Marvel’s Daredevil, Marvel’s Jessica Jones und Marvel’s Luke Cage – diese 3 Serien sind bereits aus der Kooperation zwischen Marvel und Netflix hervorgegangen. Am 17. März wird Nummer 4 beim beliebten Streaming-Dienst freigeschaltet: Marvel’s Iron Fist.

Wir hatten bereits die Möglichkeit, die ersten 6 Episoden der Serie zu sehen und werden euch hier unseren Eindruck vermitteln – natürlich spoilerfrei.

Worum geht’s?

Danny Rand ist der Abkomme einer erfolgreichen und wohlhabenen Familie. Als Kind stürzen er und seine Eltern mit einem Flugzeug ab – nur Danny überlebt und wird von Mönchen gerettet, aufgenommen und trainiert.
Jahre später kehrt Danny nach New York City zurück – mit einigen neuen Fähigkeiten.
Die Firma seines Vaters wird von den Meachums geleitet – langjährige Freunde der Familie Rand, die nicht so recht an die Rückkehr des totgeglaubten Dannys glauben.
Danny selbst ist die Iron Fist – er ist ein Meister der Kampfkünste und kann sein „Chi“ in seiner Faust bündeln, um so besondere Kräfte freizusetzen und will dem Verbrechen in New York den Kampf ansagen – und trifft dabei auf Mächte, die wir bereits aus einer anderen Netflix Serie kennen.

Wer spielt wen?

In der Titelrolle als Danny Rand ist Finn Jones (Game of Thrones) zu sehen. Er schlüpft in die Schuhe eines jungen Erwachsenen, der noch einiges nachzuholen hat und in eine Welt zurückkehrt, die ihm irgendwie fremd geworden ist. Im Kontrast dazu steht seine Berufung als Iron Fist: eine uralte Reihe von Kämpfern, die sich für das Gute einsetzen und ihre Fähigkeiten für dieses Ziel nutzen. Diese beiden Gegensätze machen aus Danny eine sehr interessante Figur, die zwischen Familie, Freunde und Leben auf der einen Seite und der Pflicht und seiner Mission auf der anderen Seite hin und hergerissen ist.
Beide Facetten (der „verlorene Junge“, der an seinem alten Leben festhalten will und der ausgeglichene Krieger mit der Macht des Chi) verkörpert Jones perfekt – Marvel hat hier erneut ein glückliches Händchen bei der Wahl des Protagonisten bewiesen.

Jessica Henwick (ebenfalls aus Game of Thrones) verkörpert Colleen Wing – eine alleinlebende junge Frau, die ein Dojo betreibt und dort Jugendliche von der Straße trainiert, um ihnen eine Perspektive zu geben. Sie ist eine starke Frau, die darum kämpfen muss, ihre Existenz aufrecht zu halten und kommt damit in den Konflikt mit ihren Prinzipien.
Durch Zufall trifft sie auf Danny Rand und eine besondere Dynamik der beiden entsteht.
Henwick schlüpft in die Rolle einer Tochter, welche die Traditionen in einer modernen Welt wahren möchte und so Kompromisse eingeht – was sie sehr authentisch rüberbringt. Colleen ist kein Mädchen, das auf Geschenke oder Almosen abfährt, sondern sich ihren Platz im Leben verdienen will.

Henwick überzeugt in ihrer Rolle und setzt sich neben Danny Rand schnell als Sympathieträgerin der Serie ab.

Jessica Stroup (90210) und Tom Pelphrey (The Guiding Light und Banshee: Small Town. Big Secrets) spielen das Geschwisterpaar Joy und Ward Meachum.
Nachdem die Rands verunglückt waren, übernahm ihr Vater Harold (David WenhamDer Herr der Ringe) die Firma. Dieser verstarb jedoch ebenfalls und so mussten die beiden jungen Geschwister „Rand“ übernehmen. Gemeinsam verhalfen sie der Firma erneut zum Erfolg, was Wards glücklichem Händchen zuzuschreiben ist.

Die beiden waren als Kinder mit Danny befreundet und besonders Joy hatte eine enge Verbindung zu ihm – desto größer ist die Verwirrung, als jemand vor der Haustür steht und behauptet, der seit 10 Jahren verstorbene Kindheitsfreund zu sein.

Stroup und Pelphrey haben in der Serie eine besondere Dynamik. Ihre Charaktere sind ein perfektes Team und vertreten die Interessen der Firma mit Bravour. Während Ward der taffe Geschäftsmann ist, der unter enormen Druck steht und daher selbst mit einigen Problemen zu kämpfen hat, weiß Joy nichts davon und ist der lebensfrohe und emotionalere Gegenpol, der dennoch ganz genau weiß, wie es in der Welt der großen Konzerne abgeht.

