Am 17. April 2018 veröffentlichte der Del Rey Verlag das Buch „Last Shot“ welches zum Begleitmaterial des kommenden Films „Solo – A Star Wars Story“ gehört. Es ist dabei der erste Roman der zum Film erscheint und bereitet ähnlich wie „Der Auslöser“ zu Rogue One, auf den Film vor. Der Unterschied hierbei ist, dass Last Shot viel mehr die richtige Stimmung erzeugen will und keine inhaltliche Vorgeschichte zu „Solo“ darstellt. Ob Last Shot damit erfolgreich ist oder versagt, erfahrt ihr in dieser Review.
 
 

Handlung:

Es sind 2 Jahre seit der Schlacht von Jakku vergangen. Der Krieg ist vorbei, das imperiale Militär geschlagen und die neue Republik beginnt mit dem Wiederaufbau der Galaxie. Han Solo, Kriegsheld und ehemaliger Schmuggler ist sich nicht ganz sicher, welche Position er in dieser neuen Welt einnehmen soll. Dank seiner wunderschönen Frau und seinem noch jungen Sohn, scheint sein Leben perfekt zu sein. Doch Han Solo wundert sich ob er für solch eines überhaupt gemacht ist. In der Erziehung von Ben scheint er kläglich zu versagen und seine Position als Leiter “ Der Kommission für Piloten der neuen Republik“ scheint ihn aufgrund der vielen Bürokratie eher zu langweilen, als zu beschäftigen. Da kommt es ihm fast schon gelegen, als plötzlich sein alter Freund Lando Calrissian bei ihm auftaucht, auch wenn der Anlass von brenzliger Natur ist: Ein Mann namens Fyzen Gor, ist hinter einem Objekt namens „Phylanx Redux Transmitter“ her, und Han Solo muss dieses vor 10 Jahren gestohlen haben, als der Falken immer noch auf Lando angemeldet war doch bereits Han gehörte. Fyzen Gor droht mit der Zerstörung von Cloud City, sollten die beiden Männer ihm den Gegenstand nicht bringen. Han und Lando machen sich also zusammen mit einem Team von seltsamen Charakteren (eine Ewok-Hacker/Slicer, ein junger und verrückter Pilot, Chewbacca und Landos vermeidlicher großen Liebe) auf den Weg, um den Phylanx zu finden, jedoch gleichzeitig Fyzen Gor zu überlisten…
 
 
 

Kritik:

 
Die Geschichte von „Last Shot“ streckt sich über vier verschieden Zeiträume, während die Haupthandlung 2 Jahre nach Jakku angesiedelt ist. Die drei Nebenhandlungen spielen einmal 20 Jahre vor dem Buch, 15 Jahre vor dem Buch und 10 Jahre vor dem Buch. Der Klappentext verrät bereits wie die Geschichte aufgebaut ist, jedoch hatte ich im Voraus erwartet, dass wir uns vom ältesten Handlungsstrang bis zum aktuellsten nacheinander durch arbeiten, so wie es in den alten „Jedi-Padawan“ Romanen aus dem EU („Erweitertes Universum“) stets gehandhabt wurde. Stattdessen beginnt die Geschichte direkt im aktuellsten Handlungstrang und springt dann von Kapitel zu Kapitel immer wieder zwischen den Zeiträumen hin und her. Das hat zwar den Vorteil, dass die Haupthandlung sofort beginnen kann, jedoch sorgt es auch dafür, dass die Nebenhandlungen an Bedeutung verlieren und fast schon störend wirken, wenn dafür die eigentliche Geschichte ständig unterbrochen wird. Am Ende des Buches waren die verschiedenen Zeiträume zwar ganz nett zu lesen, das Buch hätte aber vermutlich besser funktioniert wäre es anders strukturiert gewesen oder hätte es sich nur auf die Haupthandlung konzentriert. Abgesehen davon hat Daniel José Older uns jedoch genau das geliefert was er liefern sollte: „Last Shot“ ist ein unterhaltsames und fast schon sorgloses Space Adventure und mir war bis zum Release dieses Buches gar nicht bewusst das ich solche Geschichten bisher im Kanon schmerzlich vermisst hatte. Die beiden Hauptcharaktere sind perfekt getroffen und die Performance von Billy Dee Williams und Harrison Ford ist voll und ganz zwischen den Seiten eingefangen worden. Die Dialoge sind witzig und gut geschrieben was nicht selten dazu führte, dass ich laut und unkontrolliert lachen musste. Older schafft es auf geniale Art und Weise unsere Helden nach dem Krieg darzustellen und auch ihre Entwicklung voran zu treiben.
 
 
 
 
Han hat damit zu kämpfen, dass er sich nicht dazu befähigt fühlt ein Vater zu sein und Lando steht vor der Entscheidung, sein Aufreißerleben hinter sich zu lassen und sich an eine Frau zu binden. Beide treten dabei aus ihren Komfortzonen heraus und es zeigt sich schnell, dass sie damit viele Probleme haben. Am Ende werden diese charakterlichen Entwicklungen auch zufriedenstellend abgeschlossen. Older hat also wahrlich ein Talent dafür, diese beiden Charaktere zu schreiben und auch seine eigenen Figuren, welcher er hier in das Star Wars Universum einführt, bereichern die Handlung sehr. Dabei ist es sehr interessant, dass Older eine Ewok einführt, welche als Hackerin aktiv ist. Ein Ewok ist wohl die letzte Art von Charakter die man sich in einer solchen Position vorstellen könnte, jedoch macht es Sinn, dass Ewoks nach der Schlacht von Endor sich in anderen Bereichen der Galaxie umgesehen haben und dabei neue Fähigkeiten erlernten. Immerhin sorgten die Events aus Episode 6 dafür, dass diese Rasse in die galaktischen Geschehnisse eingebunden wurde. Older schafft es diesen seltsamen Charaktertyp glaubhaft rüber zu bringen und die Ewok sorgt für einige der besten Momente im Buch. Der Charakter Taka ist ganz unterhaltsam und bietet vor allem für Han Solo ein interessantes Gegenüber, da sie sich gar nicht so unähnlich sind, fällt jedoch insgesamt etwas flach und bleibt auch nicht wirklich in Erinnerung. Taka steht symbolisch leider auch für eine der größten Schwächen des Buches nämlich Olders scheinbares Desinteresse an einer nachvollziehbaren Handlung.
 
