Der berühmte Meisterdetektiv Hercule Poirot befindet sich an Bord des Orient-Express‘ auf seiner ersten Station zur Reise von Istanbul nach London. Doch als der Zug im Schnee entgleist wird einer der anderen Passagiere ermordet. Was bleibt ihm also anderes übrig als den Mörder zu stellen.

 

Es gibt Filme, die man nicht neu auflegen muss. Das ist mein fester Glaube und meistens liege ich damit gar nicht so falsch, doch Mord im Orient Express ist ein Film, der sich lohnt.

Auch wenn der Film aus dem Jahre 1974 immer einen Platz in meinem Herzen haben wird, so hat sich das Meisterwerk von Kenneth Brannagh dort nun ebenfalls einen Platz verdient. Die Neuverfilmung des beliebten Romans von Agatha Christie fasst die Story auf eine neue Weise zusammen ohne überladen zu wirken. Aber bevor ich mich in Überschwänglichkeiten über die Inszenierung verliere komme ich zu meinem ersten und einzigen Kritikpunkt.

Wer Hercule Poirot kennt weiß, dass im Laufe der Geschichte die Fäden immer enger zugezogen werden, so dass es am Ende klar wird wer wann wen warum umgebracht hat. Dabei führt uns der Meisterdetektiv durch seinen Gedankenprozess, der uns staunend und verstehend zurück lässt. Leider hatte man während des Films aber das ein oder andere Mal das Gefühl einem Sekundenschlaf zum Opfer gefallen zu sein, weil Teile der Auflösung zu schnell und damit nicht leicht nachvollziehbar aufgeklärt wurden.

Ich mag nur als jemand reden, der das Buch nie gelesen und den alten Film vor langer Zeit gesehen hat. Ich wusste wer der Mörder ist, wusste aber das Motiv nicht mehr. Zwar kann man die Fäden am Schluss alle zusammenfügen, doch die beeindruckende Kunst des Poirot Informationen zu enthüllen nahm zu viele Abkürzungen. Dies stört den Gesamteindruck nicht, lies mich aber während des Films zweimal die Stirn runzeln.

Nachdem wir nun die unangenehmen Dinge aus dem Weg geräumt haben, sprechen wir über die positiven Dinge.

Besonders hervorheben möchte ich die Kameraarbeit. Die Kameraausschnitte-, perspektiven und -fahrten haben in mir immer genau die zur Szene passende Stimmung ausgelöst. Auch der Schnitt war punktgenau. Zusammen mit den Kulissen und der perfekten Beleuchtung brachte dies stimmige Bilder auf die Leinwand, die allein für sich schon zu beeindrucken vermochten.

Die Musik erinnerte an die Poirot-Filme von früher, und ein kleiner Ausflug zu Cole Porter als Anspielung auf Das Böse unter der Sonne lies das Fan-Herz höher schlagen.

Die große Anzahl bekannter Schauspieler hatte mich befürchten lassen, dass die ganz großen den anderen die Szenen stehlen, doch dies war nicht der Fall. Abgesehen natürlich von Hercule Poirot selbst, der ja die Hauptrolle darstellt, haben alle Schauspieler ihr Bestes gezeigt ohne die anderen in den Schatten zu stellen. Das Ensemble war ausgeglichen und ergänzte sich hervorragend.

Brannagh als Hercule Poirot war eine hervorragende Wahl und lies mich seine Vorgänger – allen voran Peter Ustinov – für die Dauer des Filmes vergessen.

Die Geschichte selbst ist schlüssig, verfolgt sie schließlich in großen Teilen die Buchvorlage. Die Dialoge waren frisch und manchmal auch witzig. Hervorzuheben sei hier besonders, dass der entstehenden Verwirrung durch die vielen Namen entgegengewirkt wurde, indem man auch gern zu ihren Beschreibungen wie z.B. der Professor oder die Gouvernante griff.

Aus der deutschen Hildegarde Schmidt macht die Synchronisation aus dramaturgischen Gründen eine Holländerin. Gut gelöst, wie ich finde.

Natürlich muss man sagen, dass bei der Anzahl der Charaktere manche Hintergrundgeschichte etwas kurz kam, doch hätte es sicher auch das Pacing gestört, wenn man tiefer eingestiegen wäre.

Abschließend lässt sich sagen, dass es ein gelungenes Remake ist, dass in die heutige Kinolandschaft passt, ohne jedoch zu stark zu modernisieren und den Respekt an seinem Vorgänger spüren lässt.

 

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