Story:

Der Zweite Weltkrieg ist ausgebrochen: Als Hitlers Streitmacht im Mai 1940 seinen Feldzug nach Westen antritt und in die Benelux-Staaten einfällt, müssen die überraschten Soldaten Frankreichs und Großbritanniens den Rückzug antreten. Doch tausende alliierte Kämpfer – Briten, Franzosen, Belgier und Niederländer – werden nahe der nordfranzösischen Küsten-Ortschaft Dünkirchen (im Englischen: Dunkirk) eingeschlossen. Die Chancen, diese Soldaten noch zu retten, stufen die Befehlshaber als äußerst gering ein.

Kritik:

Christopher Nolan ist zweifellos einer der größten Regisseure der letzten 20 Jahre. Alles begang 1998 mit dem Thriller “Following“, bei Nolan Regie führte, das Drehbuch schrieb und auch produzierte. Sein Durchbruch gelang ihm aber erst mit seinem zweiten Film “Memento“, der vor allem durch seine spezielle Erzählweise berühmt wurde. Endgültig im Mainstream kam Nolan dann mit der “Dark Knight“-Trilogie an, die zu den besten Comicverfilmungen aller Zeiten gehören. Auch für “Inception“ bekam Nolan viel Lob von Kritikern und Fans und bis heute zählt der Mindfuck Science-Fiction Thriller für viele zu den besten Filmen aller Zeiten.

Mit “Dunkirk“ macht Nolan nun seinen ersten Kriegsfilm. Zum ersten Mal seit “Inception“ hat Christopher Nolan das Drehbuch alleine geschrieben. Sein nicht weniger genialer Bruder Jonathan Nolan schrieb zu den meisten seiner Werke das Drehbuch mit. Und eins ist klar, “Dunkirk“ ist anders, als alle seine anderen bisherigen Filme. Zum ersten Mal verfilmt der “Interstellar“ Regisseur eine wahre Geschichte. Auch untypisch ist die Laufzeit, die sich bei Nolan Filmen normalerweise immer im Bereich von mindestens 2 Stunden befindet. Mit 106 Minuten Laufzeit ist “Dunkirk“ Nolan’s kürzester Film seit seinem Debüt “Following“.

Es ist daher wenig verwunderlich, dass das Tempo von der ersten bis zur letzten Minute verdammt hoch ist. Gleich mit der ersten Szene wird der Zuschauer in die ausweglose Situation der Soldaten am Strand von Dünkirchen geworfen. Nolan wechselt dabei immer wieder die Location. Zu Land, bei dem vor allem Fionn Whitehead und Harry Styles im Vordergrund stehen. Zu Wasser, bei dem Mark Rylance und Cillian Murphy im Mittelpunkt stehen und in der Luft, wo wir dem Piloten Farrier, gespielt von Tom Hardy, folgen. Immer wieder wechselt Nolan hin und her, der Ausgang Geschichte ist zwar bekannt, aber durch diese Erzählstruktur schafft er es durchaus das ein oder andere Mal den Zuschauer zu irritieren. Die große Stärke des Films ist aber die Atmosphäre und die Technik. Technisch ist “Dunkirk“ auf allerhöchstem Niveau. Erneut arbeitet Nolan mit seinem Kameramann Hoyte van Hoytema zusammen, der spektakulär die 106 Minuten in Szene setzt. Das Editing von Lee Smith perfektioniert das Ganze. Für den Soundtrack ist, Nolan typisch, Hans Zimmer verantwortlich. Sein Score ist zurückhaltend, nicht unbedingt so bahnbrechend wie seine Tracks zu “Inception“ und “Interstellar“, aber effizient und minimalistisch. Die meiste Zeit wird der Soundtrack vom ticken einer Uhr begleitet, die im Laufe des Films immer schneller tickt.

Christopher Nolan ist bekannt dafür, in seinen Filmen so wenig CGI wie möglich einzusetzen. In “Dunkirk“ ist fast alles echt. Die Kulissen, die Schiffe und auch die Flugzeuge. Dadurch hat man als Zuschauer das Gefühl, selbst mittendrin zu sein, als würde man eine Virtual Reality Brille tragen. Das absolute Highlight ist aber zweifellos das Sounddesign. Vor allem die originalen Supermarine Spitfire sind so unglaublich Laut und bedrohlich, dass man im Kinositz vor Ehrfurcht erstarrt. Die Kamera ist dabei so clever und innovativ eingesetzt, dass dabei wirklich einzigartige Bilder entstehen, die für Gänsehaut sorgen.“Dunkirk“ ist, im Gegensatz zu den meisten Kriegsfilmen, nicht sonderlich brutal. Nolan verzichtet auf Blut und herumfliegende Körperteile. Das tut der Atmosphäre aber keinen Abbruch. Ebenso verzichtet man auf lange Dialoge. In “Dunkirk“ wird nicht viel gesprochen, Bildsprache ist ein essentieller Bestandteil des Films. Was die Schauspieler betrifft, hat sich Nolan für einen Mix aus bekannten und unbekannten, sehr jungen, Schauspielern entschieden. Eine gute Entscheidung, fast alle Beteiligten machen hier einen sehr guten Job, auch wenn den Charakteren etwas Tiefe fehlt. Für den ein oder anderen könnte das ein Problem darstellen. Bei den gestandenen Darstellern macht vor allem Tom Hardy als Pilot einen großartigen Job. Etwas unterfordert sind dagegen Cillian Murphy und Mark Rylance, die schlichtweg zu wenig zu tun bekommen. Kenneth Branagh Schauspiel wirkt zudem etwas hölzern. Auch schade ist, dass sich Nolan im dritten Akt etwas zu sehr in Kitsch und Pathos verliert, was nicht so ganz zum sonst sehr düsteren Ton des Films passt.

Das alles sind aber nur Kleinigkeiten, denn im Gesamtpaket, ist “Dunkirk“ zweifellos einer der besten Kriegsfilme aller Zeiten. Es ist schön, dass Nolan nicht unnötig die Gewaltkeule schwingt, wie es zuletzt Mel Gibson in “Hacksaw Ridge“ tat. Stattdessen setzt er auf den psychischen Zerfall, dieser noch jungen Menschen, die hier im Vordergrund stehen. Er konzentriert sich auf das Wesentliche. Der clevere Wechsel zwischen den drei Standorten ist dabei ein großer Pluspunkt. Hans Zimmer’s Score ist kein Meisterwerk, erfüllt aber zu jedem Zeitpunkt seinen Zweck. Der Film sieht absolut fantastisch aus, alles fühlt sich unglaublich realistisch an. Man darf gespannt sein, wie der Film nächstes Jahr bei den Oscars ankommen wird. Meiner Meinung nach wäre zumindest eine Nominierung in den Kategorien ‚beste Regie‘, ‚bester Schnitt‘ und ‚bester Ton‘ angebracht. Man muss abwarten, wie stark die Konkurrenz sein wird. Bis dahin bleibt nur zu sagen, dass man unbedingt ins Kino gehen sollte. “Dunkirk“ ist Kinomagie pur, wer die Möglichkeit hat, den Film im IMAX/70mm zu sehen, sollte sie nutzen. 

 

 

Kommentare