Science Fiction und Star Wars

Wie viel darf man?

SPOILERWARNUNG FÜR DIE ZWEITE STAFFELHÄLFTE VON REBELS STAFFEL 4

Wir schreiben den 28.02.2018.

Es sind zwei Tage vergangen seit die zwölfte und dreizehnte Folge der vierten Staffel von „Rebels“ veröffentlicht wurden. Der Tag der Veröffentlichung war ruhig, er verlief ohne größere Proteste. Gestern brach schließlich der Sturm los. Das Star Wars Fandom bäumte sich auf in Wut und Frustration, und die dunkle Seite erwachte schrill lachend zum Leben. Das Fandom ist immer noch aufgebracht, die wütenden Stimmen sind überall im Internet zu hören. „Verdammte Zeitreisen…“ murmeln sie, „…Zeitreisen haben in Star Wars nichts verloren!“. Und Unrecht haben sie damit nicht. Rebels führte wie bereits gesagt vor 2 Tagen das Element der Zeitreise in den Star Wars Kosmos ein und das löste natürlich eine Debatte aus.

Ich bin Star Wars Fan seit meine Eltern mir im zarten Alter von 6 Jahren das Recht gewährten die Original Trilogie auf VHS zu suchten und bin es seit dem auch geblieben. Ich habe EU Bücher, Comics und natürlich alle Filme konsumiert. Seit der Veröffentlichung von TFA im Dezember 2015 bin ich ein Streiter für den Kanon und habe zu diesem Thema auch schon einige Beiträge geschrieben und veröffentlicht. Ich mag viele Dinge nicht, welche der Rest des Fandoms in den Himmel loben würde und ich mag einiges, was bei diesen gar nicht gut ankommt. Meine Meinung kann kontrovers sein und ich führe oft, gern auch mit Begeisterung, Diskussionen zum allgegenwärtigen Thema „Star Wars“. Aber wenn es eine Sache gibt wo ich und 90% (wilde Schätzung meinerseits) des Fandoms ein und die selbe Meinung haben, dann ist es wohl das Thema Zeitreisen. Zeitreisen sind seit Anbeginn des Science Fiction ein Teil dieses Genres und sicherlich wird es einige verwundern zu hören, dass ausgerechnet bei Star Wars, einem Franchise welches durch die Macht alle Möglichkeiten hat übernatürliche Elemente jeglicher Art einzubinden, im Fandom Zeitreisen nicht gern gesehen sind. Ja, dass man sogar der Meinung ist, dass Zeitreisen und der Star Wars Kosmos einfach nicht zusammen passen. Nun, woran liegt das? Meiner Meinung nach ist die Antwort relativ simpel auch wenn es nicht so erscheinen mag: Zeitreisen sind komplex. Mit Zeitreisen kann man alles ändern, alles beeinflussen, theoretisch könnte man jedes große Ereignis im Universum einfach wieder umkehren.

Damit Zeitreisen in einer fiktiven Welt funktionieren und nicht nur zum schnellen Ausweg der Autoren oder gar zu Plot-Brechern werden, sollte das Zeitreise Element von Anfang an Teil der fiktionalen Welt sein. Bei Filmen und Büchern die sich über das Zeitreise Element definieren, wie zum Beispiel „Zurück in die Zukunft“ oder „Die Zeitmaschine“, ist das Publikum sofort bereit dieses Element zu akzeptieren, da es als Stützpfeiler für das fiktionale Universum dient. Hier übersieht das Publikum dann auch gut und gerne mögliche paradoxe Situationen die dem Plot schaden könnten oder lässt Fehler in der Erzählung wissentlich zu, da man ja von Anfang an wusste das man sich auf eine Zeitreisegeschichte einlässt und damit auch auf alle Komplexität welche so eine Geschichte mit sich bringt. Viel schwieriger ist es für ein Publikum, das Zeitreise Element zu akzeptieren wenn es erst am Ende der Handlung oder in der Mitte eingeführt wird. Bis zu diesem Zeitpunkt war Zeitreise gar keine Option für die Charaktere der fiktionalen Welt, aber plötzlich steht es ihnen als möglicher Ausweg zu Verfügung. Gleichzeitig wird nun der ganze Plot in Frage gestellt, da durch das späte einführen dieses Elementes theoretisch alles was geschehen ist rückgängig gemacht werden könnte. Nichts ist mehr fest verankert, die dramatischen Momente des Vorhergegangenen könnten mit einem Wimpernschlag ausradiert werden. Die bisherige Sicherheit der Geschichte geht verloren und das kann dem Zuschauer dann schon mal schnell den Spaß an der Sache versauen.

