10 Jahre MCU. 10 Jahre Marvel Cinematic Universe. Das sind 18 verschiedene Filme, die uns alle auf ein großes Finale vorbereitet haben, welches mit Avengers: Infinity War seinen Anfang nahm und mit Avengers 4 enden wird.

Ich habe den Film nun einige Tage sacken lassen und habe mir seither den Kopf darüber zerbrochen, wie ich meine Erfahrung mit euch teilen will.
Da ich ein zu großer Comic-Fanboy bin und ich dem Tag dieses Events entgegenfieberte, als wären Weihnachten, Ostern, mein Geburtstag und Herrentag am selben Tag, kann ich dieses Werk unmöglich objektiv und „professionell“ bewerten – daher werde ich in den kommenden Zeilen einfach drauf losschreiben, was ich vom Film halte, auch wenn es auf keiner objektiven Beobachtung fußt.

Außerdem werde ich auf die Geschehnisse des Films eingehen und meinen Senf dazu geben – es folgen also Spoiler!
Daher seid gewarnt: Solltet Ihr den Film noch nicht gesehen haben, folgen definitiv Spoiler!

Zunächst: Der Film an sich

Der Film fängt genau dort an, wo Thor: Ragnarok aufhörte.
Eigentlich fängt er sogar noch ein wenig später an, denn von dem eigentlichen Angriff auf Thors Schiff und der „Flucht“ einiger Asgardianer bleibt für den Zuschauer verborgen. Wir springen gleich in’s Drama und sehen, wie Thanos Thors Volk regelrecht abgeschlachtet hat. Hier war ich anfangs leicht irritiert, finde in der Nachbetrachtung aber sehr gut, dass man sich dazu entschied diese Schlacht nicht zu zeigen – sie hätte uns eh nur gezeigt, wie Asgard unter der Faust von Thanos zermalmt wird.

Auch, dass Thanos bereits den Kraftstein besitzt und man keine Zeit darauf verschwendet zu zeigen, wie Thanos den Stein aus Xandar entwendet war in meinen Augen eine sehr weise Entscheidung – das hätte nur Screentime gekostet und hätte uns am Ende nichts gebracht.

Doch wir driften ein wenig ab.

Avengers: Infinity War fügt viele Handlungsstränge des MCU zusammen. So tritt nicht nur Thanos endich in Erscheinung und sammelt einen Stein nach dem anderen, sondern wir sehen neue „Crossover“ zwischen den Franchises wie Doctor Strange und Iron Man, Thor und die Guardians oder Wakanda und alle anderen. Hier lebt der Film ganz klar davon, dass der Zuschauer (am besten) alle 18 vorherigen Filme kennt – denn es wird keine Zeit mit „Einführungen/Erklärungen“ der alten Charaktere verschwendet. Dies ist eine lebende und atmende Welt, in der unsere Helden leben und nun interagieren sie endlich ALLE miteinander ohne einen ewig langen Prolog.
Das hat mir als großer Comic-Fan sehr viel Spaß bereitet und zeigt, dass das Prinzip eines geteilten Film-Universums darin seine größte Stärke findet.

Egal welche Paarungen, ob nun Strange und Iron Man oder Thor und Star-Lord oder War Machine und Bruce Banner – jedes Paar passt perfekt in den Film rein und wirkt zu keinem Zeitpunkt irgendwie „überflüssig“ oder „fremd“ im Film.

Auch das Pacing und der Spannungsbogen in Infinity War hat mich sehr beeindruckt. Dadurch, dass wir mehrere unterschiedliche Teams und Locations haben, steht der Zuschauer eigentlich rund um die Uhr unter Spannung. Wir haben zwar hier und da emotionale Szenen, welche uns aber keine Verschnaufspause lassen. Der Film an sich „wirkt“ wie eine Verfolgungsjagd, bei der man ununterbrochen über die Schulter gucken muss, weil man hinter sich einen Killer vermutet.

Die Stimmung: Lustig und doch düster

Eine Sache wird bei Marvel Filmen seit „Anbeginn der Zeiten“ kritisiert – der Humor.
Menschen gehen nach 10 Jahren in einen Marvel Film und beschweren sich, dass der Film „zuviel“ Humor hätte.  Nun, meine persönliche Meinung dazu ist, dass man nach 10 Jahren MCU verstanden haben sollte, dass der Humor ein Bestandteil der Filme ist und selbst die ernsteren Ableger wie Captain America: Winter Soldier dieses Element in sich tragen. Der Humor gehört zu Marvel dazu und ich selbst freue mich auch immer sehr auf die dummen Sprüche und den Slapstick, da es mich unterhält. (Natürlich gibt es auch hier Ausnahmen. Thor: Ragnarok z.B. fand ich teils einfach nur unlustig.)

