Meine Probleme mit Thor – Tag der Entscheidung

Man könnte meinen, die deutsche Übersetzung des Titels wäre schon Grund genug um ein Problem mit dem Film zu haben, aber eigentlich stört sie mich nicht. Einige haben vielleicht Probleme mit dem Humor, aber selbst das hat mich nicht groß gestört. Sicher gab es Momente, wo der Witz bei mir nicht ankam, und ich denke etwas weniger hätte dem Film nicht geschadet. Ich bin ein Story-Fetischist. Das bedeutet für mich ist die Story das Wichtigste an einem Film. Ich lebe mit schlechten Effekten, unpassender Musik, langweiliger Kulisse und mittelklassigen Schauspielern. Die Story ist für mich das einzige was einen Film gut oder schlecht macht. Um Missverständnisse zu vermeiden, ich hatte weder an den Effekten, noch an der Musik, den Kulissen oder den Schauspielern etwas auszusetzen, wenn es um Thor: Tag der Entscheidung geht.

Natürlich kann man argumentieren, dass man nicht viel Story bei einem Marvel-Film erwarten kann, aber ich rede nicht von Tiefe oder Sozialkritik, ich rede von Konsistenz, Spannungsaufbau und Logik, etwas was auch bei einer flachen Story oder vielleicht gerade bei einer flachen Story einfach zu bewerkstelligen ist.

Es sei gesagt, dass wenn ihr kein Fan des MCUs seid und/oder nur seichte Unterhaltung bei Popcorn und Cola wollt euch dieser Film wahrscheinlich gefallen wird. Das ist nicht abwertend gemeint. Jeder kann mögen was er möchte, es soll nur erklären, dass meine Kritik nicht eure Kritik sein muss, sowie eure Kritik nicht meine ist.

Ich bin kein Comic-Leser und das Anschauen und Verstehen einer Filmreihe basierend auf einem Comic oder Buch sollte nicht voraussetzen, dass der Zuschauer die Vorlage kennt. Das heißt innerhalb des Films müssen Regeln erstellt und befolgt werden. Sonst führt es zu einer unsauberen Story, und das ist Thor 3 für mich. Die Geschichte ist bestenfalls leichtfertig, schlimmstenfalls schlampig und lieblos. Oder wie ich sonst schreibe, es ist ein netter Film mit einer Menge verschenktem Potential.

Ich behandle den Film zunächst einzeln, um zu zeigen das meine Probleme nicht nur in der Kontinuität liegen. Dazu kommen wir später.

Spoiler-Warnung für Thor – Tag der Entscheidung… und alle anderen MCU-Filme

 

Die Warrior 3

Die Warrior 3. Sicher waren die Warrior 3 niemands Lieblingscharakter. Auch in den anderen Filmen kamen sie nur wenig vor und ich vermute, Marvel oder die Russos wollten sie nicht für Infinity War, und daher musste man einen Grund finden, warum sie dort nicht vorkommen. Ihr Ableben ist ein guter Grund, ich stimme Marvel da völlig zu.

Fandral und Volstagg aber einfach wie Statisten zu töten ist auch nicht zwingend die beste Wahl, immerhin waren sie lange Thors Gefährten und sicherlich auch gute Kämpfer. Einen Tod während des Showdowns hätten sie schon verdient. Hogun hingegen hat sich Hela wenigstens im Kampf gestellt, ist zwar schnell aber zumindest ehrenhaft gestorben. Da fragt man sich, ob dieser Kampf nicht auch zwischen Hela und den Warrior 3 anstatt nur zwischen Hela und Hogun hätte stattfinden können. Ich setze das auf lieblosen Umgang mit Charakteren, die Waititi schnell loswerden wollte.