Und genau diesem Problem sieht sich Star Wars gegenüber. Es hat schon in den 90ern Niemandem gefallen als eine Art Geistwesen im EU eine Gruppe Stormtrooper so zirka. 4000 Jahre in die Vergangenheit schickte, nur war die Geschichte so klein und auch unbedeutend für den Rest des SW Universums, dass die meisten nicht mal etwas davon mitbekommen hatten. Doch diejenigen, welche von dieser Geschichte wussten, diskutierten damals schon wie bescheuert das Element der Zeitreise für das schon fest etablierte Star Wars Universum sei und wie es bekannte Grenzen des Universums plötzlich auf den Kopf stellte. „Rebels“, die amtierende und momentan einzige TV-Serie des SW Universums, löste dementsprechend noch eine viel größere Debatte über das selbe Thema aus, als es vor zwei Tagen dem Charakter „Ezra Bridger“ praktisch erlaubte durch die Zeit zu reisen. Auch ich war nicht erfreut als ich gestern davon hörte und konnte den Frust meiner Freunde und Diskussionspartner verstehen als sie mir davon berichteten. Zeitreisen werfen alles über den Haufen, vor allem in einem so fest etablierten Universum und leider Gottes bieten sie auch den Nährboden für dutzende neue Fantheorien. Vor 2 Jahren gab es bereits die Theorie das Snoke ein aus der Zukunft kommender Kylo Ren ist, da sie eine ähnliche Narbe haben und damals war Zeitreisen noch nicht einmal ein Element im Star Wars Kanon. Was für verrückte Theorien werden Fans sich jetzt erst ausdenken? Die Ängste und die Sorgen um das Star Wars Universum sind in dieser Hinsicht vollkommen berechtigt und ich sah mir heute Morgen mehr oder weniger widerwillig die beiden Episoden an, um mir ein klareres Bild von den Zeitreisen im Star Wars Universum zu verschaffen. Und damit kommen wir zum entscheidenden Thema: Wie funktioniert Zeitreisen in Star Wars und ist es so schlimm wie befürchtet?

In Rebels Staffel 4, Episode 12 suchen Ezra Bridger und der Rest der Ghost-Crew den alten Jedi-Tempel auf Lothal auf um das Imperium daran zu hindern diesen wortwörtlich auseinander zu nehmen. Ein Team von Archäologen und Sturmtruppen, angeführt von einem der getreuen Anhänger Palpatines, forscht wohl schon länger am Tempel und ist bereits dabei einige Artefakte und Zeichnungen zu entwenden. Ezra und seine Freunde finden heraus das die Imperialen nach einem „Gateway“ suchen, worum es sich dabei jedoch genau handeln soll, ist nicht klar. Als schließlich ein Gemälde der Mortis-Familie (mächtiger Wesen der Macht, welche von einigen mit Göttern gleichgesetzt werden) gefunden wird, gelingt es Ezra über die Bildsprache der Zeichnungen und Mithilfe der Macht ein besonderes Tor zu öffnen, bei welchem es sich so wohl um den besagten „Gateway“ handelt. Durch dieses Tor gelangt der Jedi-Padawan in die „Welt zwischen den Welten“, welche eine Art Brückenkopf zwischen der „kosmischen Macht“ und der „lebendigen Macht“ darstellt. Die Welt zwischen den Welten ist durch Zeit und Raum mit bedeutenden Events im Leben der gesamten Existenz verbunden und laut Palpatines persönlicher Theorie kann man damit das gesamte Universum kontrollieren. Ezra wandert durch diesen besonderen Ort und stößt dabei auf ein Tor hinter welchem sich Ahsoka befindet während sie mit Darth Vader kämpft, am Ende von Rebels Staffel 2. Ezra greift durch das Tor und zieht Ahsoka zu sich in die Zwischenwelt und damit aus den Fängen von Darth Vader.