Infinity War lebt zum Teil auch von eben diesem Humor, der besonders in den neuen Gruppierungen bemerkbar wird. Ob nun Iron Man und Strange, die beides ziemlich arrogante Egomanen sind oder Star-Lord, der versucht Thor nachzumachen – all das ist ein wichtiger Bestandteil des Films und nimmt zum Ende hin stark ab. Je mehr wir uns dem Finale nähern, desto weniger Humor wirft uns Infinity War entgegen und bereitet uns auf das unheilvolle Ende vor.

Und hier kommt die Kehrseite der Medaille ins Spiel: Wir haben zwar den Humor, der uns zum Lachen bringt, aber dennoch haben wir in Form von Thanos und seiner Mission eine Ernsthaftigkeit und Dunkelheit, die uns Erschaudern lässt.
Ein Gedanke zu diesem „düsteren“, der mir seit einigen Tagen im Kopf schwirrt: Die Filmemacher haben es geschafft, komplett ohne irgendwelche Blaufilter dem Werk einen düsteren Unterton zu verleihen und zeigen damit, dass man für diese Stimmung nicht zwingend visuelle Hilfsmittel braucht.

Dieser Kontrast zwischen lustig und ernst macht in meinen Augen Avengers: Infinity War zu einem ganz besonderen Blockbuster. Und wir sollten nicht vergessen, dass die Marvel Filme allesamt das sind: Blockbuster.

 

Thanos und die Steine

Thanos. Er hatte eine ziemlich schwere Bürde zu tragen. Seit Marvel’s The Avengers wurde er uns als der böse Schurke angeteast, dem unsere Helden irgendwann gegenübertreten sollen. Im Laufe der Jahre wurden er und die Infinity Stein mehr und mehr aufgebaut und es machte sich die Befürchtung breit: Kann Thanos dem Vor-Hype eigentlich gerecht werden? Was, wenn er kommt und ein totaler Versager ist?
Nun. Mit solchen Gedanken müssen wir uns nicht mehr herumplagen. Thanos erschien auf der Bildfläche und versohlte links und rechts Ärsche. Josh Brolin als verrückter Titan funktioniert so gut, dass ich mir gerne einen Thanos Solofilm angucken würde.

Thanos erscheint nicht nur NICHT als 0815 Schurke mit fragwürdigen Einstellungen – er ist teilweise auch noch ziemlich sympathisch und ich für meinen Teil (mal vom Foltern und so abgesehen) kann ihn sehr gut nachvollziehen und hätte mich ihm unter gewissen Umständen sogar angeschlossen. Thanos ist in dieser Geschichte nicht wirklich ein Schurke. Er tut, was in seinen Augen getan werden muss, um das Universum zu retten. Das führt ihn natürlich auf Kollisionskurs mit unseren Helden und das Drama steht somit vor der Tür.
Besonders die Szenen mit Gamora haben mir gezeigt, dass auch im Marvel Universum nichts bloß schwarz oder weiß ist. Thanos ist ein lebendes Wesen mit Ängsten, Hoffnungen und Gefühlen und seine Trauer, die er nach Gamoras Tod verspürt unterstreicht das für mich nochmal – denn diese Gefühle sorgten fast dafür, dass ihm der Handschuh entwendet werden konnte.

Was mich übrigens ebenfalls sehr gefreut hat, war die Tatsache, dass uns endlich mal gezeigt wurde, was die Infinity Steine eigentlich wirklich können. Besonders beim Realitäts-Stein oder dem Raum-Stein war die bisherige Benutzung eher „fragwürdig“ – das hat sich aber nun geändert. Wie Thanos die Steine teils zusammen einsetzte und uns ihr Potenzial offenbarte – das war großartig.

 

Was mich im Nachhinein auch sehr freute war, dass die absolut stumpfe „THANOS“ Infinity-Stein Theorie endlich widerlegt wurde.
Für die, die es nicht kannten: Laut der Theorie bilden die „Gefäße“ des Steines das Wort Thanos. Da wurde auf Biegen und Brechen aus dem „Eye of Agamotto“ schon „Necklace“ gemacht, damit man das „N“ des Wortes bilden konnte. Allein diese „Theorie“ war der Grund dafür, dass sich unfassbar viele Fans sicher waren, der Stein müsste in Heimdall stecken.

 

Nun, Infinity War hat uns gezeigt, dass ALLE Fantheorien um den Seelenstein falsch waren. Ich hatte zwar selbst meine Ideen, bin aber froh, dass es so kam und der Stein an einem gänzlich unbekanntem Ort auftauchte.

 

Das Finale

Der Film endete genau so, wie viele es erwartet hatten: Thanos schnipst mit den Fingern und die Veränderung nimmt seinen Lauf.

