Es ist Ostern 2017, wir bewegen uns mit der Facebook-Seite unseres Magazins auf die 4.000 Likes zu (ein kleiner persönlicher Meilenstein) und da blickt man selbst ein wenig auf das zurück, was in dieser Zeit passiert ist.

Neben sehr vielen tollen Sachen sind aber auch, wie überall, einige Niederlagen dabei, wie eine unüberlegte Kooperation und – wie ich Euch nun das erste Mal berichten werde – eine eigene Comic Con, die nie das Licht der Welt erblicken konnte.

Ich schreibe euch die ganze Geschichte aus eigenen Erfahrungen und somit ist das ganze in der Tat ziemlich subjektiv. Für das Geschriebene gibt es außerdem kaum Beweise, also liegt es am geneigten Leser, ob er diesem Rückblick glaubt oder nicht.

Da wir aus der Branche wissen, dass gerne mal mit einem Anwalt gedroht wird und ich keinen Bedarf habe, jemandes Ruf zu schädigen, werde ich keine Namen nennen.

Aber genug des Vorgeplänkels. Nun erzähle ich euch davon, wie unsere Comic Con nie realisiert werden konnte (auch wenn wir im Endeffekt froh darüber sind): Es ist Dezember 2015. Unsere Seite befindet sich derzeit im Aufschwung und wir selbst befanden uns in einer (für uns damals) recht vielversprechenden Kooperation mit einem deutschen Shop für Merchandise.

In Deutschland kam langsam die „Comic Con“ an – ein popkulturelles Großereignis, dessen größtes Vorbild man als die San Diego Comic Con sehen könnte.
Da wir selbst von dem deutschen Angebot an Comic Cons nicht sonderlich begeistert waren (ich persönlich finde da nur ein Event gut) und wir nach dem Motto lebten „Bevor man es kritisiert, sollte man selbst versuchen, es besser zu machen.“ spielten wir mit dem Gedanken, eine eigene Con auf die Beine zu stellen. Aus dem Gedanken wurde schnell eine Idee, welcher Taten folgen sollten.

Zunächst überlegten wir uns, warum unsere Con „besser“ sein sollte und was uns an ganz speziellen, bereits vorhandenen, Veranstaltungen so störte.

Wir wollten Großteils darauf verzichten, Gaststars einzuladen, die vor gefühlt 10 Jahren in einer Serie als Statist #24 fungierten (sehr pauschalisiert ausgedrückt). Aktuelle Serien- und auch Filmstars sollten es sein – mit besonderem Augenmerk auf den Bereich Comic.

Sowieso sollte der Bereich „Comic“ nicht vernachlässigt werden – wo er doch im Titel vorkommt. Deutsche und internationale Zeichner und Autoren waren in unserem Konzept vorgesehen, sowie etwaige Möglichkeiten, um „kleine“ Künstler etwas bekannter zu machen.
Ich selbst hatte Kontakt mit einem recht bekannten deutschen Künstler, der zum Großteil lustige Werke anfertigt – er war von der Idee der Con sehr angetan und war an Bord.

Da einige Messen eher Verkaufshallen gleichen, wo 20 Händler die selben Mangakissen (pauschalisiert) verkaufen, wollten wir auch dort etwas selektieren.

Als Panels hatten wir uns themenbezogene Geschichten ausgedacht, die zum Film/Serie der Gäste gepasst hätten. Im Konzept sollte das ganze dann von einem deutschen Prominenten moderiert werden, der selbst ein tiefes Wissen im Bereich Comicbereich mit sich bringt und von dem ich persönlich ein Fan bin.

Wir hatten also viele tolle Ideen, ein Konzept und die Motivation, so ein Großevent zu veranstalten.
Unser damaliger Partner legte uns dann noch einen „wasserdichten“ Finanzplan vor (im Endeffekt und mit dem heutigen Wissen vermute ich, dass dieser Plan uns auch um die Ohren hätte fliegen können – deswegen bin ich, was diesen Aspekt angeht, doch recht froh, dass jemand unsere Con verhindern wollte).

Doch weiter im Text: Wir hatten ein Konzept, den Willen und (zumindest theoretisch) das nötige Kleingeld.
Nun ging die Arbeit erst los.

Ein Foto von der MCM London Comic Con

Wir schauten uns nach Locations um und unsere Wahl fiel relativ schnell auf eine Messe in einer deutschen Großstadt. Sie behielt genau das bereit, was wir uns für die eigene Comic Con gewünscht hatten und sie lag perfekt, um die Menschen „aufzunehmen“, für die der Weg zu den anderen Cons sonst zu lange wäre.

Man einigte sich recht zügig auf ein Datum und es hieß, dass der Vertrag bald abgeschlossen werden könnte (so die Worte unseres damaligen Partners, der diese Verhandlungen übernahm).

Also beschlossen wir uns, unser Projekt öffentlich zu machen. Wir erstellten eine Facebook-Seite, um die Leute bezüglich des Datums und der Location anzufixen – dies war, wie wir nun wissen, ein Fehler.

Nachdem wir die Location (scheinbar) sicher hatten, kümmerten wir uns um einen Ticketanbieter. Hier trafen wir uns mit 2 verschiedenen Unternehmen. Eines, das noch recht jung war aber unglaublich viel Potenzial barg und eines, das schon etwas mehr Erfahrung mitbrachte. Wir entschlossen uns für den zweiten Anbieter, was ebenfalls ein Fehler war.

