Mit The Cloverfield Paradox feierte Netflix einen Meilenstein und veröffentlichte zum ersten Mal als „Überraschung“ einen neuen Film ohne Vorwarnung (okay, die Trailer dazu kamen kurz vor Release).

The Cloverfield Paradox (TCP) ist außerdem der dritte Film des skurrilen Franchises, welches 2008 mit dem Found-Footage Film Cloverfield (C) seinen Anfang nahm und dann 2016 mit 10 Cloverfield Lane (CL), welches zunächst unter dem Namen The Cellar produziert wurde und kurz vor dem Kinostart „enthüllt“ wurde, in ein völlig anderes Genre abdriftete.

TCP lief ursprünglich unter dem Namen God Particle, war seit Jahren bereits auf dem Radar von Cloverfield Fans und wurde immer wieder verschoben. Über den FIlm von Regisseur Julius Onah war eigentlich nichts bekannt, außer dem Cast, der aus Daniel Brühl, David Oyelowo, Elizabeth Debicki und Gugu Mbatha-Raw und einer sehr vagen Prämisse „Durch Energie-Experimente findet sich eine Raumstation weit von er Erde entfernt wieder.“ Doch wenn man sich TCP anguckt, dann geht die Prämisse weit über Energie-Experimente hinaus und behandelt Themen wie das Multiversum, moderne Kriegsführung, eine Energiekrise und natürlich der „Ursprung“ des ersten CL Monsters.

Hier muss man sich nun durch einige Themen wühlen und natürlich ist es bei Cloverfield immer so, dass ein Teil der „Antworten“ nur weitere Fragen hervorruft – aber das macht den Reiz des Franchises auf.

Doch legen wir los:

Die alternativen Dimensionen von The Cloverfield Paradox

The Cloverfield Paradox Mbatha Raw The Cloverfield Paradox Ending Explained

Der Hauptplot des Films dreht sich darum, dass sich die Mannschaft der Cloverfield Station in in einer alternativen Dimension wiederfindet, in die sie „katapultiert“ wurden, nachdem sie ihren Teilchenbeschleuniger mit einer ungeahnten Abweichung benutzten. Zunächst vermutet die Crew, dass sie die Erde dabei in die Luft gesprengt hätten, als es an Bord jedoch immer verrückter wird, realisieren sie, dass sie selbst sich bewegt haben – und das nicht nur auf eine Art und Weise.

Wer Comics liest, dem ist das Multiversum absolut kein neuer Begriff mehr – die Multiversumtheorie besagt, dass es unendlich viele Parallel-Universen gibt, die sich alle in „kleinen“ Dingen voneinander unterscheiden. In TCP geschieht es nun, dass durch den Teilchenbeschleuniger „Shepherd“ (Der Hirte) zwei Welten miteinander kollidieren. In „unserer“ Welt (1) wird das Experiment gestartet und schleudert die Cloverfield Station in eine andere Dimension (2), deren eigene Cloverfield Station durch Schmidt 2’s (Daniel Brühl) Sabotage zerstört wurde – die Sabotage ist hier Bestandteil des Krieges, der auf Erde 2 tobt.
Es gibt weitere, kleinere Unterschiede, wie zum Beispiel der Fakt, dass Tam (Zhan Ziyi) und Ava (Gugu Mbatha-Raw) nicht zur Mission von Erde 2 gehören, wobei es bei Ava daran liegt, dass ihre Kinder noch am leben sind (was später noch wichtig ist).

Doch der „Transport“ von Universum 1 zu Universum 2 ist nicht so einfach und Dinge es sickern Dinge aus diesem Universum Station 1 – wie z.B. Schmidt’s Befehle vom BND, Mundys fehlender Arm und Avas (2) Nachrichten im Bordcomputer und zeigen, dass die Station von dieser Dimension „verändert“ wird.

