Story:

In Wonder Woman verlässt Diana Prince (Gal Gadot), eine Prinzessin unter den Amazonenkriegerinnen, ihre tropische Heimatinsel Paradise Island, um in einer Stadt aus Glas und Stahl als Gesandte ihrer Zivilisation zu fungieren. Sie ist geschult wie ein griechischer Kämpfer, besitzt besondere Gaben und schließt sich mit dem Geheimdienstler Steve Trevor (Chris Pine) zusammen, um zu einer der größten Superheldinnen ihrer Zeit zu werden.

Kritik:

Das DC Universum hat es bislang nicht leicht gehabt. “Man of Steel“, “Batman v Superman“ und zu letzt “Suicide Squad“. Alle drei haben jeweils vernichtende Kritiken bekommen, während der Konkurrent Marvel mit seinen Filmen weiterhin unaufhaltsam auf der Kritiker-Erfolgswelle ritt. Aber das änderte sich vor ein paar Tagen, als die ersten Kritiken zu “Wonder Woman“ aus Amerika kamen. Kritiker sind begeistert und daraus resultiert unter anderem auch ein unglaublich guter Score von 95 % bei Rotten Tomatoes, wo bislang alle DC Filme komplett untergingen. “Wonder Woman“ ist in vielerlei Hinsicht etwas besonderes. Zum ersten Mal seit langer Zeit, steht eine Frau in einer Comicverfilmung im Vordergrund. Und nicht nur das. Auch bei der Regie übernimmt diesmal eine Frau. Für Patty Jenkins, die ihr Regiedebüt 2003 mit dem Film “Monster“ gab, ist die Comicverfilmung der erste große Blockbuster.

Es sei an dieser Stelle gesagt, dass der Film zu 99,9 Prozent in der Vergangenheit spielt. Zu Beginn steht die junge Diana im Mittelpunkt, die auf der, von der Außenwelt, abgelegenen Insel Themyscira lebt und langsam zu einer mächtigen Kriegerin heranreift. Die große Stärke des Films liegt vor allem in Hauptdarstellerin Gal Gadot, die hier zum ersten mal eine Hauptrolle spielt. Gadot ist sicherlich (noch) nicht die größte Schauspielerin, die perfekt mit Emotionen/Mimik/Gestik umgehen kann, und wer weiß, vielleicht hätte es eine bessere gegeben, aber sie spielt die Rolle zu jedem Zeitpunkt des Films mit sehr viel Herzblut und Ehrlichkeit. Chris Pine als Gadot’s Sidekick (und leider auch als love interest) funktioniert ebenfalls erstaunlich gut. Die Chemie zwischen den beiden entwickelt sich gut und glaubwürdig, auch wenn es schade ist, dass man hier noch eine kleine Liebesgeschichte eingebaut hat. Es wirkt im Film einfach forciert und klischeehaft. Auf der Seite der Bösen haben wir in Wonder Woman gleich drei Stück. Zum einen Dr. Maru als Doctor Poison, zum anderen General Ludendorff. Der dritte Antagonist taucht erst im späteren Verlauf des Films auf. Leider Gottes kann keiner von ihnen wirklich überzeugen. Ein Problem das bislang fast jede Comicverfilmung (sowohl Marvel als auch DC) hat. Sie erfüllen zwar ihren Zweck, bleiben aber komplett Blass hinter ihrer schablonenhaften Fassade. Was dagegen hervorragend ist, ist das Setting. “Wonder Woman“ spielt zur Zeit des ersten Weltkriegs, was definitiv mal etwas neues ist. Das absolute Highlight ist das alte London, wo das Abenteuer für Diana und Steve beginnt. Patty Jenkins blüht hier richtig auf und investiert Zeit in ihre Charaktere. Es ist einfach sympathisch, wenn Gadot und Pine darüber lamentieren wie die Ehe funktioniert, ob alle Männer gleich sind und den Sinn des Lebens. Eine der schönsten Szenen des Films ist, wenn Wonder Woman zum ersten Mal in ihrem Leben ein Eis isst. Es sind die ruhigen Momente, in denen “Wonder Woman“ am besten ist. Darüber hinaus besitzt der Film auch eine gesunde Portion Humor, die dem DC Universe bislang gefehlt hat. Kommen wir zur der Action. Es gibt einige großartige Actionsequenzen und eine, die völlig misslungen ist. Zu den Highlights gehört definitiv die Trainingssequenz von Diana, in der vor allem die Kamera sehr gut mitarbeitet. Der große Höhepunkt findet aber in einem kleinen Dorf mitten in der Schlacht des ersten Weltkriegs, die von deutschen angegriffen wird, statt. Gadot rettet die hilflose Gemeinde auf spektakuläre Art und Weise (Lasso!). Wie bislang in allen DC Filmen, gibt’s im Showdown eine brachiale, laute Schlacht zwischen unserem/r Held/in und dem Bösewicht. Das ist auch in “Wonder Woman“ der Fall. Nur leider sind die letzten 20 Minuten, in denen der finale Kampf stattfinden, eine einzige Katastrophe. Man hätte, allein aufgrund des Seetings, einen wirklich guten Endfight machen können, stattdessen bekämpfen sich zwei übermächtige Gegner, bei dem der gewinnt, der mehr Metall auf den anderen schmeißen kann. Okay, das ist etwas hart ausgedrückt, aber im Prinzip läuft es darauf hinaus. Hier wäre so viel mehr drin gewesen! Auch unschön sind im letzten Akt die CGI Effekte, die aber auch in anderen Teilen des Films nicht immer positiv auffallen.

Kommen wir zu einem Fazit. Mit “Wonder Woman“ geht DC definitiv einen Schritt in die richtige Richtung. Vor allem die erste Stunde ist klasse. Regisseurin Patty Jenkins nimmt sich Zeit für ihre Charaktere, natürlich hauptsächlich Gadot, bringt Humor ins Spiel und wirft einige durchaus berechtigte moralische Fragen auf. Haupdarstellerin Gal Gadot ist das Glanzstück des Films und macht einen sehr guten Job. Auch Chris Pine steht ihr in nichts nach, was man über den restlichen Cast leider nicht behaupten kann. Explizit die Antagonisten bleiben blass. Die Geschichte kommt ohne große Überraschungen daher, was wohl auch daran liegt, dass wir es hier mit einer klassischen Origin story zu tun haben. Die Action ist über weite Strecken sehr gut, die Effekte sind zufriedenstellend, wenn auch nicht überragend. Eine große Enttäuschung ist dagegen das Finale, in dem sich “Wonder Woman“ fast schon wie ein andere Film anfühlt. An die hervorragende erste Stunde kommt man zu keinem Zeitpunkt mehr ran. Der überschwängliche Hype aus Übersee bleibt mir allerdings ein Rätsel.

Der Zuschauer bekommt hier eine solide Comicverfilmung, mit einigen Highlights, vielen Problemen und einer bezaubernden Hauptdarstellerin. Nicht mehr, nicht weniger.

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