 

Skurge

Ein Neuzugang für Thor 3, weshalb ich annehme, dass Waititi diesen Charakter auch machen wollte. Skurge ist ein unbedeutender Arsen, der gerne Ruhm erlangen möchte. Dabei lässt er sich von Hela überreden für sie zu arbeiten, obwohl – sind wir ehrlich – er eigentlich nur versucht zu überleben. Zu keinem Zeitpunkt stand er für das was Hela wollte, was ihn nicht zu einem Bösewicht oder Gegner, sondern nur zu einem Feigling macht. Am Ende stellt er sich Hela im Kampf und wird – man höre und staune – ohne irgendetwas zur Story beigetragen zu haben von ihr umgebracht. Wenn es etwas gibt, was ich noch schlimmer finde als 2-Dimensionale Charaktere, dann sind es sinnlose Charaktere. Skurge hatte in diesem Film keinen Nutzen. Man könnte ihn raus schreiben, ohne dass sich die Story ändert.

 

 

Hela

Hela ist der neue Bösewicht. Man muss sagen, dass sie in ihrer 2-Dimensionalität gut zu den anderen Marvel-Bösewichten passt, denn schließlich schafft es Marvel häufig nicht ihren Bösewichten Leben einzuhauchen. In diesem Fall ist es aber besonders schade. Zum einen natürlich aus dem offensichtlich Grund, dass man eine Schauspielerin wie Cate Blanchett für so etwas echt nicht verheizen muss. Zum zweiten aber, ging es in Thor schon immer mehr als in den anderen MCU-Filmen um das Familiendrama. Damit keine Verwirrung aufkommt, Hela ist in Thor 3 Odins und nicht Lokis Tochter.

Hela wurde von Odin als Kriegstreiber erzogen. Doch dann entschied sich Odin für einen neuen Weg und weil er Hela nicht kontrollieren konnte, hat er sie weggesperrt. Das Schloss auf diesem Gefängnis scheint mit Odins Leben zusammenzuhängen, was wieder mal beweist was für ein toller Typ Odin ist und sich denkt: Nach mir die Sintflut.

Soweit ist alles in Ordnung… also von der Story. Hela entsteigt nun nach Odins Tod ihrem Gefängnis und macht erst mal auf Daenerys und verlangt von Thor und Loki das Knie zu beugen. Loki nun möchte mit ihr darüber reden, worauf hin Hela meint er klingt wie Odin. An welcher Stelle wollte Odin jemals reden? Odin befielt, und wenn man ihm nicht folgt kommt eine Strafe. Das ist nicht nur in den alten Filmen so, sondern auch direkt hier in Thor 3 und der Situation zwischen Hela und Odin. Gut… Hela beweist nun wenig Familiensinn, und anstatt zu versuchen ihre Brüder zu überzeugen, will sie sie umbringen.

Witzigerweise – und wahrscheinlich fand Waititi es wirklich witzig – kommentiert Hela hier auch, dass Thor Odin gar nicht ähnlich sieht. Sie zwar auch nicht, aber egal.

Ich habe den ganzen Film darauf gewartet, dass Loki zu Thor sagt, dass er (Loki) wohl doch nicht das schlimmste Geschwisterteil ist, das Thor hat. Aber vielleicht wollte Waititi einfach keine offensichtlichen Sachen ansprechen. Ich hätte hier auch einfach mal ein wenig Familiendrama erwartet, aber ehrlich Hela hätte auch eine entfernte Bekannte von Odin sein können, so sehr hat sie sich für ihre Brüder und ihre Brüder sich für sie interessiert.

Natürlich könnte man sagen Thor hat schon recht. Schließlich hat Hela alle Arsen umgebracht, die sich ihr in den Weg stellten. Aber hatte sie nicht das Recht? Sie ist die älteste und Erbin. Thor will den Thron nicht, Loki steht er nicht zu und Odin ist tot. Die von Hela hingerichteten Wachen waren in Rebellion gegen ihre rechtmäßige Herrscherin. Was hatte Thor denn vor? Hela vernichten und Heimdall auf den Thron setzen?