In der Zwischenzeit ging ich in meiner neuen „Nebenbeschäftigung“ ganz auf. Ich schrieb mit den verschiedensten Agenten der verschiedensten Stars und habe in dieser kurzen Zeit einiges über das „Showbizz“ gelernt. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir der Agent eines großen Sci-Fi Stars, dessen Emails sich in ungefähr so gelesen haben, als wäre der Verfasser als Autor bei RTL II tätig.
Ich hatte hier mit den Agenten von „ganz großen“ Filmstars zu tun aber auch mit „normalen“ Serienstars. Nach einigen Wochen konnte ich eine recht beachtliche Liste von Talenten vorweisen, die Interesse an unserer Veranstaltung hatten. 3 von denen standen sogar schon kurz vor Vertragsabschluss mit uns.

Doch in der Zwischenzeit passierte einiges: Einigen Fans fiel auf, dass unsere Location noch gar nicht gebucht war – was wir der (scheinbaren) Hinhaltetaktik zuschrieben. Unseren damaligen Partner könnte man durchaus als paranoid betrachten und so kam es, dass einige Fans, die lediglich Hinweise geben wollten oder nach Antworten suchten, von ihm blockiert wurden. Falls Ihr in diese Kategorie gefallen seid, möchte ich mich im Namen des restlichen Teams dafür entschuldigen.

Aber es ging noch weiter: Gerüchte machten die Runde, dass eine Vielzahl weiterer Conventions in Deutschland geplant seien – eine davon an unserem Datum und mit unserer Location.

Dann ging alles Schlag auf Schlag: Der Vertrag für die Location sollte dann an dem Tag unterschrieben werden, an dem wir eigentlich mit dem Vorverkauf der Tickets beginnen wollten. Das Hinhalten fanden wir selbst ziemlich merkwürdig, aber bei einem Event dieser Größenordnung ist das vielleicht auch normal und man wolle sich vermutlich absichern.

Am Vorabend des Ticketverkaufs kontaktierte uns dann unser Ticketanbieter. Ein Konkurrent war ebenfalls Kunde beim Anbieter und dieser hatte um ein Treffen mit uns „gebeten“.

Ich selbst war bei diesem Treffen nicht anwesend und war damit beschäftigt, weitere Stars ins Boot zu holen – mir wurde jedoch zugetragen, dass dort beinahe die Fäuste geflogen wären und uns im Grunde nur der Krieg erklärt wurde.
Der Konkurrent zwang unseren Ticketanbieter dazu, unseren Ticketverkauf zu „stoppen“ oder er selbst würde als Kunde abspringen.

Da er selbst der Ticketfirma offenbar schon ein wenig Geld einbrachte, war die Entscheidung nicht schwer: Am Tag des Ticketvorverkaufs wurden uns die Zugänge für den Ticketshop gesperrt und somit war es uns unmöglich Karten zu verkaufen.

Ich weiß nicht, ob es stimmt, aber mir wurde in den Wochen danach zugetragen, dass der zuständige „Betreuer“ des Ticketanbieters durch diese Aktion seinen Job verloren hat.

Wir standen jetzt ohne Ticketanbieter dort, hätten jedoch noch auf einen weiteren ausweichen können. Doch da eröffnete sich plötzlich ein anderes Problem: Auf einmal hatten wir keine Location mehr.

So wie es aussah, hatte besagter Konkurrent seit dem Zeitpunkt unserer Event-Bekanntgabe Kontakt mit unserer Örtlichkeit gehabt und ein eigenes Event geplant.

Und so kam es, dass am Tag unseres eigentlichen Ticketvorverkaufs unser Konkurrent offiziell seine Comic Con verkündete – gleiches Datum, gleicher Ort – die Location war dahin.

Das traf uns ziemlich hart und mich persönlich hat es einen Teil meines Glaubens an die Menschheit gekostet.

Wir versuchten noch, auf andere Locations auszuweichen, jedoch schien man dort schon „vorgewarnt“ zu sein, was uns Einfaltspinsel anging.

Und so kam es, dass ein Traum von jemandem zerstört wurde, der in meiner Vorstellung mit Euro Symbolen in den Augen herumläuft.

Wir hatten uns vorgenommen eine Veranstaltung von Fans, für Fans zu organisieren und diese Idee hat jemandem offenbar nicht gefallen.

Wie oben bereits erwähnt, sind wir dennoch zum Teil dankbar dafür, dass diese Comic Con nicht realisiert wurde. Einige Wochen später realisierten wir einige Dinge über unsere damalige Kooperation – und wer uns schon etwas folgt, der weiß, wie die Geschichte danach verlief.

Das ist die Geschichte eines recht einfältigen Versuchs, eine eigene Comic Con auf den Weg zu bringen und wie sie offenbar doch irgendjemand als „Gefahr“ sah und sie zu verhindern wusste.

Wie seht Ihr das Thema Comic Cons in Deutschland derzeit eigentlich? Die schießen ja so aus dem Boden und werben mit „Stars“, von denen ich persönlich noch nie etwas gehört habe – sodass der Markt schnell übersättigt wird.

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