeitprobleme, ich kritisiere hier, dass es zu einer Änderung zur normalen Welt kommt, diese aber nicht in die Story implementiert wurde. Es ist also entweder ein logischer Fehler oder schlechtes Story-telling, sucht es euch aus. Man hätte das übrigens elegant umgehen können, wenn Dany mit nach Eastwatch gekommen wäre und dort gewartet hätte, ob die Jungs Hilfe brauchen. Und der Grund, warum man hier vielleicht Dinge kritisiert, die man sonst hätte durchgehen lassen ist der, dass die Idee an sich einen Wight zu fangen schon lächerlich genug war und das die Story auch sonst einen Fehler nach dem anderen macht.

Abweichungen von der normalen Welt zu implementieren und Foreshadowing sind übrigens zwei unterschiedliche Sachen. Während das eine noch eine technische Sache ist, für die man sich bewusst entscheidet und die man mit dem Holzhammer in die Story knüppeln kann, so bedarf es für Foreshadowing Feingefühl. Auch ist Foreshadowing keine Sache, die nur für Fantasy, Sciene Fiction und Horror gilt, sondern für alle Geschichten.

Foreshadowing ist ein Werkzeug, dass man entweder falsch oder richtig… oder im Falle von D&D gar nicht anwenden kann. Dies führt dann zu schlechtem Story-telling, wenn auch nicht zu logischen Fehlern. Nicht vorhandenes Foreshadowing mag einem für den Moment wie ein logischer Fehler vorkommen, sich dann aber im Nachhinein als schlechtes Story-telling entpuppen.

Was ist Foreshadowing eigentlich und wie unterscheidet es sich davon vorab Dinge zu implementieren? Im Foreshadowing-Bereich stellt man vorab sicher, dass der Leser/Zuschauer einen Plot-Twist erahnen kann. Das klingt erst mal langweilig. Wir wollen ja keine vorhersehbaren Geschichten. Und hier trennt sich die Spreu vom Weizen, wenn ich es mal so sagen darf. Viele Autoren kämpfen mit der Balance nicht zu viel preiszugeben, damit die Geschichte nicht vorhersehbar wird, aber auch nicht so wenig, dass der Konsument das Gefühl bekommt, der Autor würde seine Plot-Twists auswürfeln, denn genau das frustriert den Leser/Zuschauer. Wir kennen alle dieses Glücksgefühl, wenn in einer Geschichte etwas passiert, was niemand erahnt hat und man der einzige ist, der sagen kann, ich habe es gewusst. Wir alle kennen dieses Gefühl, wenn wir sagen, da hab ich nicht mit gerechnet, während es sich tief in uns trotzdem richtig anfühlt, und es eigentlich gar nicht anders hätte kommen können.

Der Trick ist es, genau die richtige Menge an Information einzustreuen zu genau dem richtigen Zeitpunkt und sie dann so gut zu verschleiern, dass der Konsument es zwar passiv, nicht aber aktiv wahrnimmt. Klingt kompliziert? Ist es auch. Das trennt den guten Autoren vom mittelprächtigen Autoren. Die Kunst den Leser/Zuschauer genau dort zu haben, wo man ihn haben will.

Habt ihr Neds Tod kommen sehen? Habt ihr die rote Hochzeit kommen sehen? Ich nicht. Lese ich die Bücher heute, ist es offensichtlich. Manchmal will ein Autor, dass man das Puzzle zusammensetzt. Nehme wir unsere geliebt R+L=J Theorie und lasst mich aufzeigen, wie D&D das verhunzt haben.

Ich gehe jetzt von mir aus. Ich habe begonnen die Bücher zu lesen, als sie schon alle draußen waren… also die ersten 5, bzw. 10 in der deutschen Ausgabe. Ich bekomme den Ausgangspunkt. Jon ist Neds Sohn, eine Tatsache, die ich zunächst akzeptiert habe. Dann bekomme ich ein ganzes Buch, in dem ich Ned als ehrenhaften Mann erklärt bekomme, der seine Frau nie betrügen würde, und ich bekomme Jon, der mich in all seinen Kapiteln daran erinnert, dass er gern wüsste, wer seine Mutter ist. Ich bekomme Geschichten über Rhaegar, der ehrenhaft und gut war und angeblich ein Mädchen entführt, in einen Turm gesperrt und vergewaltigt hat und die Geschichte von Lyanna, die Robert eigentlich nicht heiraten wollte. Dies sind zwei verschiedene Geschichts-Stränge, die man erst mal zusammensetzen muss.