 

Die Walküren

Genug von Hela. Kommen wir zu den Walküren. Sowohl Loki als auch Thor wussten wer die Walküren sind. Offensichtlich wussten sie auch, dass die Walküren ausgelöscht wurden. Prinzen werden für gewöhnlich mit historischem Wissen vollgestopft, also gehe ich davon aus, dass sie bereits als Kinder von den Walküren hörten und auch beide offensichtlich das Zeichen auf Valkyries Haut als das der Walküren erkannten. Das Thor etwas hört und sich dann nicht weiter interessiert kann ich vielleicht noch glauben, weil er nicht so der Bücherwurm ist. Dennoch hätte ich auch bei ihm größeres Interesse an einem Kriegervolk erwartet. Loki hingegen hat schon immer alles hinterfragt, und ich soll nun glaube, dass er nie versucht hat herauszufinden, was es mit den Walküren auf sich hatte, und wie sie vernichtet wurden? Ich kann glauben, dass Odin ihm eine glaubhafte Lüge erzählt hat, aber zumindest das hätte Loki dann vielleicht mal zur Klärung erwähnen können. Ein Satz hätte gereicht… „Also hat Odin uns angelogen“, fertig.

Der Grund warum ich dies erwähne ist weil die Zerstörung der Walküren im direkten Zusammenhang mit Hela steht, von der Thor und Loki ja nichts von ihr wussten.

 

Lokis Verrat

Auf der Flucht von Sakaar beschließt Loki Thor dem Grandmaster zu übergeben, statt mit ihm zu fliehen. Thor allerdings hat mit Lokis Verrat gerechnet – warum auch immer – und zappt ihn, bevor Loki dem Grandmaster Bescheid geben kann. Loki trifft dann auf die Rebellen, die ihn grundlos als Anführer akzeptieren und folgt Thor nach Asgard, um ihn im Kampf gegen Hela zu unterstützen… äh, ja… und Thor tut so, als sei das von Anfang an der Plan gewesen. Okay.

Im Film selbst wollte Loki Thor helfen Sakaar zu entkommen (bereits vor dem Kampf gegen Hulk), und erklärte, dass es ein bisschen mehr Finesse erfordert, als Thors übliche Hau-drauf-Taktik. Nachdem die Flucht also gelungen und sicher war, warum sollte Loki Thor verraten? Er hätte keinen Nutzen daraus gehabt. Und warum gibt es keinen Konflikt, als Loki und Thor wieder aufeinander treffen?

 

Die Kontinuität

Das sind eigentlich meine Probleme, wenn ich den Film selbst betrachte. Kommen wir nun zur Kontinuität, die in diesem Film lustlos mit Füßen getreten wurde.

Man mag über die ersten beiden Thor-Filme denken, wie man will. Ich mochte die düstere Atmosphäre und die Thematisierung der Beziehung zwischen Loki und Thor und ihren Eltern. Malekith war leider sehr flach, was gerade bei einem Schauspieler wie Chris Eccleston schade war. Doch wenn man einen Film dreht, der Thor 3 heißt (ja, ja, er heißt nicht so, aber ihr wisst, was ich meine) und der der 17. Film in einer Reihe ist, dann kann man die vorherigen Filme nicht ignorieren, ad absurdum führen oder ins Lächerliche ziehen.

Für Thor 3 muss ich also den Weg über Thor, Avengers, Thor: The Dark Kingdom und Avengers: Age of Ultron gehen, um Thor, Loki, Odin und Bruce Banner ins rechte Licht zu rücken.

Ich korrigiere mich. Man kann natürlich bei einen solchen Film die vorherigen ignorieren, ad absurdum führen oder ins Lächerliche ziehen, muss dann aber damit leben, dass es vielen nicht gefällt und dass der Vorwurf des schlechten Story-Tellings gerechtfertigt ist, anstatt sich über Kritiker lustig zu machen und uns vorzuwerfen wir hätten keinen Humor. Schließlich sind es viele dieser Kritiker, die bei Guardians of the Galaxy drohten vor lachen zu ersticken. Keinen Humor, Mister Waititi? Doch, den hab ich schon. Aber vielleicht schreibt James Gunn einfach bessere Gags.