Das ist der Moment der Zeitreise, hier beeinflusst Ezra die Vergangenheit. Bis zu diesem Moment, war ich persönlich sehr angetan von den neuen mythologischen Elementen welche in dieser Doppelfolge eingeführt wurden. Die Mortis-Familie, eine der schlimmsten Elemente der Serie „The Clone Wars“, wird hier gekonnt als reines Symbol eingesetzt und gleichen viel mehr einer Sage als tatsächlichen Figuren, die in diesem Universum wirklich mal existierten. Dadurch, dass man sie wie ein Märchen behandelt, ist ihr Einfluss auf die Geschichte hauptsächlich mystischer Natur und bereichert damit das Mysterium um die Macht ungemein. Hätte man sie auf diese Art und Weise auch bereits in TCW eingesetzt, würde ich den Mortis Arc vermutlich sogar gut finden. Auch „Die Welt zwischen den Welten“ ist unglaublich interessant und es erscheint fast logisch das ein Bindeglied zwischen der lebendigen Macht und der kosmischen Macht existieren muss. Ezra durch diese Welt wandern zu sehen und zu erleben wie er deren Bedeutung verstehen lernt ist genial und meiner Meinung nach absolut passend für das Star Wars Universum. Diese beiden Folgen könnten zu den besten der kompletten Serie gehören, würde Ezra nicht mit der Vergangenheit interagieren. Dadurch, dass er Ahsoka aus ihrer Zeitlinie zerrt eröffnete er die Möglichkeit des Zeitreisens im Star Wars Universum. Man hätte ruhig mit der Idee spielen können, dass es theoretisch möglich wäre, aber tatsächlich zu zeigen wie Ezra die „Welt zwischen den Welten“ dafür missbraucht, sorgt dafür das es zu einem unwiderruflichen Fakt im Star Wars Universum wird, dass man durch die Zeit reisen kann – oder zumindest in der Lage ist die Vergangenheit zu beeinflussen.

Die Doppelfolge geht zwar sehr behutsam mit dem Thema um und stellt auch sofort klar, dass Ahsoka nur deshalb gerettet werden konnte, da ihr Schicksal unbestimmt war, man nicht wusste ob sie den Kampf mit Vader sowieso überlebt hätte oder nicht und ihr Überleben keinen direkten Einfluss auf zukünftige Geschehnisse nimmt.
Denn als Ezra bemerkt zu was er fähig ist, versucht er das selbe bei Kanan, seinem kürzlich verstorbenen Meister und erkennt dabei: wenn er Kanan aus dem Moment seines Todes zerrt, er damit sich selbst und auch den Rest der Ghost Crew verdammen würde. Kanans Opfer ist direkt mit dem Überleben seiner Freunde verbunden und dadurch wäre ein Eingreifen in dieses Geschehnis katastrophal für Zeit und Raum. Daher muss Ich eingestehen, dass die Art und Weise WIE mit der Zeitreise im SW Universum umgegangen wird, ich im Grund kein Problem habe. Man ist sich den Auswirkungen dieses Elements durchaus bewusst und die Autoren haben einen Weg gefunden sorgfältig damit umzugehen. Dennoch ist die Gefahr groß, dass andere Autoren dieses Element missbrauchen und aus Star Wars alsbald so ein konfuses Universum erschaffen, dass selbst das X-Men Universum von Fox dagegen sinnig wirkt. Ich mein, wenn es ein gutes Beispiel dafür gibt wie Zeitreisen ein Universum kaputt machen können, dann wären es wohl die X-Men. Ich persönlich bin nach wie vor der Meinung, dass man Zeitreisen in Star Wars nicht braucht und auch, dass es in diesem Fall, keinen tieferen Sinn gehabt hat. Man hätte die „Welt zwischen den Welten“ auch ruhig ohne den Zeitreise Aspekt zeigen können, diese Ebene nutzen können um philosophische Fragen über die Macht zu klären und selbst Ahsokas Überleben war nicht von dieser Zeitreise abhängig, da ihr weiterer Weg am Ende von Staffel 2 ziemlich offen war. Die Umsetzung wurde zwar viel besser gemeistert als ich befürchtet hatte, es ändert jedoch nichts an den Gefahren welches dieses Element mit sich bringt und auch nichts daran das es nicht nötig gewesen wäre.

Dementsprechend war Ich sehr froh, dass die Doppelfolge damit endete dass Ezra jeglichen Zugang zum „Gateway“ auf Lothal für immer verschloss. Natürlich könnten andere Autoren einen weiteren „Gateway“ aus ihren Fingern saugen wenn sie das möchten, erst einmal scheint jedoch keine Gefahr zu bestehen, dass wir die „Welt zwischen den Welten“ so schnell wiedersehen. Daher bin ich der Meinung, dass sich das Fandom wieder beruhigen kann und auch nicht befürchten muss, dass wir jemals „Zeitreisen“ in den Filmen sehen werden. Die Rebels Autoren machen mit dem Ende dieser Folge klar, dass sie fertig mit diesem Element sind und ich hoffe das gilt auch für den Rest von Lucasfilm. Wir sollten als Fandom anfangen nicht immer gleich den Teufel an die Wand zu malen, sondern erst einmal alles objektiv zu betrachten und dann abzuwarten wie es sich auf weitere Elemente auswirken wird. Ich glaube das wir, wie damals in den 90ern, nie wieder etwas von Zeitreisen sehen werden.