Hierbei handelt es sich um das „Cloverfield Paradoxon“, welches von Professor Mark Stambler (selber Nachname wie der von John Goodman gespielte Charakter in CL) in einem Interview erklärt wird, das die Crew vor einem Experiment hört.
Teile seiner Theorie haben sogar Bezugspunkte zur realen Welt, wie dem Teilchenbeschleuniger von Cern, welches ebenfalls versucht das  Higgs-Boson Partikel zu rekonstruieren.
Er warnt davor, dass die Schöpfung dieser neuen Energie einen Riss ins Gefüge von Zeit und Raum hevorrufen könnte – seine wahren Ängste sind hierbei Sci-Fi in Höchstform: Alternative Dimensionen werden mit unserer kollidieren und unsagbare monströse Schrecken werden auf unsere Welt entfesselt.
Und tatsächlich geschieht das auch im Film – zum einen auf der Station, aber auch in einer „apokalyptischen“ Art auf der Erde, was wir jedoch erst im letzten Shot des Films realisieren. Doch bevor wir zu dieser letzten Einstellung kommen, müssen wir noch etwas tiefer in TCP eintauchen.

 

The Cloverfield Paradox zerlegt „das Wohl Vieler“

 

„Wiegt das Wohl Vieler, schwerer als das von Wenigen“? Um diese Frage dreht sich der Film in der Tat – bereits die erste Szene zwischen Ava und Michael und ihre Debatte über die Mission stellt klar, dass man sich hier der Frage stellt, ob man auf Kosten eines persönlichen Lebens das richtige tun soll.

Das spiegelt sich in Avas Geschichte wieder. Sie entscheidet sich dafür, ihre Beziehung zu „opfern“, um auf die Cloverfield Mission zu gehen – eine Entscheidung, die sie nur in Universum 1 getroffen hat als Reaktion auf den Tod ihrer Kinder (welchen sie selbst verursachte, indem sie Energie abzweigte), während sie in 2 auf der Erde bleibt.
Wir haben also zwei Avas, die beide vollkommen gegensätzliche Entscheidungen die Zukunft der Menschheit betreffend fassen, welche auf ihren Familienleben basieren. Zum einen diese Entscheidungen komplett unabhängig, sind jedoch von einer großen Tragödie (bzw. deren Fehlen) beeinflusst worden.

Doch durch beide Avas zeigt TCP auch, dass man nicht ein „ultimatives Opfer“ braucht, da beide Versionen auf ihre Art und Weise gutes tun.
Der Film spielt außerdem mit der Idee von Gleichgewicht und wohlüberlegten Entscheidungen, mit dem Gedanken, dass die Welt unvorhersehbar ist (bedenkt man die Tode der Crew oder die monströse Ankunft am Ende des Films). Innerhalb dieser „Entdeckungen“ steht die erdrückende Kraft von Loyalität und Zugehörigkeit, die Schmidt 2 dazu veranlassen, die Shepherd Tests aus Patriotismus zu sabotieren, in der Hoffnung, dass dies seinen deutschen Landsmännern im Krieg gegen Russland hilft. Außerdem wird Mina 2 einfach nur durch das Verlangen, ihre eigene Dimension zu retten, zum Schurken des Films – sie würde 3 „Fremde“ töten, um ihre 8 Milliarden zu retten – auch wenn sie dadurch das Schicksal einer anderen Erde verdammt.In der Tat wird so dieses „Das Wohl Vieler“ Thema zerlegt – es gibt in all den Fällen der Charatere das Verlangen, das Richtige zu tun – doch „das Richtige“ ist hier sehr vage und für jeden selbst-definiert und kommt aus der eigenen persönlichen Erfahrung.