Ich denke, dass Taika Waititi ein Comic-Fan ist. Ich meine zumindest so was schon mal gehört zu haben. Das bedeutet aber nicht, dass er Figuren im MCU nach Comic-Vorlage porträtieren kann, da sie innerhalb des MCUs schlüssig sein müssen. Ich kann den Zusammenhang mit den Comics übrigens nicht beurteilen.

 

Thor

Ich fange mal mit Thor an. Thor ist arrogant und rechthaberisch… was ja gern Hand in Hand geht. Thor ist nicht tollpatschig und in seine Haare verliebt. Die weiblichen Fans sind in seiner Haare verliebt, und ein kleiner Spruch wäre sicherlich lustig gewesen, aber Thor sah ja aus wie kurz vor dem Nervenzusammenbruch. Thor rennt gegen Türen und schaffst es nicht einem Ball auszuweichen, den er selbst geworfen hat. Chris Hemsworth ohne Shirt zu sehen ist nicht der Grund, warum wir die Filme schauen, zumindest bei einigen von uns.

Viel schlimmer aber ist, dass Thor 2 Jahre lang nach Informationen zu den Infinity Steinen gesucht, aber nichts gefunden hat. Zugegeben, er war nie der hellste Stern am Himmel, aber das ist doch echt übertrieben. Die Arsen wissen vom Collector, der doch zumindest in Guardians of the Galaxy recht frei mit Informationen umgegangen ist. Soll ich glauben, dass Thor da nicht mal nachgehakt hat? Dann hat Thor versucht herauszufinden wie es zu Ragnarök kommen wird und entschieden, dass der Leuchtehans dafür zuständig ist. Also geht er hin und haut ihm aufs Maul… wirklich, wenn das die ganze Geschichte gewesen wäre glaubst du nicht, dass Odin das schon vor Jahren gemacht hätte? Und warum hat Odin es nicht gemacht? Er hätte die Maske in der Schatzkammer aufheben können, um Hela zu besiegen. Alles in allem eine relativ dämliche Geschichte.

 

Odin

Odin ist ein Herrscher mit eiserner Hand. Er hat seine Tochter Hela weggesperrt, weil er sie nicht kontrollieren konnte (nachdem er das aus ihr gemacht hat, was sie ist). Er hat seinen Sohn zum Kriegsherren erzogen und ihn dann verbannt, weil er ein Volk angegriffen hat, was Asgard zuerst angegriffen hat (Thor; die Frostriesen). Er hat ein Kind von den Frostriesen entführt und ihm eingeprügelt (verbal), dass die Frostriesen Monster sind, was sich ja auch auf die Psyche schlägt, wenn man dann erfährt, dass man einer ist.

Er hat seiner Frau verboten ihren Sohn im Gefängnis zu besuchen, und eben diesen Sohn für den Rest seines Lebens (was ja wahrscheinlich so 4000 Jahre sind) eingesperrt, obwohl er darum bat hingerichtet zu werden, weil er das als die geringer Strafe empfand. Und als die Dunkelelfen seine Frau töteten, wollte er Völkermord begehen, dass was er Thor als schlechtes Verhalten vorgeworfen hat… ich meine, es ist schlechtes Verhalten, das ist soweit richtig.

Nun erfahren wir, dass er auf der Erde rum sitzt, weiß das Ragnarök kommt und nichts dagegen tut. Er sah es nicht mal vor sich jemanden zu warnen. Heimdall zum Beispiel oder Thor oder selbst Loki, von dem er ja wusste, dass er gerade über Asgard herrscht. Ein Mann der Stärke über Wissen schätzt und nur selten weise Entscheidungen trifft, wenn sie nicht gerade damit zu tun haben jemandem ins Gesicht zu schlagen. Aber die ganze Odin-Story hinkt, und wir werden bei der Loki-Story näher darauf eingehen.

