Auf unserer Seite erschien von Kollege Marc bereits eine Kritik zum neuen DC Blockbuster Wonder Woman, welcher derzeit einen enorm erfolgreichen Start hinlegt.

Nun hatte ich auch die Möglichkeit den Film zu gucken und möchte euch meine bescheidene Meinung nicht vorenthalten.
Im Vorfeld möchte ich anmerken, dass ich das bisherige DC-Filmuniversum „durchwachsen“ fand. Batman v Superman: Dawn of Justice fand ich echt gut, Man of Steel so lala (was vermutlich auch daran liegt, dass der Mann aus Stahl nicht unbedingt mein Liebling ist) und Suicide Squad emfand ich als Totalausfall.
Doch genug rumgeschwafelt: Kommen wir, ohne Spoiler, zur Review von Wonder Woman!

Die Geschichte

WONDER WOMAN (2017)
Gal Gadot as Wonder Woman

Die Amazonen, welche von Zeus selbst erschaffen wurden, leben auf der Paradies-Insel Themyscira abgeschottet von der „realen“ Welt.
Diese nur aus Frauen bestehende Gesellschaft trainiert ihre Bürgerinnen auf’s Härteste, um aus ihnen starke Kriegerinnen zu machen, die ihr Volk verteidigen können und sich im Notfall einer alten und bekannten Bedrohung entgegenstellen.
Eine von ihnen ist Prinzessin Diana, welche anders zu sein scheint, als der Rest der Amazonen. Bereits in jungen Jahren verspürt sie den Drang trainiert zu werden und der Welt das Gute zu bringen.

Einige Jahre vergehen und Diana (Gal Gadot) wächst zu einer äußerst talentierten und schönen Kriegerin heran, da geht das Abenteuer auch schon los: Ein Flugzeug verirrt auf die geheime Insel und stürzt ab. Diana kann den Piloten Steve Trevor (Chris Pine) retten, welcher den Amazonen vom Krieg erzählt, welcher bereits so vielen Unschuldigen das Leben kostete.
Diana, welche nicht tatenlos zusehen kann, packt kurzerhand ihre Sachen und macht sich mit Steve in eine (für sie) fremde Welt auf, um den Krieg und eine alte Bedrohung zu stoppen.

Die Charaktere

Mit Gal Gadot, welche in der Rolle als Wonder Woman ihr bestes gibt und Chris Pine, welcher den Spion Steve Trevor verkörpert, haben wir bereits die Hauptcharaktere des Films gefunden, welche den Löwenanteil der Screentime bekommen. Die beiden haben eine besondere Chemie und man freut sich meist über die Interaktion der beiden. Auf der einen Seite haben wir einen Soldaten, der bereits die Gräuel des Krieges erlebt hat und dadurch vermutlich nicht mehr viel Hoffnung besitzt und auf der anderen haben wir die junge Kriegerin, die es mit der ganzen Welt (von der sie absolut keine Ahnung hat) aufnehmen will und sich für das Gute einsetzt.

Glücklicherweise hat man aus seinen Fehlern gelernt und verzichtet darauf, den Fokus groß auf die anderen Charaktere zu legen. So bekommen die Nebencharaktere zwar alle ein Gesicht und eine Aufgabe, agieren jedoch dann still im Hintergrund, wann es gebraucht wird.
Dazu gehören Charaktere wie Antiope, welche von der umwerfenden Robin Wright (House of Cards) gespielt wird und Diana trainiert und zu der Frau macht, die sie werden will.
Saïd Taghmaoui (American Hustle) schlüpft in die Rolle von Sameer, welcher Steve Trevor und Diana bei ihrer Mission hilft und sich natürlich sofort für die fremde Schönheit interessiert und seinen Charme spielen lässt – der Typ war mir gleich sympathisch.
Ewen Bremner (Trainspotting) gibt den durchgeknallten Scharfschützen Charlie, der vom Krieg bereits etwas mitgenommen ist.
Weitere Nebendarsteller sind Eugene Brave Rock (spielt den „Chief“) und Lucy Davis, welche in die Rolle von Steves Sekretärin Etta schlüpft. Zum Glück verzichtete man bei ihr darauf, die Rolle aufgrund des Humors weiter auszubauen.

All diese Nebencharaktere machen ihre Sache gut und helfen dem Film eine gewisse Atmosphäre aufzubauen. Es war eine gute Entscheidung ihnen nicht noch mehr Gewichtigkeit zu geben.

Der talentierte Danny Huston (Children of Men, X-Men Origins: Wolverine) übernimmt die Rolle eines der Schurken: General Ludendorf, welcher mit Hilfe seiner Gehilfin Dr. Maru (Elena Anaya) ein tödliches Gift entwickeln will, das den Verlauf des Krieges verändern könnte.
Huston scheint für diese Rolle, die nicht besonders gut geschrieben ist, unterfordert zu sein, gibt jedoch nach wie vor sein bestes.