Hier überzeugt besonders Tom Pelphrey – sein Ward tut alles, um dem Andenken seines Vaters gerecht zu werden und die Firma an der Spitze zu halten. Er passt perfekt in die Rolle des auf den ersten Blick „schmierigen“ Anzugträgers, hinter dem doch viel mehr steckt. In gewisser Weise ist er gebrochen und versucht dies vor der Welt zu verstecken. Auch seine sarkastischen Interaktionen mit Danny haben einen besonderen Charme.

 

Natürlich sind auch einige bekannte Gesichter dabei! Im Trailer konnte man bereits erkennen, dass Rosario Dawson (Claire Temple) auch in der vierten Netflix Serie mitmischt. Sie hat eine angenehme „Freundschaft“ mit Colleen und man darf gespannt sein, wie ihre Rolle in der zweiten Hälfte der ersten Staffel ausfallen wird.

Ebenfalls erneut dabei ist Carrie-Anne Moss (The Matrix) als Jeri Hogarth, welche in Jessica Jones ihr Debüt feierte und in der zweiten Staffel von Daredevil einen kurzen Auftritt hatte.
Ein weiteres bekanntes Gesicht tritt mit Wai Ching Ho als Madame Gao auf. Sie war in Marvel’s Daredevil bisher eher eine Nebenfigur, scheint in Marvel’s Iron Fist jedoch eine wichtigere Rolle zu kriegen.
Solche „Besuche“ innerhalb der Serien geben dem Zuschauer das Gefühl, dass sie hier in einer vertrauten Welt sitzen.

 

Wie entfaltet sich die Handlung und wie ist eigentlich die Action?

Die Serie lebt zu Beginn davon, dass man nicht so recht weiß, was Dannys Mission ist, warum er nach New York zurückkam und was genau in seiner Zeit bei den Mönchen passiert ist. Wir werden direkt in die Handlung geworfen und treffen auf Danny Rands ersten (neuen) Tag in New York, wie er versucht, sich in seiner neuen Welt zurechtzufinden.
Anstatt uns sofort die große Bedrohung zu präsentieren, geht es am Anfang um das Zwischenmenschliche und wie Danny auf die Welt und wie die Welt auf Danny reagiert.
Ein gewisser Mystery-Anteil begleitet die Zuschauer bei der Frage, wer hier nun eigentlich der Schurke sei, was sich auch in der Erzählweise wiederspiegelt, in der wir dem „kindlich naiven“ Danny folgen.

Ein weiterer bedeutender Bestandteil der Serie sind die Kämpfe. Danny ist ein Meister des Kung Fu und zeigt, was er kann. Die Kämpfe sind außerordentlich schön gestaltet und wirken manchmal wie ein „Tanz“, bei dem Danny seinen Gegnern eine energiegeladene Faust ins Gesicht drückt. Wem bei Marvel’s Daredevil bereits die Action-Szenen gefallen haben, der sollte sich auch an Iron Fist gut aufgehoben fühlen.

Ein großes Lob sollte man hier auch den Leuten von der Stunt-Crew aussprechen. Auch wenn man merkt, dass sich Finn Jones und Jessica Henwick für die Rolle gut vorbereitet haben, so gebührt der meiste Respekt doch den Choreographen und Stuntleuten, die einige beeindruckende Kämpfe erschaffen haben.

 

Das Fazit

An sich mag es zu Beginn für einige nach der Serie „Arrow“ klingen, in der ein Millionärssohn mit seinem Vater verunglückt und nach einigen Jahren als Superheld in seine Heimat zurückkehrt.
Diese Ähnlichkeiten werden jedoch geschickt umgangen und man hat hier das Gefühl, etwas frisches zu sehen, das einem ein klein wenig bekannt vorkommt. Die authentischen Charaktere, die Erzählweise, die verschiedenen Schwerpunkte der Serie und die Kämpfe zeigen, wie man mit einer ähnlichen Handlung etwas komplett anderes erschaffen kann.

Mir persönlich hat der Soundtrack verdammt gut gefallen – er wirkt ein wenig wie Stranger Things, das auf Tron trifft und überzeugt neben dem klassischen Orchester-Ensemble mit Synthesizer-Klängen.

Mit Marvel’s Iron Fist hat Netflix erneut gezeigt, wie komplett verschieden die Marvel Serien untereinander sein können.
Finn Jones überzeugt gänzlich in der Titelrolle und auch das drumherum ist sehr vielversprechend – es hängt nun davon ab, wie sich die zweite Hälfte der Serie entwickelt, um sie komplett einschätzen zu können.

Bisher ist Marvel’s Iron Fist jedoch eine klare Empfehlung für Neuzugänge und alteingesessene Fans – natürlich gibt es auch massenhaft Anspielungen auf das Marvel Universum und die Comics!

Wir sind sehr gespannt auf die zweite Hälfte der Staffel und hoffen, dass sie die vielversprechende Handlung ordentlich zu nutzen weiß.

 

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