 

Bruce Banner – Der Hulk

Bruce Banner – oder vielmehr der Hulk ist nach der Schlacht in Sokovia mit dem Quinjet abgehauen. Was ihn dazu bewegt hat… es mag verschiedene Gründe geben. Der Verrat von Natasha spielte sicher eine entscheidende Rolle. Verrat? Ja, falls ihr euch erinnert hat sich Bruce immer nur widerwillig in den Hulk verwandelt, und Natasha, die Frau der er sein Herz geschenkt hat, missachtet diesen Wunsch und zwingt den Hulk aus ihm heraus, weil sie meint, er müsse im Kampf helfen… gegen seinen Willen.

Immer wenn Hulk das Bewusstsein verlor verwandelte er sich zurück. Ich nehme an, dass schlafen den selben Effekt hat. Soll ich nun glauben, dass Hulk seit 2 Jahren nicht geschlafen hat? Es fehlt jegliche Begründung, warum Bruce sich nicht zurückverwandelt hat. Es muss nichts langes sein, aber irgendeinen Grund in einem Satz erklärt… die Atmosphäre von Sakaar, oder dass er einfach nicht mehr Bruce sein will, weil ihn niemand akzeptiert, oder irgendeinen anderen Mist. Dabei muss es nicht mal eine Lösung geben, aber Bruce ist doch clever genug, um sich dieser Fragen zu stellen, die in den Dialog gepasst hätten, in dem er sich darüber aufregt, dass er auf einem anderen Planeten ist. Man hätte es sogar witzig machen können.

Auch sorgt sich der sonst friedliebende Bruce nicht darüber in den letzten zwei Jahren zahllose Männer und vielleicht auch Frauen und andere Kreaturen in der Arena zur Unterhaltung anderer umgebracht zuhaben.

 

Loki

Oh, ich möchte gar nicht anfangen mit Loki. Loki ist ein tragischer Charakter, was ihn für mich immer besonders interessant gemacht hat. Ich versuche meine Interpretation der Szenen herauszulassen und mich wirklich nur auf das Offensichtliche zu beschränken. Gehen wir Lokis Story durch.

Loki kämpft mit Thor Seite an Seite seit grob 1000 Jahren, vielleicht länger, vielleicht etwas kürzer, Zeitangaben haben wir nicht. Selbst nach Aussage der Warrior 3 und Sif, die Loki offensichtlich nicht mögen, treibt Loki zwar gern einen Schabernack, aber nichts wirklich ernstes.

In Teil 1 erfährt Loki nun von seiner Herkunft, und sein Weltbild zerbricht. Danach macht er einige entscheidende Fehler und beschließt am Ende des Films sich umzubringen, weil er die Schuld nicht ertragen kann. Es gibt auch hier ein paar holprige Stellen in der Story, die ich aber hinnehme, weil sie nicht zu groß sind.

In Avengers nun „entscheidet er sich“ die Erde anzugreifen, um Thor eins auszuwischen. Warum ich das in Anführungszeichen setze? Die Story geht nicht auf. Wir wissen allerdings nicht was mit Loki zwischen Thor und Avengers passiert ist, weshalb ich hier immer noch auf eine Erklärung hoffe. Diese ist für mich offensichtlich, doch fürchte ich, dass ich zu viel hinein lese, also lasse ich es mal weg und führe es zum Zweck der Diskussion auf Lokis vorübergehenden Größenwahn zurück.

In Thor 2 möchte Loki lieber den Henker, als ein Leben in Gefangenschaft zu verbringen. Da Odin ihm den Besuch seiner Mutter untersagt, die eigentlich immer einen positiven Einfluss auf ihn hat, lässt sich nicht glauben, dass Odin noch auf Besserung hofft. Ich bin überzeugt, dass Loki Thors Vorschlag nur annimmt, um aus dem Gefängnis zu entkommen. Wenn überhaupt ist nur ein kleiner Teil seiner Motivation Rache für seine Mutter. Loki glaubt auch, dass Thors Plan sie umbringt, was aber für ihn offensichtlich besser wäre, als ein Leben im Gefängnis.

