Ganovenmythos,  sadistischer Serienkiller, Desperate Houseman, Präsident. Was sich anhört wie die Vita von Donald Trump ist in Wirklichkeit der filmische Werdegang einer der letzten großen Schauspieler unserer Zeit. Das sind beileibe nur ein Bruchteil der Rollen, die Kevin Spacey spielte. Dieser Mann ist wandlungsfähiger als ein Chamäleon.

Seine Anfänge

Spacey, mit bürgerlichem Namen Kevin Spacey Fowler erblickte am 26. Juli 1959 in South Orange, New Jersey das Licht der Welt. Nach einem Studium an der renommierten Juilliard School in New York City zog es ihn alsbald dorthin, wo (fast) alle großen Schauspieler ihre ersten Sporen verdienten; den Broadway. Hier verkörperte er über die Jahre hinweg sehr erfolgreich und von den Kritikern hochgelobt die verschiedensten Rollen, sehr oft an der Seite seines Mentors, dem überragenden Jack Lemmon. Es kam was kommen musste: Er wechselte allmählich auf die große Leinwand. Dieser Schritt ging allerdings erstmal über den „Umweg“ Fernsehen, in dem er in mehreren Serien und Fernsehfilmen meist Nebenrollen spielte. Als bereits etablierter Charakterdarsteller gelang es ihm in Filmen wie Glengarry Glen Ross oder Unter Haien in Hollywood neben Stars wie z.B. Ed Harris oder Al Pacino großartige Performances zu leisten.

Der Durchbruch

Seine nun folgenden Rollen machte ihn zu einem der gefragtesten Schauspieler seiner Zeit und katapultierten ihn direkt in die erste Liga Hollywoods. Als er 1995 die Rolle des vermeintlich halbseitig gelähmten Gelegenheits-Kriminellen Verbal Kint in Bryan Singers Die üblichen Verdächtigen mit absoluter schauspielerischer Brillianz verkörperte, war sich die Academy sicher: Der Mann ist reif für den Oscar!

© Constantin Film

 

Im folgenden Jahr bekam er dann auch folgerichtig die Auszeichnung als Bester Nebendarsteller. Im gleichen Jahr verkörperte er in Se7en den sadistischen, jedoch hochintelligenten Serienkiller John Doe. Obwohl er erst im letzten Drittel des Films auftaucht, füllt er in jeder einzelnen Minute die er zu sehen ist die Leinwand mit einer unglaublichen, sinistren Präsenz die ihresgleichen sucht und lässt seine Co-Stars abermals blass erscheinen. Es folgten Hauptrollen in solch grandiosen Filmen wie L.A.Confidential oder Verhandlungssache.

 

Seine wohl bekannteste Rolle spielte er 1999 als von der Midlife Crisis gebeutelten Ehemann und Vater Lester Burnham in American Beauty. Die logische Konsequenz hieraus war der an ihn verliehene Oscar als bester Hauptdarsteller. ( Man beachte die ebenfalls Nominierten, die jeder für sich herausragende Performances in ihren Filmen lieferten)

Der Dressman mit dem Narrenseil

Trotzdem wähnte man ihn nicht am Zenit seines Könnens. Nach vielen Filmen in der ersten Dekade des neuen Jahrtausends, die nicht aufgrund seiner schauspielerischen Leistung sondern eher der mangelnden Qualität der Drehbücher etc. an den Kinokassen nicht gut ankamen, fand er mit der Rolle des von Macht besessenen Politikers Francis „Frank“ Underwood in der Netflix-Produktion House of Cards den Weg zurück auf die TV-Geräte. Den Reiz der Serie macht einfach Spaceys Präsenz als fast despotisches Staatsoberhaupt aus, der immer wieder die sogenannte „Vierte Wand“ durchbricht um mit dem Zuschauer zu kommunizieren. Hatte die Serie zwischendurch doch ein paar Hänger und schien keine Fahrt mehr aufnehmen zu wollen, freute man sich doch immer wieder, wenn eine neue Staffel angekündigt wurde und man Spacey wieder als charismatisch-diabolischen Machthaber wiedersehen durfte.  Natürlich ist das Schauspieler-Ensemble um ihn herum auch nicht von schlechten Eltern, aber er ist ganz klar der Star der Serie.

Was aber macht ihn denn so unglaublich charismatisch? Zum einen ist es sein unglaublicher Sinn für Humor. Im Netz finden sich mehrere Videos, in denen er Show- und Schauspielgrößen fast perfekt imitiert. Hier ein Ausschnitt aus Inside the Actors Studio:

Und das ist freilich nur ein Clip aus vielen anderen. Die dauerhafte Verschmitztheit in seinem Minenspiel, die oft bei Interviews und Show-Auftritten zu erkennen ist, beweist: Er hat´s faustdick hinter den Ohren. Aber das ist noch nicht alles was Spaceys Aura ausmacht. Ihm wohnt eine Gabe inne, die man bei vielen Schauspielern unserer Zeit vergeblich sucht: Man nimmt ihm jede einzelne Rolle, die er spielt ab. Ist es einfach die Hingabe zur Schauspielerei oder das scheinbar angeborene Talent? Who knows. Wahrscheinlich ist es beides.