Die Energiekrise und eine lose Verbindung zu Cloverfield und 10 Cloverfield Lane

Ausgangspunkt von The Cloverfield Paradox ist eine Energiekrise – wir bekommen gleich zu Beginn des Films viele Nachrichtenmeldungen um die Ohren gehauen, die uns erklären, dass die Energie auf der Erde knapp wird und man mit einem Engpass rechnet – außerdem wird klar gemacht, dass der anstehende Test des Shepherds die Zukunft der Menschheit bestimmen wird.
Die Erde beider Universen steht am Abrund und Erde 2 zeigt uns, dass daraus ganz einfach ein klassischer Krieg entspringen kann.Die Krise an sich gehört zwar zum Thema der „Selbstlosigkeit“ des Films, hält aber doch kaum Verbindungen zur eigentlichen Geschichte bereit.
Für das Franchise an sich ist die Krise jedoch ein wichtiger Eintrag – die Cloverfield Reihe hat unterschwellig immer Unternehmen und deren Begleiterscheinungen, sowie die Gefahren der „kapitalistischen Energie“ behandelt – speziell auf das Monster des ersten Filmes bezogen hieß es lange Zeit, dass es aus dem Ozean „erweckt“ wurde, als die japanische Firma Targruato nach Öl bohrte – eine Firma, der auch Howard Stambler (John Goodman) aus CL angehörte. Durch die 3 Filme baute Cloverfield eine leichte Antihaltung gegenüber das Öl-Geschäft auf, auch wenn TPC suggeriert, dass das Öl zu sehr in unserer modernen Kultur verankert ist und es keinen machbaren Weg geht, dem zu entkommen.

Doch kommen wir zur offensichtlichsten Verbindung der Filme:

Das Monster des letzten Shots und die „Herkunft“ des ursprünglichen Cloverfield Monsters

Der größte Schocker des Films wurde in der Tat für das Ende aufgehoben. Gerade, als Ava und Schmidt endlich auf dem Weg zur Erde sind, erfahren wir, dass sich in ihrer Abwesenheit die Erde „ein wenig“ verändert hat – in der Form von Monstern. Als ihre Rettungskapsel durch die Wolken bricht, erscheint ein gewaltiges Cloverfield Monster und gibt einen gewaltigen Schrei von sich.
Offenbar haben sich Mark Stamblers Vorhersagen und Befürchtungen als ziemlich genau herausgestellt – Monster aus anderen Dimensionen sind auf unserer Erde gelandet und verwüsten diese.
Das wurde vorher bereits angedeutet, als Michael (Avas) Mom die Bedrohung langsam aufdeckt und ein kleines Mädchen rettet. Dies zeigt uns, dass auf der Erde in der Tat einige Dinge passiert sind, während Ava weg war.
Was man beim Monster von TCP ebenfalls erwähnen sollte: Es ist wesentlich größer als das Viech, das wir im ersten Film sahen – dort war es um die 75m hoch und konnte gerade so mit Wolkenkratzern mithalten – dieses neue Monster erhebt sich sogar über die Wolken.
Es wurde bereits seit langer Zeit angedeutet (sowohl durch die beiden Filmmacher, als auch durch den Cloverfield Manga), dass das Monster des ersten Films in der Tat nur ein Baby war – und diese letzte Szene scheint das zu bestätigen.
Doch woher kommt dann eigentlich das „Baby“ aus Cloverfield von 2008?
TCP spielt im Jahr 2028 (das Cloverfield Alternative Reality Game setzt den Film in diesem Jahr an) und zeigt uns, dass die Erde der Zukunft von Monstern heimgesucht wird – was bei einigen nun die Frage aufwirft, woher das Baby in New York City im Jahr 2008 kommt.
Die Erklärung liefert uns hier ebenfalls Stambler mit seiner Theorie, dass die Dimensionen sowohl durch Raum, als auch durch Zeit sickern.
Er vermutet, dass eine Kollision so zu einem Riss in Zukunft, Vergangenheit und Gegenwart (was der „Nexuspunkt“ ist) führt. So kommt es, dass ein Großteil des Schlamassels in 2028 landet – mit Monstern und Aliens (wenn wir annehmen, dass CL ebenfalls in dieser Zeit spielt) –  so war New York 2008 eine einzelne Anomalie.

Zum einen gibt uns das einen größeren Kontext für das Cloverfield Monster, es hält aber dennoch das größere Mysterium aufrecht.

Es wird ebenfalls angedeutet, dass die Aliens aus 10 Cloverfield Lane durch eine ähnliche Methode auf die Erde kamen  – und egal mit welchen übernatürlichen Kräften die Nazis in Overlord herumexperimentieren (jap, das ist Cloverfield 4), diese werden scheinbar ebenfalls mit dem Teilchenbeschleuniger aus TCP zusammenhängen, auch wenn wir über Overlord noch nicht viel wissen.

 

 

 

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