Und hier kommt das Wichtigste, was viele übersehen. Loki wünscht entgegen seiner Beteuerungen nicht Thors Tod. Während des Kampfes gegen die Dunkelelfen besiegt Loki all seine Gegner, während Thor gegen Kurse kämpft. Loki hätte hier ein Fenster zu verschwinden, was Thors Tod zur Folge gehabt hätte. So entschließt er sich stattdessen Thor zu retten und seinen eigenen Tod vorzutäuschen. Bis hier ist es ein Fluchtplan.

Und jetzt wird es kompliziert, weil wir mit zwei Szenen konfrontiert werden, die beide keine Lösung haben. Loki – als Wache von Asgard – berichtet Odin über Lokis Tod. Sicher wollte er hier Odins Reaktion sehen, und ich habe den selben Wunsch. Die Reaktion wurde uns aber verwehrt.

Am Schluss kommt Thor nach Asgard zurück und unterhält sich mit Odin. Man achte hier aber darauf, dass er sich eigentlich mit Loki unterhält. Und was ist es was Loki tut? Er bietet Thor den Thron an. Wäre es Lokis Plan gewesen als Odin über Asgard zu regieren, warum bietet er Thor den Thron an? All die netten Dinge, die Odin sagt kommen von Loki, während im Umkehrschluss Thor sagt, was für ein hervorragender König Loki gewesen wäre.

Es gäbe sicher viele Erklärungen, aber nur eine die Sinn macht. Diese eine Szene, die uns fehlt. Diese eine Unterhaltung zwischen Odin und Loki.

In Thor 3 ist die Lösung, dass Loki einen Zauber über Odin legte und erst als er ihn abschütteln konnte, konnte er wieder klar denken… Odin kommentiert das damit, dass Frigga stolz auf ihn gewesen wäre. Sicher hätte Frigga das nicht gut geheißen. Und sicher kann Loki das gar nicht. Und hier kommen wir zur Kontinuität. Loki kann Blendzauber, Astralprojeltion und Verwandlung. Für Verwandlung gibt es keine 100%igen Beweise, aber wenn ich davon ausgehen, dass Loki nicht ständig nackt ist und seine Kleidung nur durch Blendzauber bewirkt (kinky) ergibt es schon Sinn. Auch scheint Thors Transformation in Lady Sif im zweiten Film mehr als nur ein Blendzauber zu sein. Der einzige Film, in dem Loki tatsächlich in das Bewusstsein von Personen eindringen konnte war Avengers, und dafür brauchte er den Gedankenstein. Welchen Zauber also bitte hat Loki über Odin gelegt, der – als wir ihn das letzte Mal sahen – die Dunkelelfen auslöschen und seine Söhne am Verlassen von Asgard hindern wollte „mit allen erforderlichen Mitteln“?

Auch ergibt es wenig Sinn, dass Loki über zwei Jahre über Asgard herrschte, es aber nicht in die Schatzkammer geschafft hat und so den Tesserakt erst am Ende des Films bemerkt.

 

Loki – Eine Alternative

Ich erzähle euch jetzt eine Story, die mehr Sinn machen würde. Loki gibt sich Odin zu erkennen, nachdem er sieht, dass Odin wirklich um ihn trauert. Odin nutzt diese Gelegenheit und weißt Loki an in seinem Namen zu regieren, bis Thor wiederkommt und dann ihm den Thron zu geben, während Odin sich auf eine Quest begibt. Das kann mit den Dunkelelfen zusammenhängen, oder vielleicht mit dem Äther und der Suche nach den Infinity-Steinen. Oder auch mit Hela und Ragnarök. Oder dem Leuchtehans (ich bin wirklich zu faul den Charakternamen nachzuschlagen… ja, gut, ich mach’s… Surtur).

Loki könnte als guter König regieren und Heimdall wäre eingeweiht, weil er durch Lokis Blendzauber sehen könnte. Als Odin nicht zurückkehrt könnte sich Heimdall auf die Suche nach ihm oder Thor machen, kann aber zunächst beide nicht finden. Erst als Thor nach ihm ruft sieht Heimdall ihn und holt ihn zurück. Danach brechen Loki und Thor auf um Odin zu finden, der kurz vor dem Tod ist und ihnen noch von Hela erzählt. Es folgt die tragische Todesszene, die einem Odin würdiger gewesen wäre als das, was wir bekommen haben.

