Am 6. März 2018 wurde das Buch zum sehr gemischt aufgenommenen und kontrovers diskutierten Film „Star Wars: Die letzten Jedi“ auf Englisch veröffentlicht. Es gab sofort eine Welle an Beiträgen, welche angeblich alle großen neuen Infos auflisteten und in dem Buch nach jeglichen Schnipseln suchten, welchen man in eine eigene News verwandeln konnte. Dies löste sofort wieder dutzende Diskussionen im Fandom aus und sorgte dafür, dass verbitterte Fans, welche immer noch nicht über ihre Enttäuschung bezüglich des Films hinweg waren, wieder aus ihren Löchern krochen. Jetzt, über einen Monat später, habe auch ich endlich das Buch durchgelesen und möchte die Ruhe vor dem Sturm ( Damit ist der Release von „Solo“ am 25. Mai gemeint) nutzen um selbst zu reflektieren, wie viel neue Infos das Buch tatsächlich mit sich bringt und ob es die Geschichte bereichert.

 

 

Handlung:

Es sind wenige Tage seit dem Ende von „Das Erwachen der Macht“ vergangen und der Widerstand befindet sich mitten in der Evakuierung der Basis auf D’Qar, als plötzlich Sternenzerstörer der ersten Ordnung aus dem Hyperraum springen. In einem verzweifelten Versuch die überlegene Flotte aufzuhalten legt sich Poe Dameron allein mit einem First Order Dreadnaught an. Nachdem er erfolgreich ihre Verteidigungsgeschütze ausgeschaltet hat ruft er die Bomberflotte herbei um das besagte Schiff zu vernichten. Dabei lehnt er sich gegen Leia Organas Befehle auf und sorgt auch gleichzeitig für die Zerstörung der kompletten Truppe. Dennoch gelingt es dem Widerstand die Dreadnaught namens Fulminatrix zu vernichten und kurz darauf in den Hyperraum zu springen. Als sie diesen jedoch wieder verlassen, werden sie von der Flotte der First Order sofort eingeholt. Ein gefährliches Wettrennen gegen die Zeit und geringe Tankreserven beginnt, während Rey weit entfernt vom Kriegsgeschehen, auf dem Planeten Ahch-To ihre Ausbildung zum Jedi antreten will. Dabei muss sie jedoch feststellen das der große Held Luke Skywalker, von welchem sie in ihrer Kindheit so viel gehört hat, zu einem verbitterten alten Mann wurde, welcher das Ende seiner eigenen Religion herbeisehnt. Nun muss die junge Plünderin vom Planeten Jakku den gefallenen Helden überreden sich ihr anzuschließen. Eine Aufgabe die schwerer zu sein scheint als ursprünglich gedacht…

 

Kritik:

An dieser Stelle muss ich sofort offen zugeben, dass ich ein Fan des Films bin. Rian Johnsons Beitrag zur Sternenkrieg-Saga hat mir genau das geliefert was ich wollte ohne dabei vorhersehbar zu sein. Ich habe den Film und den frischen Wind welchen der neue Regisseur in das Star Wars Universum brachte sehr genossen, aber dennoch offenbarten sich auch mir ein paar Sachen, die Anlass zur Kritik geben. Der Film fühlte sich an manchen Stellen sehr gehetzt und anderen wieder sehr langsam an. Das Pacing war dementsprechend total durch den Wind und auch strukturell wollte der Film nicht wirklich an seinen Vorgänger „Das Erwachen der Macht“ anknüpfen. J.J. Abrams hatte einfach viel zu viele Mystery Boxen geöffnet und Rian Johnson gelang es nicht alle zu schließen, manche davon schien er auch bewusst zu ingorieren.

