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Bevor wir in die Kritik zu Ready Player One einsteigen: ich möchte euch hier nicht den Spaß am Film nehmen, ich gehe hier nur auf Objektives ein, besonders auf Material, das wir bereits aus dem Trailer. Erfahrungen aus dem Film fließen mit ein, sind aber oberflächlich und Spoilerfrei. Diese Kritik soll euch zu allererst einmal einen Eindruck davon vermitteln, warum man diesen Film gesehen haben sollte.

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Worum geht es eigentlich bei Ready Player One?

James Halliday, Erschaffer der virtuellen Welt OASIS, verstirbt und hinterlässt in der riesigen Welt drei Schlüssel. Wer diese drei Schlüssel findet und die dazugehörigen Quests löst, findet DAS EasterEgg, bekommt eine halbe Billionen $ und die komplette Kontrolle über die OASIS. Daraus entwickelt sich ein Wettstreit zwischen allen Spielern und dem zweitgrößten Elektronikkonzern IOI. Irgendwie rutscht in das ganze Wettrennen Wade Owen Watts (das WOW war sicherlich beabsichtigt) mitten hinein. Er kennt sich gut aus in der Geschichte und hat das Leben von James Halliday genau studiert. Er will natürlich auch die Schlüssel finden…

 

Hauptcast und -Rollen:

Der Cast macht seine Arbeit im großen und ganzen ziemlich gut. Allem voran Tye Sheridan als Wade Owen Watts / Parzival und Olivia Cooke als Samantha Evelyn Cook / Art3mis. Die beiden tragen die Geschichte hauptsächlich auf ihren Schultern, beide sind noch sehr jung und frisch im Schauspiel-Business. Sie machen ihre Aufgabe aber ziemlich gut, sind sind für uns jederzeit die Sympathieträger des Filmes.

Mark Rylance spielt James Halliday, den Erschaffer der OASIS, Simon Pegg seinen Mitgründer Ogden Morrow. Diese beiden machen ihren Job extrem gut.

Ben Mendelsohn spielt hier den Antagonisten Nolan Sorrento, der für den Konzern IOI arbeitet. Wie immer mimt er den Gegenspieler charakteristisch und sympathisch. An jeder Stelle kann man ihm etwas abgewinnen, aber er erinnert stark an seine Darstellung von Director Krennic aus Rouge One: A Star Wars Story. Im guten, wie im schlechten.

 

Typisch Spielberg:

Man kann bei diesem Film eines oft sagen: Typisch Spielberg. Die Erzählung ist typisch für ihn, der Humor auch und irgendwie ist alles einfach typisch Spielberg. Was das heißt? Naja es ist alles durchdacht, macht Sinn und ist Familienfreundlich.

Das was ich beim Spielberg’schen Humor so mag: Nie unter der Gürtellinie. Der Humor ist immer da, Witze zünden direkt und funktionieren, da sie nicht bloße one-liner sind, sondern sich gut in die Geschichte und Dialoge einbinden.

Die Geschichte mag mit Sicherheit das Kino nicht revolutionieren, es macht aber Spaß ihr zu folgen, da sie nicht dem „coolen“ Setting untergeordnet wurde. Stattdessen sind alle Anspielungen an unsere Popkultur eher das „coole Füllmaterial“ des Films und niemals wichtiger als die Geschichte. Das ist total wichtig. Logiklöcher sucht man vergebens, es wurden sich Gedanken um so ziemlich alles gemacht.

Ich muss zugeben, ich war anfangs skeptisch, ob es Steven Spielberg schafft das Thema gut einzufangen. Aber meine Ängste waren unbegründet, er und sein Team haben gute Arbeit geleistet. Alles typisch Spielberg soweit.

 

Technik innen, Technik außen:

Graphisch und technisch macht der Film einiges her. Man sieht wo die 175 mio. $ hingegangen sind, alles sieht gut aus. Es wird nicht versucht eine realistische Grafik in der OASIS zu erzwingen, sondern eher einen comicartigen Look, der durchaus vergleichbar mit modernen Videospielen ist. Damit entgeht man – wie es in Rouge One passiert ist – einem Uncanny Valley.

Die Technik im Film gefällt mir auch sehr gut und macht Lust auf mehr. Es wird keine Technik gezeigt, die für uns unmöglich zu erreichen ist, sondern der tatsächliche technische Stand 30 Jahre weitergedacht. Also nichts unmögliches, sondern die wahrscheinlichste Entwicklung. Science-Fiction halt. Bis auf die ganzen Renaults, denn die gibts schon heute. Wer den Film gesehen hat, weiß was ich meine.

 

Wer ist die Zielgruppe:

Tja, dass ist garnicht so einfach. Das merkt man schon am Trailer. Viele Menschen waren sofort heiß auf den Film, doch es gab auch einige, die Achselzuckend die Arme hochhoben. Ich glaube die Antwort auf die Frage, ist abhängig von zwei Faktoren:

  1. Wann ist man aufgewachsen? Der Film bezieht sich besonders auf die 80er, so dürften Menschen die in diesem Zeitraum aufgewachsen sind, eine ganz besondere Verbindung zu dieser Zeit und deren Popkultur haben. Eben dieses Nostalgie Gefühl, wenn man es mehr als 30 Jahre später nochmal auf der großen Leinwand sieht. Diese Leute fahren aber auf den Film.
  2. Fan der modernen Popkultur? Nicht jeder mag Videospiele, nicht jeder mag Retro. Wenn man das aber mag, dann fährt im wahrsten Sinne des Wortes auf diesen Film ab. Für mich und die Freunde mit denen ich drin war (alle so um die 20 Jahre), war dieser Film nicht nur die Würdigung der modernen Popkultur, sondern unserer persönlichen Vorbilder. Figuren, die wir über Jahre hinweg in Spielen und Filmen erlebt und zu lieben gelernt haben, Figuren wie der Master Chief aus Halo, die Ninja Turtels oder unser Lieblingszeitreise Mobil: Der Delorean.

 

 

Fazit

Zum Abschluss bleibt zu sagen, wir mögen diesen Film sehr. Der Umgang mit unserer Popkultur ist einzigartig und besonders. Er bringt vieles „zurück“, was wir lieben gelernt haben in den vergangen Jahren und Jahrzehnten. Sei es Videospiele oder Filme, jeder Auftritt von bekanntem ruft ihn uns Freudenschreie hervor. Das macht den Film großartig und das merkt man auch im Publikum. Ziemlich oft schreien Leute im Kino auf, weil sie da mal wieder jemanden erkannt haben. Abseits dieses Nostalgie-Gefühls hätte der Film sicherlich schwere Chancen Geld einzuspielen. Die Geschichte macht Spaß, ist durchdacht und stets das wichtige und ja, es gibt auch einen tieferen Sinn des ganzen, der wäre aber hier fehl am Platz. Das Setting sieht gut aus und macht Laune. Auch der Soundtrack ist ziemlich gut, ähnlich Kaliber wie bei den Awesome Mixtapes, nur noch bekannter und klassischer. Leider kann der Bösewicht nicht ganz überzeugen, auch wenn Ben Mendelsohn ihn großartig spielt. Das ist so ziemlich unser einzigster Kritikpunkt.

 

+ Die Geschichte ist durchdacht und wird nicht dem Setting untergeordnet; Guter Humor

+ Gute Technik

+ Guter Cast

+ Nostalgie Pur

+ Soundtrack

–  Bösewicht funktioniert nur bedingt

 


Bildquelle: Warner Bros.