Wenn Hela in Asgard aufschlägt gibt es einen Kampf gegen die Warrior 3, die natürlich sterben, aber so Heimdall die Flucht ermöglichen, dass er die Wachen warnt, und das Schwert in Sicherheit bringt, mit dem man den Bifröst kontrollieren kann. Brauchte man dafür immer ein Schwert? Odins Stab hat auch funktioniert, aber gut.

Skurge hätte eine Wache in Helas Gefängnis sein können, der ihren Ausbruch überlebt und sich ihr anschließt. Nach Jahrtausenden fernab von Asgard kann man komisch werden. Er hätte aber etwas zu tun bekommen müssen, bevor er sich dann im Showdown gegen sie wendet und stirbt. Und sein Tod hätte auch nicht sinnlos sein müssen.

Und schon ist die Kontinuität bewahrt mit nur kleinen Änderungen der vorhandenen und einer neuen Szene. Also die kleine Änderung, die aus dem bekloppten Theaterstück einen vernünftigen Dialog zwischen Thor, Loki und Heimdall gemacht hätte… okay, vielleicht nicht klein.

Stattdessen stellt sich Loki als schlechter Herrscher heraus und ist laut Thor Schuld an Ragnarök, weil er sich um nichts kümmert. Dabei kommt Ragnarök als Gegenangriff zu Hela, die nicht vermieden werden konnte, weil Odin halt stirbt. Wein, Weib und Gesang waren ja schon immer Lokis Schwächen… äh, waren nie seine Schwächen. Auch fragt man sich, warum Heimdall Thor die Schuld an Ragnarök gibt (also in Age of Ultron). Auch dafür gibt es keine Erklärung.

 

Lokis Verrat – Die Zweite

Man kann all das sicher damit abtun, dass Marvel diese Story nicht geplant hatte und man sie jetzt einfach loswerden musste, weil einem nichts besseres eingefallen ist, und das mag durchaus den Tatsachen entsprechen. Wenn das allerdings für mich die logische Schlussfolgerung war, nachdem ich den Film einmal gesehen hatte (also Thor 2) fragt man sich schon, wofür die Kreativen bei Marvel eigentlich bezahlt werden.

Loki funktioniert für mich ab der Sakaar-Story einigermaßen. Irritiert hat mich allerdings der oben bereits erwähnte Verrat. Loki hat nicht etwa das Vertrauen des Grandmasters gewonnen, um sich einen Vorteil zu verschaffen, wenn man es jetzt mal nicht als Vorteil erachtet nicht versklavt zu werden, was zugegen schon ein Vorteil ist. Er hätte also keinen Grund gehabt Thor zu verraten, wenn die Flucht so nahe war und auch eigentlich sicher. Noch weniger Sinn ergibt es aber, dass Thor den Verrat erwartet.

Loki hat ihren Ausflug nach Jotunheim an Odin verraten, weil er ihn verhindern und Thor das Leben retten wollte. Und sind wir ehrlich, hätte Odin nicht eingegriffen, wären die Warrior 3, Sif, Loki und Thor gestorben und der Film wäre vorbei gewesen. Thors Verbannung war nicht Lokis Plan.

Loki hat Thor gesagt, dass Odin tot sei und Frigga ihn nicht zurück wolle. Das war klar gelogen, doch wie Loki später sagte, wollte er Jotunheim vernichten, bevor Thor wieder da ist, um zu beweisen, dass er der bessere König ist. Er hat also Thors Ankunft nur hinausgezögert und Thor befand sich nicht in Gefahr.

Loki hat den Wächter auf die Erde geschickt, um Thor auszuhalten. Den Todesstoß hat er ihm aber nicht verpasst. Als Thor am Boden liegt dreht der Wächter sich weg und der Kampf geht erst weiter, als Thor seinen Hammer zurückbekommt.