Nun. Viele von uns haben es erwartet, aber ich behaupte mal, dass wir im Saal dann dennoch überrascht waren. Anders kann ich mir nicht erklären, dass in jeder Vorstellung, die ich von dem Film besuchte in den letzten Minuten so eine Stille im Kinosaal herrschte, dass man eine Stecknadel hätte fallen hören können. Und das scheint ein weltweites Phänomen zu sein.
Als sich unsere beliebten Helden einer nach dem anderen auflösten, schienen sämtliche Zuschauer fassungslos. Thanos Tat ließ sowohl uns Fans als auch die überlebenden Charaktere „verängstigt“ zurück.
Und dann kommt die letzte Szene, in der wir Thanos sehen, der sich auf seine Veranda setzt und den Sonnenuntergang genießt – der Bildschirm wird schwarz.

„Wow.“
Das war das einzige, das mir spontan einfiel.  Ich musste erstmal verarbeiten, was ich da sah und das hat einige Tage gedauert.

Im Internet befinden sich natürlich zahlreiche Schlaubirnen, die nun großkotzig erklären, dass doch eh „alle“ Toten zurückkehren bzw. sie gar nicht tot sind, da für einen großteil der verstorbenen Charaktere Fortsetzungen angekündigt wurden.
Nun, das mag ja stimmen, dennoch ändert das nichts daran, wie dieser Film auf uns wirkt. Der Impact des Finger Schnips ist immer noch gravierend und für Avengers 4 haben wir NULL Ahnung, was jetzt eigentlich geschieht. Auch, dass Thanos keine Ambitionen hegt, sich zum Herrscher zu erheben, zeigt, dass es nun an unseren Helden ist, irgendetwas zu tun.

Außerdem ist hier auch wichtig, dass zwar einige der toten Charaktere „sicher“ sind, aber fast alle der Überlebenden Helden gefährdet sind. Jeder Held aus dem Film, der jetzt noch steht, ist auf der Abschussliste (ja, auch Rocket) und könnte sich rein theoretisch nach Avengers 4 von uns verabschieden.

 

Tony Stark Superstar

Robert Downey Jr.. Tony Star. Iron Man.
Mit ihm nahm alles seinen Anfang und Avengers: Infinity War fühlte sich für mich ein wenig so an, als wären nicht Thanos oder Thor die Hauptfigur, sondern Tony.
Tony gestaltete das MCU über die Jahre hinweg. Sei es durch sein Opfer im ersten Avengers, wodurch New York überleben konnte, der missglückte Versuch, so eine Alien-Invasion zu verhindern (Ultron) oder dem daraus resultierenden Streit der Avengers in Civil War. Tony Stark war und ist das Herz des MCU – auch wenn er einigen Fans mittlerweile auf den Sack geht (mir nicht.)

Infinity War unterstreichte diese Rolle nochmal und stellte Stark als den wichtigsten Verteidiger der Erde dar – und im Zweikampf gegen Thanos wird auch nochmal deutlich, dass er und der verrückte Titan eine besondere Verbindung teilen. Was er uns ebenfalls zeigte war die Tatsache, dass Tony sich am längsten von allen Helden gegen Thanos behaupten konnte, bevor dieser ihm dann (beinahe) den Todesstoß verpasste.

Und jetzt bin ich mir fast schon sicher, dass Tony Stark derjenige sein wird, der in Avengers 4 im Preis für sein eigenes Leben Thanos besiegen wird. Das fußt auf keinen Beweisen – lediglich auf der Tatsache, wie Stark im Laufe des MCU agierte. ER ist das Sinnbild für die ersten 3 Phasen des MCU und mit Avengers 4 soll auch dieses Kapitel der Geschichte abgeschlossen werden.
Doch lassen wir uns überraschen.

Fazit

Ich sehe lieber das positive in Dingen. Daher gibt es auch „mehr“ Filme, die ich mag, als welche, die ich nicht mag – wenn ich etwas negatives an einem Film finde, dann wird es in den meisten Fällen, von den guten Seiten überschattet.
Doch ich habe die letzten Tage darüber nachgedacht und ich finde an Avengers: Infinity War nicht eine Sache, die mich wirklich stört. Nichts, was ich irgendwie negativ bewerten würde. Das Pacing war super, der typische Marvel Humor hat gepasst und wurde perfekt vom düsteren Finale abgelöst. Thanos war genial und auch seine Lakeien waren nicht zu schwach. Viele Easter-Eggs und netter Fanservice in Form des Red Skulls. Und das Ende des Films lässt uns danach erstmal mit einem flauen Gefühl im Magen zurück.

Avengers: Infinity War mag kein „Meisterwerk“ sein – es ist ein Blockbuster. Aber ein verdammt guter dazu. Ich wurde von Anfang bis Ende unterhalten, und das in allen Gefühlsspektren.
Hinzu kommt, dass die letzten 10 Jahre MCU nahezu perfekt zusammenlaufen.
Mehr will man als Comicfan doch gar nicht.

Das Beitragsbild stammt übrigens vom außerordentlich talentierten Künstler Max Beech. Checkt mal seine Seite ab!

 

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