Der wahre Schurke des Films, dessen Identität ich aus Spoiler-Gründen nicht preisgebe, ist leider keineswegs besser. Seine Enthüllung war vorhersehbar, seine Inszenierung war langweilig und das Gesamtbild macht aus ihm einen vergessenswürdigen Schurken – interessant zu sehen, dass nicht nur Marvel das bekannte Schurken-Problem hat.

Die Action!

Ein Blockbuster wie Wonder Woman lebt natürlich von seinen zahlreichen Action-Sequenzen, von denen es im Film einige gibt.
Die meisten dieser Szenen sind sehr gut umgesetzt und schön anzusehen. Es gibt jedoch einige Einstellungen, bei denen die Bewegungsabläufe sehr schwammig und nicht sehr schön bearbeitet aussehen – aber das soll das Gesamtbild nicht stören.

Im Vorfeld des Films hatte ich die Befürchtung, dass man bei den Kämpfen ein starkes Déjà-vu-Erlebnis verspürt und einen gewissen anderen Schild-tragenden Helden denkt. Dies wurde jedoch gut umgangen und minimiert. Dianas Schild ist zwar ein wichtiges Teil ihres Arsenals, aber sie macht genauso Gebrauch von ihrem Schwert, ihrem Lasso und ihren Armschienen und erschafft so einen ganz eigenen Kampfstil, den man sich gerne ansieht.
Auch hat man die „schwachen“ Nebencharaktere geschickt eingebaut welche tatsächlich als Unterstützung für die ohnehin schon übermächtige Heldin dienen.
Nett gelöst!

Lediglich der Endkampf war schwach, aber dazu später mehr.

Die Bewertung

Wonder Woman ist nicht der Überfilm, wie er derzeit im Internet beschrieben wird. Der Streifen ist gut, hat aber dennoch einige Fehler.

Die ersten 2/3 des Films waren super und haben mich trotz einiger Kleinigkeiten sehr gut unterhalten. Wir bekommen einige frische Charaktere spendiert, man verzichtet auf endloses anteasern von zukünftigen Filmen oder Cameos (wobei ein spezieller Cameo gepasst hätte).
Was in der OV ziemlich lästig war: Die verschiedenen verdammt schlechten Dialekte und Akzente von fast allen Charakteren. Im Film gibt es vermutlich eine handvoll Charaktere, die „normales“ Englisch sprechen. Besonders nervig war hier der deutsche Akzent, bei dem im Saal einige lachen mussten. Ein Problem, das vermutlich nicht beim deutschen Release entsteht.
Auch an sich gibt es einige kleine Einstellungen, bei denen man sich fragt, wozu das jetzt eigentlich nötig war.
Der Soundtrack von Rupert Gregson-Williams ist echt schön (und bereits bei Spotify hörbar) und Patty Jenkins hat eine gute Regie-Arbeit abgelegt, die noch etwas ausbaufähig ist.

Leider ist es unvermeidbar, dass bei diesem Film die breite Masse einige Parallelen zu Captain America ziehen wird – besonders zum Finale hin kann es da ziemlich kritisch werden. Das ist jedoch nichts, was ich dem Werk ankreide.

Dem eigentlich recht guten Film schadet jedoch eine Sache gewaltig: Der letzte und dritte Akt. Dieser will den Höhepunkt darstellen, versagt dabei jedoch leider auf voller Linie.
Auf nicht wirklich überraschende Weise wird die Identität des eigentlichen Schurken enthüllt und in dessen Rede, bei der man sich scheinbar von vielen Film-Schurken etwas auslieh, wird seine Motivation offenbart.
Und dann kommt es zum finalen Kampf, der leider eher öde als toll ist –  In alter Manier bekommt man ein langweiliges CGI Feuerwerk präsentiert, während der Schurke fröhlich weiter plaudert und allerhand Dinge auf Diana schleudert.  Tatsächlich habe ich mich selbst dabei ertappt, wie ich hierbei auf meine Uhr blickte und hoffte, dass der offensichtliche Ausgang des Kampfes endlich eintrat – was danach kam, war auch nicht wirklich besser.

Hätte man mit diesem letzten Akt einen anderen Weg eingeschlagen, so wäre aus Wonder Woman tatsächlich ein sehr guter Superhelden-Film mit einigen kleinen Macken geworden.

Alles in Allem ist Wonder Woman ein guter Comic-Film mit einigen kleinen Problemen und einem miserablen dritten Akt.
Da ich unter’m Strich jedoch gut unterhalten wurde und man über die kleinen Fehler hinwegsehen kann, ist ein Kino-Besuch auf keinen Fall verkehrt.

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