Loki greift die Erde an, um Thor zu ärgern. Wir treten hier einen Schritt zurück und betrachten, dass die Arsen menschliches Leben nicht sehr hoch werten, was auch Odin beweist, als er Jane nicht helfen will (Thor: The Dark Kingdom). Loki lockt Thor in das Glassgefängnis und lässt es fallen. Soll ich glauben, dass Loki wirklich denkt es würde Thor töten? Er war nicht überrascht, als er ihn wiedersah.

Dann sticht Loki Thor auf dem Stark Tower mit einem Messer, dass so klein ist, dass die Rüstung wohl das meiste auffängt. Das selbe macht er in The Dark Kingdom und da ist es Thors Plan.

In Dark Kingdom täuscht Loki vor helfen zu wollen, um aus dem Gefängnis zu entkommen, hilft aber bis zu dem Punkt an dem Thor sicher ist und täuscht dann seinen Tod vor.

An welcher Stelle hat Loki je Thors Leben bedroht? Wie konnte Thor mit Lokis Verrat rechnen? Jede Lüge und jeder Verrat hat Loki zu einer besseren Situation verholfen. Seine derzeitige Situation ist aber nicht gut.

Lösungen hätte es viele gegeben. Mein persönlicher Favorit hätte Loki in ein besseres Licht gerückt, als ihn viele sehen wollen, und ich kann euch verstehen. Der Verrat macht aber keinen Sinn, zumindest nicht, wenn Loki nicht einen wesentlich besseren Preis hätte bekommen können. Es hätte mehr Sinn gemacht, wenn Loki gesagt hätte, er nimmt ein anderes Schiff und entscheidet sich später doch noch zum Kampf dazu zustoßen. Eine Abkürzung der Story wäre gewesen, wenn die Gladiatoren direkt dazugekommen wären und Loki mit diesen abgehauen wäre, dann aber einen Sinneswandel gehabt hätte.

Was aber keinen Sinn macht ist, dass Loki zum Showdown dazukommt und es keinen Konflikt wegen seines Verrats gibt.

So ein kleiner Gedanke. Loki ist seit Monaten auf Sakaar, aber weiß nicht wer der Champion des Grandmasters ist? Sein Kopf ist auf dem Turm. Schon seltsam.

 

Zu guter Letzt…

Kommen wir nun zum Humor. Man hätte den Humor auf Sakaar beschränken können und selbst da wäre er besser gewesen, wenn er weniger gewesen wäre… oder um es mit einem Sprichwort zu sagen, manchmal ist weniger mehr. Und das ist hier sicher der Fall.

Während ich es witzig fand, wenn Thor immer wieder mit „die Sonne geht unter“ anfing, und auch der Hulk in den Dialogszenen wirklich witzig war, so konnte ich mich mit dem Slapstick doch nicht anfreunden. Wenn ich Slapstick sehen will… oh, Moment, ich will keinen Slapstick sehen. Ich mag keinen Slapstick und er passt auch nicht ins MCU.

Drax light hingegen ging mir auf die Nerven, was auch damit zusammenhing, dass der Charakter nur ganz knapp auf zwei Dimensionen kam… trotz 3D-Brille. Dem Charakter fehlte jede Motivation, und er hat mit seinem „Witz“ die Szene der Zerstörung Asgards völlig ruiniert. Solche Kommentare erwarte ich vom Kinobesucher neben mir, aber sicher nicht von einem Charakter im Film. Auch hier muss klar gesagt werden, dass der Charakter keinen Auftrag in der Story hatte und sein Auftrag im Film war es Witze zu reißen. Gut, ist ne Comedy. Wahrscheinlich hätte es mich gar nicht gestört, wenn der Rest besser gewesen wäre.

Aber Humor ist es ja, wenn man trotzdem lacht… also lache ich… hysterisch.

 

Das alles klingt jetzt so, als sei der Film nicht gut… ich freue mich, wenn er es für euch ist. Ich wünschte, er wäre es für mich auch.

 

 

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