+++ Die Review beinhaltet Spoiler. Lesen auf eigene Gefahr +++

Charaktere

 

Wie jede neue Star-Trek-Serie startet auch Discovery mit einer neuen Crew. Und das sogar zwei mal. Denn der Fokus legt sich in den ersten zwei Folgen auf die USS Shenzhou, danach auf die USS Discovery. Die USS Discovery kann eine frische und ausgewogene Crew präsentieren.. Nach der Verlagerung auf die namensgebene USS Discovery bekommen die Charaktere genug Raum sich zu entfalten. Das entfalten tut den meisten auch durchaus gut. Leider muss man aber dazu sagen, nicht jeder Charakter ist gleich vielschichtig wie Hauptcharakter Michael Burnham. Michael`s innere Zerissenheit zwischen Mensch und Vulkanier sein, ist eine der großartigsten Charakterkniffe in ganz Star Trek (auch wenn wir das schon öfter in Star Trek gesehen haben). Das Spiel zwischen Logik und Gefühlen ist immer wieder interessant. Kennen wir auch von ihrem Bruder: Spock! Diese innere Zerrissenheit trifft aber nicht nur auf Michael zu, sondern auch auf Ash/Voq. Wahrscheinlich ist genau das der Grund, warum sich die zwei so gut verstehen.

Michael wird auch in der Folgenaufbereitung „After Trek“ immer wieder durch die Kreativköpfe der Serie in den Himmel gelobt. Fast undankbar geht man aber mit Ash um. Ja wir wissen es. Er ist Voq und Voq ist das Böse. Ob das Ash zum bösen macht? Definitiv eine Diskussion wert und eine Frage, die Star Trek pur ist. Sein Weggang mit L`Rell ist auch dramaturgisch ein wichtiger Schritt um Michael vollkommener zu machen. Zeigt sie Ash doch, dass sie nur ihn sieht und nicht den klingonischen Spion. Außerdem kann Ash durchaus eine wichtige Rolle zwischen beiden Parteien spielen. KANN. Genau das ist das Problem. Die Serie lässt so oft Schicksale offen, damit man sich nicht für kommende Staffeln zu früh festlegt. Für mich eindeutig der falsche Ansatz. Ich glaube ein richtiges Ende für manche Charaktere wäre der bessere Weg gewesen.

Positiv hervorzuheben sind Saru, Stamets und Tilly. Wahrscheinlich die einzigsten in der Serie, die ohne Zweifel die Ideale der Föderation verkörpern. Es macht immer Spaß die zwei zu sehen und sie sind genau das, was sie sein müssen. Das gute Gewissen und das Rückgrat dieser Crew. An diesen zwei hab ich nichts auszusetzen, ganz im Gegenteil. Ich glaube Tilly und Saru werden noch lange nach allen anderen dabei sein.

Und dann gab es da ja noch Captain Gabriel Lorca. Ein wahnsinnig cooler Captain. Der weiß was er will und alles tut um den Krieg zu beenden….Ne, Halt Stop. Er ist ja garnicht der richtige Lorca. Sondern sein Gegenstück aus dem Spiegeluniversum. Ein cooler Twist.  Aber ich finde man hat ihn zu früh aufgelöst. Durchaus ein Handlungsstrang, den man erst in Staffel 2 hätte lösen können. Aber an vielen Stellen fühlt es sich so an, als wollten die Showrunner alles in Staffel 1 erzählen aus Angst, es gäbe keine Verlängerung. Diese Angst verstehe ich nicht wirklich und es führt leider dazu, dass Lorca absolut verbraten ist. Warum wird ein so interessanter Charakter einfach getötet? Noch schlimmer als sein Tod ist eigentlich nur, dass man nicht erfährt was mit richtigen Lorca ist. Auch hier hält man sich die Tür für weitere Staffeln offen. Uncool! Ohne diesen schnellen Abgang hätte Lorca schnell zu meinem Lieblingscaptain werden können. Und nicht nur für mich. Lorca reifte schnell zum Fanliebling.

 

 

Der Krieg

Von der Ankündigung, man würde die Ausmaße des großen Krieges sehen, wurde man recht schnell enttäuscht. Ja, es gab Schlachten und es gab einen Krieg. Nur hat man nicht viel davon gesehen. Lieber flüchtet man sich ins Spiegeluniversum und springt 9 Monate in die Zukunft. Für mich eine Enttäuschung.

