Als in der zweiten Staffel der Netflix Serie Marvel’s Daredevil Frank Castle alias der Punisher (gespielt von Jon Bernthal) eingeführt wurde, waren die Fans (und auch dieser Schreiberling hier) ganz aus dem Häuschen –  es war so, als wäre die Comicfigur Punisher wahrhaftig aus den Seiten seiner Geschichten gestiegen.

Nach seinem Auftritt schrien die Fans den Wunsch nach einer eigenen Punisher Serie gen Marvel-Himmel und Netflix/Marvel erhörten sie. Es wurde Marvel’s The Punisher angekündigt, welche 2017 erscheinen sollte. Tatsächlich gibt es bis zu diesem Zeitpunkt kein offizielles Datum. Wir gehen davon aus, dass die Serie ursprünglich am 7. Oktober im Zuge der New York Comic Con als Überraschung veröffentlicht werden sollte, dann jedoch durch die Tragödie von Las Vegas auf unbestimmte Zeit verschoben wurde.

Nun. Die Presse hatte bereits die Möglichkeit die komplette Staffel, welche aus 13 Folgen besteht, zu sichten (das Embargo dafür endete bereits vor einigen Tagen von Seiten Netflix‘ wurde es nicht verlängert) und ich möchte euch meine Eindrücke nicht vorenthalten.

Über die Story soll an dieser Stelle kaum ein Wort verloren werden (aus Spoiler-Gründen), weshalb wir auch dieses mal direkt in die Bewertung der Serie einsteigen.

Marvel’s The Punisher wird mit hoher Wahrscheinlichkeit die Meinungen der Zuschauer spalten – während einige Fans den Härtegrad der Serie feiern werden, werden sie andere als sehr langatmig empfinden – andere wiederum werden Gefallen an dieser Serie und ihrer Thematik finden und die Comicfans werden die Serie vermutlich „hassen„.

Versteht mich nicht falsch. Marvel’s The Punisher ist keine schlechte Serie. Als Show funktioniert sie. Als Punisher Serie ist sie nur leider ein Reinfall.

Doch woran liegt das eigentlich?

Die Action-Szenen sind alle sehr gut umgesetzt und machen Spaß und auch der Härtegrad der Serie passt perfekt. Auch die Schauspieler um Jon Bernthal (Frank Castle), Ben Barnes (Billy Russo) und Ebon Moss-Bachrach (Micro) machen ihre Sachen gut und haben zumindest mich überzeugt.
Marvel’s The Punisher macht jedoch einige gravierende Fehler, die den Fans der Vorlage nicht gefallen werden.
Zum einen haben wir das Setting, über das wir nicht viel verraten wollen. Hier soll genug gesagt sein, dass Marvel’s The Punisher eher wie 24, Homeland oder The Wire wirkt und nicht wie das, was der Punisher eigentlich sein soll.
Was uns zum nächsten Defizit bringt: Bei Punisher geht es darum, dass Frank Castle ALLEN Kriminellen den Krieg erklärt hat. Davon ist die Serie jedoch weit entfernt. Tatsächlich geht er in den 13 Folgen insgesamt ca. 4x auf Gangster-Jagd. Der Rest ist für Intrigen und andere Dinge verplant worden.
Das ganze geht och weiter, soll aber aufgrund von Spoilern nicht benannt werden – wichtig ist nur, dass all dies die Figur Frank Castle immer weiter und weiter von seiner Comicvorlage entfernt (Hier empfehlen wir euch die Kritik von unseren Freunden vom Marvel Blog Deutschland abzuchecken, wenn sie veröffentlicht wird. Die sind nicht so froh darüber, was aus Frank gemacht wurde).

Was mich persönlich mit am meisten stört: Die Serie versucht politisch zu sein und schafft es meines Erachtens nach einfach nicht das gezielt umzusetzen. Man hat das Gefühl, als wollte man unbedingt eine Message in die Staffel einbauen, kriegt es aber nicht gebacken das vernünftig aufzulösen. Wenn man den Punisher einschaltet, dann will man keine Politik sehen. Man will sehen, wie Frank auf äußerst kreative Weise Klein- und Großkriminelle zu Hackepeter verarbeitet.
Das soll nun nicht bedeuten, dass die Comic-Vorlage nicht auch versucht politisch zu sein – sie schafft dies jedoch auf andere Weise und wirkt nicht so, als wolle man hier unbedingt ein Statement erzielen, auf das es dann doch keine Antwort gibt.
Abgesehen davon wirkt es so, als wäre man sich selbst bei Marvel’s The Punisher nicht sicher, ob man die Geschichte später überhaupt weiter führen möchte – das werdet Ihr am Ende der Staffel selbst sehen.

Doch wir wollen nicht den Teufel an die Wand malen. Wer die Vorlage nicht kennt (bzw. wem es egal ist, ob eine Figur akkurat umgesetzt wird), der wird vermutlich Gefallen an der Serie finden, wobei die sprunghafte Langatmigkeit der Show bei einigen Missfallen hervorrufen wird.

Marvel’s The Punisher ist vermutlich nicht die schlechteste der Marvel-Netflix Serien, jedoch sehr weit von dem Adaptions-Standard von Daredevil, Jessica Jones oder sogar Luke Cage entfernt.

Fans von Action-Streifen oder Serien wie 24 oder Homeland könnten durchaus Gefallen an Marvel’s The Punisher finden.
Auch wenn ich selbst die Serie als Punisher-Umsetzung für einen Fehlgriff halte, so hat sie mich unter’m Strich dennoch unterhalten. Allein wegen der Action-Szenen und des Casts würde ich zumindest einen Staffel-Durchgang empfehlen.

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