Das Buch von Jason Fry hat diese Probleme nicht. Ein Buch kann sich generell mehr Zeit mit seinen Erzählungen lassen und Stellen die im Film lang wirken können in Büchern weitaus schneller abgehandelt werden. Dadurch hat das Buch eine sehr ausgeglichene Erzählgeschwindigkeit und die Geschichte erhält dadurch ein sehr angenehmes Pacing. Die strukturellen Probleme werden größtenteils mit Nebensätzen und kurzen Erklärungen in den Köpfen der Charaktere aufgehoben. Durch diesen Kunstgriff fügt sich das Buch auch besser an seinen Vorgänger an. Wem zum Beispiel durch Snokes Aussage aus dem Film immer noch nicht klar war das Rey deshalb so mächtig ist, weil sie das von der Macht gesandte Äquivalent von Kylo sein soll und wer sich immer noch nicht bewusst ist das die Macht instinktiv auch ohne großes Training genutzt werden kann, erhält im Buch nochmal Ausführungen dazu und eine zusätzliche(!) Erklärung. In TFA versuchte Kylo ja bekanntlich Reys Verstand nach dem Aufenthaltsort von Skywalker zu durchsuchen. Dabei gelang es Rey ebenfalls in Kylos Kopf zu blicken und sie erhielt einen Einblick in die Grundfertigkeiten der Macht. Dadurch hatte sie bereits eine Idee von bestimmten Tricks und Fähigkeiten und konnte diese umsetzten. Diese Erklärung funktioniert super zusammen mit dem was uns die Filme an Hintergrund schon lieferten und ist vor allem nützlich für diejenigen, welche auch nach „Die letzten Jedi“ immer noch nicht ganz verstanden hatten warum Rey kann, was sie kann. Auch liefert uns das Buch einige Infos über Snoke, wie er sich zum Beispiel in der First Order hoch arbeitete und wie er überhaupt mit dieser in Verbindung kam.Das er sich wohl jahrelang in den unbekannten Gebieten versteckt hielt und auch das Palpatine ihn gespürt hatte.

 

 

Es ist nicht viel an Informationen und wir erfahren nicht wirklich was Snoke eigentlich ist, aber es reicht aus um der Funktion des Charakters den nötigen Hintergrund zu geben, was seinen plötzlichen Tod um einiges besser macht, weil sich das ganze dadurch einfach „runder“ anfühlt. Aber natürlich ist das Buch auch nicht perfekt. So liefert es wenig zusätzlich Einblicke in die Charaktere, was vor allem bei Luke Skywalker verschenktes Potential ist und hält sich oftmals viel zu genau an den Film. Natürlich muss die Handlung die selbe sein, aber es gäbe so viele Momente zwischen der Handlung welche man in einem Buch gut hätte erforschen können, welche hier einfach außer Acht gelassen werden. Am beispielhaftesten stehen hier für die drei Flashbackszenen. Es handelt sich hierbei um ganz kurze Absätze die einfach das Geschehene etwas zusammenfassen aber keinerlei Einblick in die Gefühlswelt von Kylo oder Luke liefern.

Das Buch hätte die Chance gehabt diese Szene besser zu erklären und darzustellen und damit auch die Leser abzuholen, die im Film damit unzufrieden waren. So bleibt diese Stelle aber weiterhin nur für Liebhaber des Films zugänglich. Auch ist das Finale des Films in Buchform weit aus weniger spannend. Die Schlacht auf Crait und vor allem der Auftritt von Luke Skywalker erhalten hauptsächlich durch die gelungenen Schnitte und Szenenwechsel zwischen den beteiligten Charakteren ihre tatsächliche, emotionale Würze. Im Buch lässt sich das schwer umsetzten und so fühlt es sich auch hier an als würde man das Gesehene einfach nochmal nacherzählt bekommen, statt ein wirklich spannendes Finale zu lesen. Auch die Szene mit dem Besen-Jungen am Ende des Films, leidet unter den selben Problemen. Dabei sind jedoch Lukes Gefühle und Emotionen in seinen letzten Momenten auf Ahch-To gekonnt umgesetzt und fast greifbarer als im Film.

Fazit:

Das Buch „Die letzten Jedi“ empfiehlt sich vor allem für jene, die bereits gefallen am Film haben aber etwas Struktur vermissten. Leute die den Film ausnahmslos gut fanden oder gar nichts damit anfangen konnten werden im Buch wenig neues entdecken und auch nichts, was ihre Meinung ändern könnte. Damit hat das Buch leider viel Potential verspielt auch wenn es trotzdem sehr gut zu lesen war, was zum größten Teil Jason Fry`s genialem Schreibstil geschuldet ist.

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