You could try to teach an old spacer new tricks… or you could hire Taka Jamoreesa.
 
Der Charakter wird vom ersten Moment an als Non-Binary (geschlechterlos, weder ganz männlich noch ganz weiblich) vorgestellt und ist damit eine Neuheit im Star Wars Universum. Das wäre an sich nichts Schlechtes und es ist völlig in Ordnung, auch solchen Persönlichkeiten eine Bühne zu geben, leider besteht in Takas Fall das Problem, dass dieser Umstand nicht aufrichtig behandelt wird. Non-Binary ist kein von außen erkennbarer Zustand. Man sieht einer Person nicht an ob sie Non-Binary ist. Non-Binary ist nicht biologisch, sondern eine Sache der Persönlichkeit. Man sieht einem Transexuellen, der sich nicht operiert lassen hat und sich auch sonst normal kleidet auch nicht an, dass er sich innerlich wie eine Frau fühlt. Aus diesem Grund muss sich jemand verbal als Non-Binary zu erkennen geben. Das heißt: im Buch selbst hätte es dazu eine Konversation geben müssen. Diese hätte innerhalb von zwei Sätzen abgehandelt werden können und danach hätte man es nie wieder direkt ansprechen müssen. Older macht sich jedoch gar keine Mühe, diese Situation in seiner Geschichte zu behandeln. Der Charakter wird einfach von Anfang an mit dem englischen Personalpronomen „They“ angesprochen, um zu etabilieren, dass Taka weder männlich noch weiblich ist. Ganz so, als könnten Han, Lando und alle anderen nur durch Augenkontakt feststellen, dass Taka Non-Binary ist. So funktioniert das ganze jedoch nicht und wirkt selbst für Star Wars ziemlich unglaubhaft. Es ist völlig okay, Non-Binary als etwas normales zu behandeln, man kann jedoch nicht so tun, als wäre Non-Binary ein äußerlicher, biologischer Zustand, den jeder sofort erkennen kann. Für mich war das einfach schlecht gemacht und sorgte dafür, dass ich mich bei einem Großteil des Buches fragte, ob ich etwas überlesen hatte oder mir sonst wie diese wichtige Information entgangen war. In diesem Fall hätte sich Older einfach etwas mehr Zeit für Taka und seine/ihre Sonderstellung nehmen müssen, wenn er denn schon progressiv sein möchte.
 
Florx’s expertise with droids is matched only by his disdain for everything else.
 
Ein ähnliches Problem, wiederholt sich im Mittelteil des Buches, als plötzlich ein Charakter eingeführt wird, der für lange Zeit relativ wichtig ist und dann ohne weiteres nie wieder erwähnt wird. Man weiß nicht was mit ihm passiert ist, wo er gelandet ist oder ob er überhaupt die bisherige Geschichte überlebt hat. In einem Moment ist er noch mit unserer Heldentruppe unterwegs und im nächsten wird sein Name einfach nicht mehr erwähnt. In der Sekunde wo die Handlung den Charakter nicht mehr benötigt lässt Older ihn einfach weg und das sorgt für ein seltsames Gefühl im Magen und für viele Fragezeichen. Ich habe mehrmals den Handlungsstrang der Figur nachgelesen, um herauszufinden was mit ihr passiert ist, konnte jedoch nie eine Antwort finden. Diese beiden Beispiele, das plötzliche Verschwinden einer Figur und die Behandlung von Taka sorgen dafür, dass man wie bereits erwähnt gewisse Charakterentwicklungen und Handlungsstränge nicht nachvollziehen kann und den Eindruck erhält, dass Older dies auch nicht besonders wichtig war. Der Plot des Buches ist im Gegensatz dazu jedoch sehr gut etabliert worden, da wir auch einige Kapitel mit dem Schurken des Romans verbringen und so seine Motivation besser nachvollziehen können. Dabei enthält die Handlung einige Horror-Elemente und stellt auch Fragen nach der Entwicklung und Bestimmung von künstlichen Leben. Für manche Leser könnte die Geschichte dabei etwas zu abgedreht sein, für mich war sie jedoch super unterhaltsam.
 

Fazit:

 
Older hat mit „Last Shot“ ein solides Debüt im Kanon abgeliefert und ich kann dieses Buch einem jeden empfehlen, der großer Han und Lando Fan ist und Interesse an einem spannenden und witzigen Weltraum-Abenteuer hat. Leider hat das Buch jedoch einige strukturelle Schwierigkeiten und Older scheint manchmal wichtige Punkte seiner eigenen Geschichte völlig zu vergessen oder kein Interesse für sie zu haben. Daher ist das Buch für niemanden zu empfehlen der sich als Kontinuitätsfanatiker bezeichnen würde. „Last Shot“ ist ein gutes Buch, aber weit von den Topbüchern des Kanons entfernt.

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