Es gibt sehr viele Filme, die nur vor amerikanischer Vaterlandsliebe strotzen und den amerikanischen Traum behandeln – auch die Beziehungen zwishen Russland und Amerika wurden sehr häufig (und ziemlich einseitig) dargestellt.
Moskau in New York (engl. Titel Moscow on the Hudson) mit Robin Williams in der Hauptrolle nimmt sich genau dieser Thematik an, schafft es jedoch über viele Klischees drüber zu steigen und ein interessantes Zeitdokument der amerikanischen Einwanderer zu liefern.

 

In Moskau in New York schlüpft Robin Williams in die Rolle des Saxophonisten Vladimir Ivanov, welcher zur Zeit der Perestroika im Moskauer Zirkus arbeitet.
Sein Alltag besteht aus der Arbeit, für Dinge stundenlang Schlange stehen (manchmal weiß er gar nicht, ob er für Schuhe oder Klopapier gerade ansteht), dem engen Zusammenleben in einem kleinen Apartment mit der gesamten Familie und dem Versuch, bei den „Obrigen“ nicht negativ aufzufallen.
Sein Großvater klopft oft antisowjetische Sprüche und wird daher bereits beobachtet, genau wie sein Freund der Clown Anatoly, dessen Wohnung er als Liebesnest benutzt – er ist unglücklich.

Eines Tages wird der Zirkus nach New York geschickt, um dort aufzutreten. Sein Freund Anatoly hat schon lange von Amerika geschwärmt und den Willen geäußert, überzulaufen.
Als dieser jedoch kalte Füße kriegt, entscheidet sich Vladimir selbst dafür und versteckt sich vor den den russischen Autoritäten im Kaufhaus Bloomingdales.
Er beantragt direkt vor Ort Asyl und macht Bekanntschaft mit der italienischen Verkäuferin Lucia und dem afro-amerikanischern Security-Guard Lionel, welcher Mitleid mit Vlaimir hat und ihn bei sich und seiner Familie in Harlem aufnimmt.

 

Im weiteren Verlauf dieser „Dramedy“ wird gezeigt, wie Vladimir den amerikanischen Traum lebt und das erste Mal die Freiheit kostet. Er nimmt viele verschiedene (schlecht bezahlte) Jobs an, findet eine eigene Wohnung, verliebt sich und führt ein angenehmes Leben in diesem Land der unbegrenzten Möglichkeiten- sollte man meinen.

Wo andere Filme eine heile Welt vorgaukeln würden, in welcher der Protagonist ohne Probleme in Amerika ankommt, zeigt Moskau in New York den Kulturschock, den Vladimir erleidet und legt offenbar, dass das russische System nicht so einfach aus den Köpfen verschwindet.
Auch wenn er nie wieder nach Russland zurückkehren möchte, so war es seine Heimat und die Nachricht vom Tod seines Großvaters lässt ihn realisieren, dass er seine Familie vermutlich nie wiedersehen wird. Auch ist für ihm neu, dass sich in dieser neuen Welt eine Frau nicht an einen Mann binden muss und auch alleine zurecht kommt – als er dann auch noch überfallen wird (etwas, dass es in Russland nie gab laut seiner Aussage), bricht für ihn eine Welt zusammen. „All das“ hätte es in dem Land nicht gegeben, das er nie wieder sehen will.

MOSCOW ON THE HUDSON, Robin Williams (left), Cleavant Derricks (center), 1984. ©Columbia Pictures

Moskau in New York zeigt auf erzählerische Art und Weise auf, dass der „American Way of Life“ nicht das ist, was sich viele erhofft haben und, genau wie andere Systeme, Probleme hat.
Auch wenn er einige bekannte Stereotypen bedient, so schafft er es dennoch, sich von den bekannten Klischees zu entfernen und ein authentisches Filmerlebnis zu schaffen – die Figuren sind allesamt greifbar (bis auf die „überzogenen“ Regierungsbeamten Russlands) und die Geschichte könnte so tatsächlich passiert sein.

Williams, der für diese Rolle Russisch sprechen lernte, hatte 4 Jahre zuvor mit Popeye einen herben Flop erlitten – konnte mit diesem Film (und mit „Garp und wie er die Welt sah“ von 1982) beweisen, was für ein Talent in ihm steckte.
Die Rolle des Vladimir füllt er perfekt aus und wer selbst jemanden kennt, der unter diesem kommunistischen System aufwuchs (oder es miterlebte), der wird hier einige bekannte Themen wiederfinden, die den damaligen Zeitgeist wiederspiegeln.

MOSCOW ON THE HUDSON, Robin Williams, 1984. ©Columbia Pictures

Moskau in New York zeigt geschickt die Träume und Ängste eines Einwanderers in Amerika auf und kann durch einen außerordentlich talentierten Hauptdarsteller brillieren.

Wer mal wieder einen Abstecher in die 80er Jahre machen möchte, der sollte zu Moskau in New York greifen!

 

 

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