Diese Sache zieht sich fort in den nächsten zwei Büchern, bis man an die Stelle gelangt, wo es bei mir ganz ohne Analyse einfach beim normalen ersten Lesen des Buches klick gemacht hat. Meera erzählt die Geschichte von Harrenhall und Jojen fragt drei mal, ob Bran die Geschichte wirklich nicht kennt. Das lässt ja schon vermuten, dass die Geschichte wichtig ist. Und mittendrin weiten sich meine Augen und ich sage: „Jon ist Lyannas und Rhaegars Sohn.“ Ich weiß bis heute nicht, wo das her kam und kann nur vermuten, dass George ein derart guter Meister des Foreshadowings ist, dass sich dieser Gedanke in dieser Szene überhaupt zusammensetzen konnte, denn Jon ist nicht mal Thema der Szene.

Schauen wir nun, was D&D aus der Story gemacht haben. Ned sagt zu Jon, als sie sich trennen, dass er ihm erzählt wer seine Mutter ist, wenn sie sich das nächste mal sehen. Wir erleben Ned als ehrbaren Mann. Wir bekommen so gut wie nichts über Rhaegar und Lyanne, und es mag sein, dass Jon noch mal kurz erwähnt, dass er seine Mutter nicht kennt, aber spätestens in Staffel 2 ist das beim normalen Zuschauer nicht mehr wichtig. Der normale Zuschauer, für den die Serie eigentlich gemacht ist. Dann vergessen wir nicht, Serien und Filme werden nicht für Fans gedreht. Diese machen nur einen kleinen Anteil der Zuschauer aus.

In Staffel 5 fällt ihnen nun plötzlich auf, dass sie Jons Eltern ja eigentlich in Staffel 6 preisgeben wollen. Also hacken sie schnell zwei Szenen rein, in der Barriston erklärt, was für ein toller Typ Rhaegar war und Littlefinger Sansa gegenüber seine Zweifel an der Geschichte um Lyanna zwar nicht äußert, aber wenigstens durch seine Mimik klärt, dass er Zweifel hat. Und das soll Leuten auffallen, die seit 5 Jahren nicht einmal mehr darüber nachgedacht haben, wer Jons Mutter ist, weil es auch eigentlich nicht wichtig scheint. Ich habe den Test gemacht und meiner Freundin (die ich für recht intelligent halte) eben die Frage nach Jons Mutter gestellt, bevor sie die 5. Staffel gesehen hat, nur um zu sehen, ob die beiden Szenen tatsächlich reichen. Haben sie nicht. Aber aufgrund meiner Frage hat sie es hinterher gegoogelt, weil sie neugierig war.

Hier sehen wir sehr deutlich, dass Jons Herkunft kein logischer Fehler war, aber eben schlechtes Story-telling.

Ich nehme jetzt Arya und ihre Story in Staffel 7. So kurz vor der finalen Episode von Staffel 7 ist es natürlich schwer zu wissen, ob Aryas Verhalten schlechtes Story-telling oder ein logischer Fehler ist. Aber schauen wir uns an, was wir bislang haben.

Es mag sein, dass meine Meinung über Arya zu hoch ist, weil sie stark auf den Büchern basiert. Ich sehe Arya als intelligentes und mutiges Mädchen, die natürlich Rache für ihre Familie üben will. Ich ignoriere Kleinigkeiten in Staffel 6 und Staffel 7 (wie ihren Sprint durch Braavos, obwohl sie mehrfach in den Bauch gestochen wurde oder ihre Fähigkeit nicht nur zwei Freys in Pasteten zu backen, sondern anschließend auch noch den Rest der Familie zu vergiften), weil ich insgesamt mit der Story noch zufrieden bin und dies in die o.g. 20% fällt.

Arya hat sich emotional von der Welt gelöst, doch sie ist immer noch Arya Stark, wie wir in ihrer Deklaration „A Girl is Arya Stark, and I’m going home“ am Ende der letzten Staffel erfahren durften. Ihr merkwürdiges Verhalten bei Hot Pie ist immer noch in Character und auch der rührende Moment zwischen ihr und Nymeria ist zwar Hollywood reif, aber dennoch noch logisch.

Doch dann kommt Arya nach Winterfell und während ihr Wiedersehen mit Sansa auch noch völlig in Ordnung ist, fängt sie danach an sich wie Hannibal Lecter zu benehmen. In schönster Psychopathen-Manier droht sie ihrer eigenen Schwester (die ja nun eigentlich zu ihrer Familie gehört) und ist so dumm sich von Littlefinger manipulieren zu lassen und ich fange gar nicht an über die Durchschaubarkeit von Littlefingers Plan zu reden oder dass der Brief überhaupt nicht in Winterfell sein dürfte. Und ja, eine Abschrift des Briefes, aber nicht in Sansas Handschrift. Den Brief hatte Robb.

