Story:

Der noch junge Baby hat ein ganz besonderes Talent: Er ist Fluchtwagenfahrer. Während andere Banken ausrauben, hat er die Kunst perfektioniert, das Auto, mit dem die Kriminellen entkommen wollen, noch jedes Mal an einen sicheren Ort zu steuern, ohne dass die Polizei sich auf seine Fersen heften konnte. In einer Rotation arbeitet er dabei in seinem besonderen Job abwechselnd für unterschiedliche Bankräuber. Als er die Kellnerin Deborah kennenlernt, weiß diese davon aber nichts.

Im Zuge seiner ungewöhnlichen Tätigkeit hat Baby Kontakt mit ganz unterschiedlichen Verbrechern, so zum Beispiel mit dem impulsiven Waffennarr Bats, dem Party-Schönling und Wall-Street-Experten Buddy und dessen Freundin Darling, Griff sowie dem Gangsterboss Doc . Doch es kommt, wie es kommen muss: Eines Tages geht ein Raubzug, bei dem Baby als Fahrer angeheuert wird, schief. Und das bringt ihn in gewaltige Schwierigkeiten.

Kritik:

Edgar Wright gehört zweifellos zu den talentiertesten Regisseuren der letzten 15 Jahre. Seine Cornetto Trilogie (“Shaun of the Dead“, “Hot Fuzz“ und “Worlds End“) ist längst ein Klassiker in der Filmgeschichte geworden. Nach 4 Jahren meldet sich der Engländer nun mit “Baby Driver“ zurück. Dabei setzt er auf einen neuen, teilweise unbekannten Cast und eine unverbrauchte Story.

Die Quintessenz von “Baby Driver“ ist die Musik. Selten hat ein Soundtrack so harmonisch mit dem Film interagiert wie hier. Als Beispiel in den letzten Jahren dürfte “Guardians of the Galaxy“ genannt werden, dem es 2014 ähnlich gut gelang. Edgar Wright hat eine Vision und er bleibt seiner Struktur bis zum Ende treu. Baby, gespielt von Ansel Elgort, ist der Hauptcharakter des Films. Um ihn drehen sich die Haupt und Nebenhandlungen des Films. Dabei macht der 24 jährige einen sehr ordentlichen Job, auch wenn die andauernde Coolness-Attitüde ihre Probleme mit sich bringt. Aber dazu später mehr. Erwähnen wir erstmal das, was funktioniert. “Baby Driver“ ist rasant, skurril, witzig, emotional, brutal und der Film, den dieses bislang sehr schwache Filmjahr gebraucht hat. Neben dem Highlight des Films, dem Soundtrack, sind die Charaktere Wright einmal mehr hervorragend gelungen. Baby’s love interest Deborah, gespielt von der bezaubernden Lily James, ist glaubwürdig und harmoniert mit Elgort außerordentlich gut. Das Highlight sind aber zum einem der von Jamie Foxx gespielte Bats und der von Kevin Spacey gespielte Doc. Foxx als durchgeknallter Gangster, der keine Regeln kennt, sorgt für einige Lacher im Film, während Spacey hervorragend den Strippenzieher mimt. Es ist schön, den “House of Cards“ Star nach langer Kinoabstinenz mal wieder in einem (guten) Film zu sehen.

Ein echtes Dreamteam!

Auch erwähnenswert sind John Hamm und Jon Bernthal, die bei den Raubzügen mit von der Partie sind. Apropo Raubzüge. Die darauffolgenden Fluchtfahrten sind zweifellos das Highlight des Films. Die Actionszenen sind sichtbar handgemacht, das Editing ist exorbitant und wenn mal Effekte zum Einsatz kommen, sind sie nicht sichtbar. Hier kommen also auch “Fast&Furious“ Fans auf ihre Kosten, ohne, dass sie dabei Gehirnzellen verlieren müssen. Mit zunehmender Laufzeit entsteht jedoch immer mehr Chaos. Man hat das Gefühl, dass Wright so viel wie möglich in seinen Film packen wollte. Zugeben, während der 113 Minuten Laufzeit taucht keine Langeweile auf, aber es funktioniert nicht alles, was sich Wright vorgenommen hat. Zwar harmonieren Ansel Elgort und Lily James gut miteinander, die Liebesgeschichte wirkt aber zu forciert, als dass man wirklich Emotionen dazu aufbaut. Emotionen sind das Stichwort. “Baby Driver“ ist so überladen mit Coolness, dass es schwer fällt, in den ernsten Szenen wirklich die Gefahr für Voll zu nehmen. Natürlich ist das alles subjektiv und jeder hat eine andere Ansicht, aber ich persönlich konnte mich nicht so gut mit den Charakteren in “Baby Driver“ identifizieren, wie beispielsweise mit den Charakteren von Simon Pegg und Nick Frost in der Cornetto Trilogie, explizit in “Shaun of the Dead“. Vor allem Ansel Elgort wirkt so aalglatt und cool, dass es irgendwann schon nervt. Mit dem finalen Showdown hat es Edgar Wright dann auch etwas zu gut gemeint. Inszenatorisch ist dieser natürlich einwandfrei, jedoch geht er einfach zu lang.

Am Ende des Tages muss man aber festhalten, dass “Baby Driver“ der bislang unterhaltsamste Film des Jahres ist. Regisseur Edgar Wright inszeniert seine Action absolut spektakulär, die wiederum hervorragend mit einem der besten Soundtracks des Jahres harmoniert. Die Charaktere sind über weite Strecken herrlich skurril und amüsant und Wright schreckt auch nicht vor der ein oder anderen brutalen Szene zurück. Dass der “Scott Pilgrim“ Regisseur einer der besten seines Fachs ist, hat er hier wieder eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Fehlerfrei ist “Baby Driver“ aber nicht. Dafür wirkt alles ein wenig überladen, etwas zu cool und die Liebesgeschichte habe ich dem Film nicht zu 100 % abgekauft.

Ins Kino solltet ihr aber auf jeden Fall gehen. Der Film hat so viele Zuschauer wie möglich verdient. Vor allem, wenn man die Konkurrenz im Juli bedenkt. Dass der Film am selben Tag, wie Christopher Nolan’s “Dunkirk“ in Deutschland startet, ist recht ungünstig.