Generell kann man wohl festhalten, den einen Handlungsstrang gibt es nicht. Der Krieg wird für die Discovery zum Ausflug ins Spiegeluniversum unterbrochen und ich erinnere gerne noch an die „täglich grüßt das Murmeltier“-Folge. Ich kann nicht anders, als das wirklich dem Drehbuch anzulasten. Es ist einfach keine Runde Erzählung.

Auch der Plan der Sternenflotte, Kronos mit einer Wasserstoffbombe unbewohnbar zu machen, ist schlicht der falsche Weg im Drehbuch. Das ist nicht die Sternenflotte. Und ja, ich weiß natürlich, dass es genau um diese Erkenntnis geht, aber ich weiß eben auch, das für die Sternenflotte der Zweck nicht alle Mittel heiligt. Das ist falsch und das weiß wohl jeder. Und besonders schlimm ist hier noch Philippa. Sie am Anfang rauszuschreiben nur um sie später wieder an Board zu holen, macht keinen guten Gesamteindruck. Auch L`Rell die Bombe zu überlassen um sich mit den Klingonen zu versöhnen ist eine schwierige Drehbuchentscheidung. Es wäre gegen die Ideale der Sternenflotte, Kronos zu zerstören, das wissen wir alle. Aber dem Feind die Hand zu reichen, passt schon eher. Das dürfte auch erklären, worauf der Folgenname anspielt. Warum man ihm aber das einzige Druckmittel überlässt? Ich seh das so: Vertrauen ist gut – Kontrolle ist besser!

 

Offene Fragen

Die Enterprise taucht überraschend auf. Ein epischer Moment, auf den eigentlich jeder gewartet hat. Warum sich Sarek und Michael einen solch geschockten Gesichtsausdruck zuwerfen, darf man sich durchaus fragen. Wer wird der neue Captain und wer wohl Captain Pike verkörpert? Ich hätte da ja einen Vorschlag, auch wenn das schwierig werden dürfte:

  • Wo ist Lorca?
  • Was ist mit Spiegel-Philippa?
  • Gibt es noch andere Kelpianer?
  • Voq, Ash und L`Rell?
  • Was wird aus dem Sporenantrieb?
  • Was ist mit Dr. Culber?

Fazit

Auch wenn man es über diese Review teilweise nicht merken mag, ich mag Star Trek: Discovery. Ich bin ein großer Star Trek Fan. Aber DSC hat oft die gleichen Probleme wie die neuen Filme der Kelvin-Timeline. Für sich genommen sehr gute Unterhaltung. Aber auf das gesamte Universum bezogen passt es nicht dazu. Zu neu, zu anders, eben zu wenig Star Trek. Bevor ihr mich verurteilt, ich hab kein Problem mit neu oder anders. Ganz im Gegenteil. Während ich diese Review schreibe laufen zwei Lieder auf und ab. Das Star Trek Original Theme und das neue Theme aus Into Darkness. Warum ich finde das es kein guter Trekkie-Stuff ist? Ist so ein Gefühlsding. Nicht besonders sachlich, ich weiß, aber das muss es auch nicht sein. Denn Gefühle gehören einfach dazu. Besonders wenn es sich um Franchises dreht, die wir über die Jahre so sehr lieben gelernt haben.

Daher war mein Gefühl zu dieser Serie lange Zeit: sehr gute Serie, sehr gutes SciFi, aber eben wenig echtes Star Trek. Aber dann kamen die letzten 90 Sekunden dieser Staffel. Ein Notruf der Priorität 1 sorgt dafür, dass die Discovery unter Wharp geht. Jemand dem Star Trek nicht ganz fremd ist, wird sofort klar als die Buchstaben "NCC-17xx" im Display erscheinen, dass es sich nur um die Enterprise handeln kann. Und dann ist es eben doch Star Trek. Und mit dem Original Theme im Abspann, kann ich die Serie einfach nur mit einem tollen Gefühl zurücklassen und kann kaum warten das es weitergeht.

Aber bis es soweit ist, hat DSC eines geschafft: Meinen Star-Trek-Heißhunger wieder zu wecken (was in einem BingeWatching aller Serien endet). Und das muss man erstmal schaffen.

Die Rechte der Bilder unterliegen CBS und Netflix oder Paramount

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