Es besteht die Theorie, dass Arya dies alles nur spielt, um Littlefinger in die Falle zu locken. In dem Fall wäre ihr gesamtes Verhalten völlig in Ordnung und es wird sich in der nächsten Folge herausstellen, ob es so ist, aber es sei deutlich gesagt, es gibt kein Foreshadowing dafür. Man kann argumentieren, dass ihr Verhalten nicht zu ihr passt, und das ja schon Foreshadowing wäre, aber es ist ein Fakt, dass dies nicht das erste Mal wäre, dass D&D dummes Zeug machen, weshalb man auf so etwas eigentlich keine Theorien aufbauen kann, und man es auch nicht als Foreshadowing sehen kann. Ich mein, mit welcher Begründung wird Oberyns Tod gerächt, indem man seine Familie auslöscht?

Das heißt der Arya-Winterfell-Plot ist entweder schlechtes Story-telling oder ein logischer Fehler.

Zu einer guten Story gehört auch gutes Pacing. Wenn man kritisiert, dass Armeen teleportieren und Littlefinger Wurmlöcher benutzt, bekommt man von den Fanboys und -girls vorgeworfen, dass man ja schließlich nicht 3 Folgen zeigen kann, wie eine Armee von A nach B läuft. Das ist das dümmste Argument, dass ich je gehört habe. Natürlich kann man das nicht zeigen und das behauptet auch niemand. Wenn ich aber doch weiß, dass HBO 20 Folgen wollte und D&D nur noch genug Material für 13 Folgen haben und das Budget für die letzten 2 Staffeln sogar erhöht wurde, muss ich mich schon fragen, warum D&D plötzlich das Pacing anziehen mussten. Die Frage ist schnell beantwortet. D&D sehen den Erfolg der Serie in den tollen Effekten und guten Schlachten. Ich würde sagen, dass sich viele von genau eben dem blenden lassen. Greyjoy-Schlacht, Feld des Feuers, Schlacht am gefrorenen See? Alle toll, ganz außer Frage, nur hätte ich mir gewünscht, wir hätten etwas weniger davon und dafür mehr Logik.

Lasst mich also die 20% auseinander pflücken.

Was hätte dagegen gesprochen, wenn die Unsullied am Ende von Folge 1 nach Casterly Rock aufgebrochen wären und am Ende von Folge 3 angekommen wären? Was hätte dagegen gesprochen, wenn sie Danys Drachenstein Szene am Anfang von Folge 4 gezeigt hätte und das Feld des Feuers am Ende? Diese Art des Pacings gibt dem Zuschauer das Gefühl, dass eine Menge Zeit ins Land gezogen ist. Szenen, die man vom Abstand her noch hätte erweitern können, wenn man die 10 statt der 7 Folgen gedreht hätte.

Warum haben wir keine Szene auf dem Schiff, mit dem Jon nach Norden fährt und seine Unterhaltung mit Jorah über das Schwert führt? Es ist schon seltsam, dass Jon so lange wartet, bis er es anspricht. Warum hat Gendry Jon nicht auf Arya angesprochen?

Es ist richtig, dass George D&D Wegmarker zu den letzten zwei Büchern gegeben hat. Es ist aber nicht so, dass George ihnen die ganze Story verraten hat, teilweise sicher auch, weil er sie selbst noch gar nicht kennt. Es wäre an D&D diese Punkte mit Leben zu füllen und hier haben sie restlos versagt. Ich war mit Staffel 6 zufrieden, indem ich die 20% ignoriert habe. Ich war mit den ersten 4 Folgen der Staffel 7 zufrieden, weil ich die 20% ignoriert habe. Mit Folge 5 haben sie aber bewiesen, dass selbst, wenn sie interessante Storys haben, sie diese einfach im Keim ersticken, statt sie ausspielen zu lassen. Sie bauen Spannung auf und geben ihr kein Ende, sondern lassen es einfach im Sande verlaufen. Nicht genug Story für 20 Folgen? Ich sehe verschenktes Potential.

Folge 5 war enttäuschend, aber noch vertretbar, Folge 6 war nur noch lachhaft. Warum ich die Serie dennoch weiter schaue? Weil ich ein Fan bin. Ich will die Serie schauen, ich will, dass sie mir gefällt. Und ich habe das Recht Kritik zu üben.

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