Heute möchte ich euch einen wunderbaren Anime der letzten Season vorstellen, welcher aber dank 22 Folgen Laufzeit auch zum aktuellen Zeitpunkt noch ausgestrahlt wird.

Bei „March comes in like a Lion“ der im Original „3-gatsu no Lion“ heißt, wird die Geschichte des jungen Rei Kiriyama erzählt, welcher als fünfte Person in der Geschichte bereits in der Mittelschule ein professioneller Shogi Spieler wurde. Bei Shogi handelt es sich um ein Brettspiel ähnlich dem bekannten Schach und wird deswegen auch gerne als Japanisches Schach bezeichnet. Rei ist nun nicht nur besonders, weil er mit seinen 17 Jahren bereits professioneller Spieler ist und somit hoch gehandelt wird, nein, er ist auch besonders, weil ihm das Leben bis zu diesem Punkt nicht sonderlich gut mitgespielt hat. In jungem Alter lernte er von seinem Vater, ebenfalls ein Shogi Spieler, die Regeln und wuchs somit direkt damit auf. Eines Tages jedoch starben seine Eltern sowie seine Schwester in einem Autounfall und der junge Rei war auf sich alleine gestellt. In Folge dieser Ereignisse wurde er von einem Freund und ehemaligen Rivalen seines Vaters aufgenommen. Dort lebte Rei dann mit dessen Kindern, welche ebenfalls von klein auf Shogi spielten. Unglücklicherweise tat sich Rei in dieser Zeit als der bessere Spieler hervor (auch um seine Anwesenheit in diesem Haushalt irgendwie zu legitimieren). Daraus entwickelte sich insofern ein Problem, da beide leibliche Kinder versuchten in der Achtung des Vaters zu überzeugen indem sie gut spielten. Die Spannungen, die sich entwickeln, sind also leicht zu erahnen. Auch aus diesem Grund zieht Rei bei seinem Ziehvater aus, sobald er es schafft in der Oberschule durch seine Turniere und damit einhergehende Gewinne ein eigenes Leben finanzieren zu können. Mit der eigenen Wohnung kommt jedoch auch eine bedeutende Kehrseite: Die Einsamkeit. Rei wird nun immer mehr mit seinen eigenen Gefühlen konfrontiert. Unweigerlich wird er von der Last der letzten Jahre überwältigt. Von dem Verlust, von der gefühlten Einmischung in eine fremde Familie und der jetzt eintretenden Einsamkeit. Dies wird auch in seiner Wohnung selbst widergespiegelt. Diese ist unangenehm leer. Neben einem Shogi Brett, einer kleinen Küchenzeile und einem Futon sieht sie aus, als wäre sie leerstehend. Was sich hier aber schon andeutet, wird im Verlauf des Anime immer klarer. Häufig wird für diese emotionale Belastung, welche Rei fühlt, Wasser als Metapher genutzt. Der Balkon seiner Wohnung hat einen wunderbaren Blick auf den Fluss, der durch die Stadt fließt und immer wieder, wenn Rei in seiner Trübsal versinkt, wird Wasser als Stilelement eingesetzt. Zum einen, weil unter Wasser Geräusche sehr gedämpft sind, zum anderen, weil die Farben dann deutlich dunkler, blasser werden und damit ein sehr melancholisches Bild kreiert wird.

(v.l.n.r.) Akari, Momo, Hinata Kawamoto, Rei Kiriyama

Im starken Kontrast zu diesen stillen und sehr schweren Momenten stehen die Situationen, in denen Rei bei der Familie Kawamoto zu Gast ist. In diesem Haushalt leben drei Schwestern unterschiedlichsten Alters zusammen mit ihrem Großvater. Alleine anhand dieser Konstellation kann man schon erahnen, dass es diesen lieben Menschen auch nicht immer rosig ergangen ist. Jedoch haben sie immer noch einander, was die Stimmung im Haus ungemein aufhellt. Besonders die kleinste Schwester Momo ist so herzallerliebst, dass man nicht anders kann, als zu lächeln. Ein weiterer, zunächst ein wenig verstörender Aspekt, welcher aber über die Dauer seine humoristische Leistung beweist, ist die Tatsache, dass man als Zuschauer die Gedanken der Katzen des Haushalts hören kann. Denkbar nahe liegend werden diese häufig von Futter geprägt. Sobald Rei dieses Haus und damit diese ganz andere, sehr warme Atmosphäre betritt sind seine ganzen emotionalen Bürden, zumindest für eine kurze Zeit, von seinen Schultern genommen.

Im Verlaufe des Anime begleitet man nun Rei wie er mit seinen Problemen zu kämpfen hat, sieht wie er im Shogi kämpft und erfährt gleichzeitig, wie er eigentlich zu Shogi selbst steht. Auf diesem Weg wird langsam klar, dass er mit den richtigen Leuten an seiner Seite durchaus noch einen Sinn in allem finden kann und so ist es schön zu sehen wie er nach anfänglichen Schwierigkeiten immer mehr Lebensqualität zurückgewinnt. Schön dargestellt wird dies mit einer wachsenden Ausstattung der Wohnung. Ohne zu viel zu verraten kann man erwähnen, dass als erster neuer Einrichtungsgegenstand Vorhänge den Weg in die Wohnung finden. Ich könnte jetzt noch genauer auf Shogi selbst eingehen und auf die Situationen, die sich durch dieses Spiel für Rei ergeben, aber das ist dann doch schöner, wenn man dies selbst erlebt. Was noch anzumerken ist, kann man schon in dem oben eingebundenen Bild sehen. Der Zeichenstil ist definitiv anders als man es üblicherweise kennt, jedoch gewöhnt man sich sehr schnell an diesen. Mittlerweile gefällt er mir persönlich auch sehr gut. Ebenso ist das erste Opening zu loben. Ich finde dieses hat wirklich Ohrwurmpotential.

Meine Empfehlung basiert auf den bisher 14 Folgen, welche ich gesehen habe. Verfügbar ist „March comes in like a Lion“ bei Akibapass.

Kommentare